Prozess in Nürnberg

Absichtlich in Gruppe gerast: Angeklagter entschuldigt sich

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Der Tatort in Nürnberg: Hier war der Angeklagte in die Menschengruppe gerast.

Nürnberg - Es war eine Schock-Tat: Ein Autofahrer fuhr in Nürnberg gezielt in eine Gruppe von Gästen in einem Straßenlokal. Vor Gericht begründete der Angeklagte die Tat mit einer langen Vorgeschichte.

Mit Absicht war der 43-Jährige im vergangenen Jahr in eine Menschengruppe vor einem Straßenlokal in Nürnberg gefahren - drei Männer wurden dabei verletzt. Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth bat der Autofahrer beim Prozessauftakt am Freitag nun um Entschuldigung. Er könne sich seine Tat selbst nicht erklären. Seit zwei Jahren sei er mit einem seiner Opfer im Clinch gewesen. Als der Mann ihm am Tag der Tat dann den gestreckten Mittelfinger gezeigt und obszöne Gesten gemacht habe, habe er aufgrund dieser Provokation rot gesehen. Angeklagt ist der 43-Jährige wegen versuchten Mordes in drei Fällen.

Ein Opfer (28) musste achtmal operiert werden

Er war laut Anklage am 19. April 2015 zunächst an dem Straßenlokal vorbeigefahren. Etwa zehn Minuten später kehrte er zurück, beschleunigte und fuhr gezielt in die Menschengruppe. Drei Männer wurden dadurch verletzt, einer von ihnen schwer. Der 28-Jährige erlitt mehrere Knochenbrüche und musste bislang achtmal operiert werden. Die beiden anderen Verletzten - Freunde des Hauptgeschädigten - erlitten Prellungen. Neben den Männern saßen weitere Gäste an Tischen vor dem Lokal - unter ihnen ein Ehepaar mit Kind.

Nach dem Zusammenstoß bot sich ein Bild der Verwüstung: Stühle lagen kreuz und quer, dazwischen Plastikflaschen, Ketchupspritzer und Sitzpolster. Auch ein Stromverteilerkasten lag auf dem Gehweg.

Gezeigter Mittelfinger wirkte "wie ein rotes Tuch"

Der Angeklagte begründete seine Tat mit einer längeren Vorgeschichte: Im Jahr 2013 habe der 28-Jährige zusammen mit Freunden einen Kumpel vom ihm verprügelt. Die Gruppe sei dafür später zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Weil er seinem Kumpel gut zugeredet habe, dass dieser die Schläger anzeigen solle, hätten die Täter ihn wochenlang verfolgt und bedroht. Aufgrund dieser angespannten Situation habe der Mittelfinger des 28-Jährigen auf ihn gewirkt „wie ein rotes Tuch“.

Er gab zu, dass er den Mann verletzen und ihm einen Denkzettel verpassen wollte. Töten wollte er ihn laut seiner Aussage jedoch nicht. Der Anwalt des Geschädigten dagegen sagte, die Geste des gestreckten Mittelfingers habe es nie gegeben. Der Angeklagte habe dies erfunden, um eine Entschuldigung für seine Tat zu haben. Für den Prozess sind sechs weitere Termine bis zum 17. März geplant.

dpa

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