Protestierende Flüchtlinge im Katastrophengebiet

Anpacken in Simbach statt Däumchendrehen in Bergen

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Bergen - Die 21 Flüchtlinge setzen ihren Protest gegen den Umzug nach Petting fort - obwohl der Druck der Behörden stärker wird. Nun machen sie sich auf, um in der Hochwasserkatastrophe zu helfen.

Update 11 Uhr:

Nun stehen sie mit Turnschuhen knöcheltief im Schlamm: Die Gruppe Asylbewerber aus Bergen hat ihren Protest gegen die Verlegung nach Petting am Freitag kurzerhand unterbrochen um im hochwassergebeutelten Simbach mit anzupacken. Von der Koordinierungsstelle für freiwillige Helfer wurden sie eingeteilt und tragen nun eimerweise Morast aus den Häusern. 

"Jeder der Zeit hat kann sehr einfach helfen", ist das Motto. Die Eindrücke aus Simbach seien kaum zu beschreiben, heißt es vom Bergener Helferkreis. 

Unser Artikel vom Freitagmorgen:

Der Protest von 21 Asylbewerbern in Bergen geht weiter: Sie befürchten, in der neuen Unterkunft in Kühnhausen sozial isoliert zu sein und verbrachten nun die zweite Nacht am Dorfplatz im Freien. Doch den Tag über werden sie nicht neben dem Brunnen im Ortszentrum verbringen und warten, sondern sich auf die Reise ins niederbayerische Katastrophengebiet machen.

Gemeinsam mit den Fußballern nach Simbach

"In den Medien haben die Asylbewerber von der Anlaufstelle für freiwillige Helfer in Simbach gehört. Spontan haben sie mitten in der Nacht entschieden, dass Nothilfe in dieser Situation zu leisten unbedingt wichtiger ist, als ihr eigener Protest, da die meisten von ihnen Leid und Elend bereits am eigenen Leib erfahren mussten", so einer der Helfer vor Ort in Bergen.

Gemeinsam mit Leuten aus Bergen, unter anderem wieder solidarischen Fußballern vom TSV Bergen, stieg man also in drei Fahrzeuge nach Simbach am Inn. "Gegen Abend planen die Flüchtlinge dann zurück zu sein, sie würden ihren eigenen Protest in der Nacht dann wieder fortsetzen. Am nächsten Tag würden sie dann gegebenenfalls wieder aufbrechen, um erst einmal zu helfen", so der Helfer.

Landratsamt erhöht Druck

Das Protestcamp am Bergener Dorfplatz.

Unterdessen erhöht das Traunsteiner Landratsamt den Druck auf die 21 nicht anerkannten Flüchtlinge, die neue Unterkunft in Kühnhausen bei Petting zu akzeptieren: Für ein nahegelegenes Haus, in dem die Asylbewerber bisher die Sanitäranlagen nutzen konnten, wurde von der Behörde Hausverbot für die Männer verhängt. In das alte Gasthaus Hochfelln, wo sie fast die letzten drei Jahre verbrachten, können sie ebenfalls nicht mehr - der Pächter will nun renovieren, um erneut einen Gastwirt zu finden.

Helferinnen berichteten am Donnerstagnachmittag bereits, dass die Flüchtlinge bereits kein Geld mehr von Kreissozialamt erhalten hätten. Mitarbeiter des Landratsamtes schauten am Donnerstag auch noch persönlich in Bergen vorbei: Sie wollten Briefe mit persönlichen Fristverlängerungen bis Mittwoch übergeben, um nach Kühnhausen überzusiedeln. Vergebens. Die Männer, 19 Senegalesen, ein Pakistani, ein Kongolese, verweigerten die Annahme.

Fotos aus Bergen: Flüchtlinge verweigern Umzug nach Petting

Fotos: Flüchtlingsheim Kühnhausen von außen und innen

xe

Quelle: chiemgau24.de

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