In Augsburg vor Gericht

Bernd Schottdorf: Vorwürfe sind unbegründet

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Bernd Schottdorf wirkt beim Prozessauftakt am Montag gelassen. Der Laborarzt war bereits im Jahr 2000 wegen ähnlicher Vorwürfe vor Gericht.

Augsburg - Kein Motiv, kein Betrug, kein Schaden? Zu Beginn des Prozesses gegen den Laborarzt Bernd Schottdorf beteuert der Angeklagte seine Unschuld. Sein System sei nicht betrügerisch, sondern einfach sehr komplex – so sehr, dass er über Details kaum Auskunft gibt.

2004, äh, 2007? Bernd Schottdorf, 75, ist sich nicht sicher. Also neigt sich Anwalt Martin Imbeck zu ihm rüber und steckt seinem Mandanten die Lösung. 2007, genau. Da hat er die letzten Anteile an seiner Firma an den australischen Konzern Sonic Healthcare verkauft. Bis 2007 reichen auch die Betrugsvorwürfe gegen ihn. Bernd Schottdorf entfällt die Zahl gleich mehrere Male. Man wird sich ja noch irren dürfen.

Der Mann auf der Anklagebank gibt sich im Augsburger Landgerichtssaal so gelassen, dass es hin und wieder fast nachlässig wirkt. Er antwortet einsilbig, sagt kein Wort zu viel, eher im Gegenteil. Man kann daran seine Erfahrung mit Prozessen ablesen, er wird ja nicht zum ersten Mal angeklagt. Diesmal wirft ihm die Staatsanwaltschaft gewerbsmäßigen Betrug in 124 Fällen vor. Neben ihm ist seine Frau Gabriele, 61, angeklagt. Das Paar soll sich um 13 Millionen Euro bereichert haben.

Bernd Schottdorf kommt zu Wort

An diesem Tag kommt nur Bernd Schottdorf zu Wort, seine Frau will morgen aussagen. Der 75-Jährige macht seinen Standpunkt schnell klar. „Die Vorwürfe gegen mich sind unbegründet“, sagt er. Er habe keine Zweifel daran, dass die Geschäfte, so wie er sie zwischen 2004 und 2007 gestaltet hat, zulässig seien.

Das bezweifelt die Staatsanwaltschaft. Sie geht davon aus, dass die Schottdorfs ein ausgeklügeltes System von fünf Speziallaboren dazu genutzt haben, um die so genannte Abstaffelung zu umgehen. Dahinter steckt eine Regelung von 1999, der zufolge vor allem Großlabore wie das der Schottdorfs ein bestimmtes Auftragsvolumen nicht überschreiten dürfen. Tun sie es doch, müssen sie den Kassen auf die Mehrleistung einen Rabatt gewähren. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Außenlabore in Bochum, Hamburg, Mainz, Ritschenhausen (Thüringen) und Stollberg (Sachsen) nur zum Schein selbständig aufgetreten seien, um die Abzüge zu umgehen. Knapp 79 Millionen Euro hätten sie auf diese Weise abgerechnet – und den Schottdorfs so die Millionen verschafft.

Waren die Labore selbständig oder nicht – das ist der Knackpunkt des Verfahrens. Schottdorf Betrug nachzuweisen, dürfte nicht einfach werden, denn der rechtliche Grat zwischen legaler Zusammenarbeit und Scheinselbständigkeit ist sehr schmal. Zudem war die Staatsanwaltschaft bisher mit allen Versuchen gescheitert, Bernd Schottdorf und seinen Geschäftspraktiken ein Bein zu stellen.

Entsprechend abgeklärt und ruhig verhält sich der Angeklagte. Er sagt, das System von Laboren außerhalb Bayerns sei historisch gewachsen und habe mit der Abstaffelungs-Regelung nichts zu tun. Seine Absicht sei es gewesen, „eine bundesweit gleichmäßige Präsenz von Laboren aufzubauen“. Daraus sei eine sehr komplexe Konstellation entstanden – komplex, nicht betrügerisch.

Bernd Schottdorf: Spielt er den Unwissenden?

Allerdings erweist sich Bernd Schottdorf nicht als Kenner von Details, auch nicht, was seine eigene Firma betrifft. Als die Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser ihn fragt, wie der Kontakt zu den fünf Außenlaboren zustande kam, weicht er aus. Als sie wissen will, ob Mitarbeiter aus diesen Laboren auch in seinem Augsburger Großlabor tätig waren, weiß er keine Antwort. Als es um das Laborkonstrukt insgesamt geht, sagt er bloß: „Ob dabei alles rechtlich passt, hab’ ich den Anwälten überlassen.“ Er selbst sei mit solchen Sachen nicht befasst gewesen, habe eher über künftige Strategien nachgedacht, über Visionen.

Ob er den Unwissenden spielt? Morgen wird Gabriele Schottdorf vor Gericht aussagen. Als Geschäftsführerin des Großlabors dürfte sie, etwa in Personalfragen, besser im Bilde sein als ihr Mann. Bis Dezember sind insgesamt 23 Prozesstage angesetzt. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen dem Ehepaar bis zu zehn Jahre Haft.

Marcus Mäckler

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