Rätselhafter Kondensstreifen über dem Chiemgau

Viele absurde Theorien und zwei gute Erklärungen

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Dieses Foto unseres Users Ferdinand Kröger, aufgenommen am Donnerstagnachmittag südlich von Reit im Winkl, sorgte für einiges Rätselraten bei Experten und unseren Usern.

Reit im Winkel - Am Samstag berichteten wir über einen wellenförmigen Kondensstreifen über dem Chiemgau. Zwei Experten waren überfragt - dafür kamen von den Usern Antworten.

Sowohl Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung, als auch Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst, hatten auf Anfrage von chiemgau24.de keine Erklärung für den wellenförmigen Kondensstreifen. So etwas habe er noch nie gesehen, sagte der Diplom-Meteorologe Lux sogar. Ferdinand Kröger hatte den Streifen am Donnerstagnachmittag fotografiert und mit der Bitte um Aufklärung an unsere Redaktion geschickt.

Also baten wir unsere User um Erklärungen  - und die kamen zahlreich! Darunter waren sowohl spaßige, als auch ernsthafte Theorien. Zwei Erklärung halten wir für sehr schlüssig. Was wir ausschließen können: Mit Photoshop hat die Aufnahme nichts zu tun, wie einige Skeptiker vermuteten.

Einige User gaben sogar an, selbst solche kurvigen Streifen in letzter Zeit am Himmel gesehen zu haben, unter anderem über dem Wendelstein.

Vielen Dank für all die E-Mails und Nachrichten!

Spaßige Theorien

Besonders auf Facebook gab es so manche absurde Erklärung für die Wellenform der Kondensstreifen: Von betrunkenen UFO-Piloten, dem Beweis für das fliegende Spaghettimonster, einer angeheiterten Hexe oder einem alkoholisierten Nikolaus, einem Hobbybastler, der eine Rakete starten ließ, bis zur Verschwörungstheorie Chemtrail war alles dabei.

Ernsthafte Theorien

Dass der Streifen von einer Langstreckenrakete entstanden sein könnte, vermutete unser User Simon M. auf Grund der schmalen Spur. Wolfgang R. erinnerte sich an die spektakulären Bilder vom Meteoritenabsturz in Russland und erkannte Parallelen. Andere tippten auf Kunstflieger, die Loopings und Schrauben in der Luft gedreht haben.

Besonders interessant war eine E-Mail von Pilot Karl Kastin, der auf einem Charterflug von Paris nach Qujda (Marokko) am 2. August 2012 ein ähnliches Phänomen sah. Aus dem Cockpit heraus machte er Fotos von dem außergewöhnlichen Kondensstreifen: "Ich vermute, diese Formen werden durch Temperaturänderungen (Turbulenz) und unterschiedliche Winde hervorgerufen. Im Fall unserer „Spirale“ könnte zusätzlich noch vom Flugzeug erzeugte Turbulenz ("wake turbulence") verantwortlich sein."

Zwei gute Erklärungen

Am Samstag erreichte uns dann ausgerechnet von der Seite chemtrail-fragen.de eine schlüssige Erklärung für das Phänomen. Wenig später erhielten wir eine weitere gute Erklärung von Flugkapitän Helmut Öhler.

So erklärt chemtrail-frage.de den wellenförmigen Kondensstreifen: 

"An den Enden der Tragflächen der Flugzeuge bilden sich Wirbelschläuche. In Reisehöhe kann man die oft als Bestandteile der Kondensstreifen in Form zunächst relativ gerader Linien sehen.

Berühren sich diese Schläuche, 'zerreißen' sie und die nun kleinen Teile ziehen sich zusammen. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Crow-Instabilität. Dabei können Kringel, Brillen o. ä. beobachtet werden. Diese kleinen Teile sinken ab und bilden - wenn es sich um haltbare Kondensstreifen handelt, oft Beulen an der Unterseite ('pendules').

Wird ein solcher Schlauch aber nicht zerstört, bleibt er eben erhalten. Da es sich aber um einen Wirbelschlauch handelt, schaukelt der sich hoch und nimmt nun eine nahezu sinusförmige Form an - es ist also eine Selbstinduktion eines Wirbelschlauches."

Untermauert wurde diese Erklärung noch mit einem Link zu weiteren Fotos, die tatsächlich der Aufnahme aus dem Chiemgau sehr ähneln.

So erklärt Flugkapitän Helmut Öhler das Phänomen: 

"Es gibt in der Luftfahrt zwei verschiedene Arten von Kondensstreifen. Zum einen sind das sogenannte 'exhaust contrails', also Kondensstreifen, die durch die Abgase der Triebwerke gebildet werden. Des weiteren gibt es die aerodynamischen Kondensstreifen.

Diese bilden sich dadurch, dass ein kurzzeitiger Unterdruck auf der Oberseite einer Tragfläche entsteht (Auftrieb), auch bilden sie sich im Inneren einer Wirbelschleppe. Wird der Luftdruck reduziert, kann die Luft weniger Wasser halten, es kommt zur Kondensation (Wolkenbildung).

Auf dem Bild handelt es sich nun um eine besondere Form der aerodynamischen Kondensstreifen, nämlich einem Hybrid-Kondensstreifen. Er entsteht dadurch, dass sich in einer Wirbelschleppe größere Eiskristalle bilden können, die länger sichtbar bleiben und in ihrer rotierenden Wirbelschleppe eng beieinander bleiben. Die Kurvenbildung erfolgt sowohl durch die Eigenrotation der Schleppe, als auch durch die unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten in einem Windfeld."

Diese Archiv-Aufnahme machte Flugkapitän Helmut Öhler vom Boden aus.  

Als Flugkapitän habe er schon einige Male ähnliche Phänomene beobachten dürfen. Zwar habe er leider kein Foto aus dem Cockpit heraus gemacht, jedoch vom Boden. Diese alte Aufnahme schickte er uns mit.

mg

Quelle: chiemgau24.de

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