Psychisch Kranke misshandelt: Heimleiter vor Gericht

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Die Einrichtung "Neuer Weg" in Hausham.

Fischbachau/Hausham - Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen müssen sich seit Montag der Leiter einer psychiatrischen Einrichtung und zwei Mitarbeiter vor dem Landgericht München II verantworten.

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Pfleger misshandeln Patienten

Die 28 bis 51 Jahre alten Angeklagten kamen allerdings zum Auftakt nicht zu Wort: Der Prozess wurde gleich nach der Verlesung der 31 Seiten starken Anklage unterbrochen. Die Verteidigung hatte die Besetzung der Strafkammer mit einem angeblich nicht zuständigen Berufsrichter gerügt. Eine Entscheidung darüber steht noch aus.

Die Pfleger sollen den psychiatrischen Patienten unter anderem Magenschwinger mit der Faust verpasst, sie vom Bett auf den Boden geschleudert oder ihnen die Arme auf den Rücken gedreht haben. Der Hauptangeklagte soll als Gründer und Geschäftsführer der Gesellschaft “Neuer Weg“ mit zwei geschlossenen Heimen für psychisch gestörte Erwachsene im Landkreis Miesbach die Anweisung für den Einsatz von Gewalt gegeben haben. Die Gesellschaft hat eine Rahmenvereinbarung mit dem Bezirk Oberbayern, der für die Bewohner eine Vergütung von täglich je 209 Euro zahlt.

Der Staatsanwaltschaft zufolge hat der 51-Jährige für seine Einrichtungen mit dem weitgehenden Verzicht auf Psychopharmaka für die selbst- und fremdaggressiven Bewohner geworben. Er habe Anweisung gegeben, “Krisen schnell und knackig zu beenden“. Die Gewaltanwendung der Pfleger müsse “immer eine Stufe höher sein als die der Bewohner“. Ziel sei es gewesen, die Einrichtungen möglichst kostensparend zu betreiben. Laut Anklage kam es von 2004 bis 2009 zu weit über hundert Übergriffen.

Ein ehemaliger Mitarbeiter hat die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Er hatte einen Kollegen der Misshandlung eines Bewohners bezichtigt. Im Verleumdungsprozess gegen ihn wurde der Misshandlungsvorwurf bestätigt und der Ex-Mitarbeiter freigesprochen. Danach begann die Untersuchung der Zustände in den beiden Heimen mit insgesamt 59 Bewohnern. Im Ermittlungsverfahren haben die Angeklagten einen geringen Teil der Vorwürfe eingeräumt, wie ihre Anwälte am Rande der Sitzung sagten. Der Einsatz von Psychopharmaka sei in der Tat reduziert worden, “die Idee war, ohne diese mit schweren Nebenwirkungen behafteten Mittel und ohne Fixierung auszukommen“. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

dpa

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