Schutzwaldsanierung Weißwand

"Wir übernehmen die Rolle von Bär und Wolf"

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Ramsau - Sturm Kyrill wütete in Ramsau auf gut 65 Hektar Fläche und zerstörte viel des über 200 Jahre alten Waldbestandes. Im Sanierungsgebiet Weißwand ist seit dem viel geschehen.

Der offizielle Arbeitsbegriff lautet "Schutzwaldsanierungsplanung Weißwand" und ist ein Gemeinschaftsprojekt. Beteiligt sind die Bayerischen Staatsforsten AöR, die Bayerischen Forstverwaltung, die Wasserwirtschaftsverwaltung und die Straßenbauverwaltung. Insgesamt 350 Hektar Fläche ist das Sanierungsgebiet groß. 65 Hektar sanierungsbedürftige Fläche davon gehen alleine auf das Konto von Orkan Kyrill im Januar 2007.

Die Bayerischen Staatsforsten 

Steile Hänge mit viel Fläche blieben nach Orkan Kyrill vielerorts übrig. So auch am Wachterl, an der sogenannten Weißwand. Ein Südwesthang, auf dem im Wintergerne Gams und Rotwild standen und sich an der Wintersonne erwärmten. Der spärliche Bewuchs bot dem Wild viel Platz sich auszubreiten. 

Freie Fläche gibt esseit Kyrill hier nun mehr als genug, denn viele Bäume sind dem Orkan zum Opfer gefallen. Wild gäbe es noch welches, aber das steht auch nicht mehr hier. Denn dafür sorgen die Jäger aus dem Bayerischen Staatsforst. "Wir übernehmen die Rolle von Bär und Wolf, die es nicht mehr gibt und sorgen dafür, dass es nicht zu viel Wild gibt.", so der teilnehmende Jagdkollege.

Denn der Bayerische Staatsforst betreibt seit neun Jahren Aufforstung mit Mischwald. Tannen und Fichten wurden angepflanzt, Lärchen, Bergahorn und vieles mehr haben sich mittlerweile wieder selber angesäht und sind gewachsen. Damit die kleinen Pflanzen eine Chance zum Wachsen haben, muss dafür gesorgt werden, dass die leckeren grünen Knospen nicht von Gams oder Rotwild abgefressen werden. Und darum kümmern sich die Jäger, in diesem Gebiet. "Rund 20 Tiere pro Jahr schießen sie ab, um deren Anzahl auf einem stets gleichbleibenden Level halten", so die Aussage von Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller. "Wenn man sich die Statistik anschaut, dann sind die Zahlen so wie sie sein sollen", so Müller weiter. 

Begehung des Schutzwaldes Weisswand

Natürliche Lawinenschutzwälle

Aber erstmal wieder zurück zum Lawinenschutz: So eine kleine Baumpflanze wächst natürlich nicht innerhalb weniger Jahre zu einem robusten Lawinenschutz heran. Noch sind an manchen Stellen aber die alten Wurzelstöcke vorhanden. Diese dienen als natürlicher Schutz und sorgen dafür, dass Schneelawinen oder Steine nicht in einem großen Rutsch den Hang hinunter sausen und auf die Straße rutschen. 

"Natürliche Rauigkeit nennt man das", so Dr. Daniel Müller, der Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten. "Wir befinden sich in Zeiten des Klimawandels und kämpfen gegen die Zeit", so Müller weiter. 

Der natürliche Lawinenschutz durch die Wurzelstöcke unterliegt einem natürlichen Verrottungsprozess. Dieser dauert um die20-25 Jahre. Ungefähr so lange brauchen auch die kleinen Bäume, bis sie groß genug sind, damit sie die Lawinenschutzrolle übernehmen können. 

Dreiböcke gegen Lawinen

An den Stellen, an denen keine Wurzelstöcke (mehr) vorhanden sind, übernehmen sogenannte Dreiböcke den Schutz der jungen Bäume. Die Dreiböcke werden aus dem robusten Holz von Rubinie und Esskastanie hergestellt, das in der Regel aus Rumänien, Ungarn und teils aus Deutschland kommt. Diese Holzarten haben den höchsten Beständigkeitsgrad und verrotten wie die Wurzelstöcke nur sehr langsam. 

Um diesen Prozess noch mehr zu verlangsamen hat ein Teammitglied des Waldarbeitertrupps ein Metallgestell entwickelt. Damit wird der Bock sicher im Boden verankert, während der Baumstaum nur Kontakt mit dem Metallfuß hat, nicht aber mit dem häufig feuchten Boden. 

Die Böcke müssen im Winter zwei bis drei Tonnen Schnee standhalten und sind daher mindestens einen halben bis dreiviertel Meter fest im Fels verankert. Ein schöner Anblick ist etwas anderes. Aber Unfälle auf der Straße aufgrund von Schnee- oder Steinlawinen möchte auch kein Mensch.

Projekt Zukunftswald?

"Wir machen Zukunftswald", so Dr. Müller und Alexander Krüg von der Fachstelle Schutzwaldmanagement aus dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Rosenheim. Dieser ergänzt "eine junge Pflanze kostet uns pro Stück 4 Euro. Die Natur schenkt uns eine Fülle an Bäumen." 

Laut der Verantwortlichen vor Ort ist das Ziel ein dicht bewaldetes Gebiet mit einem gesunden Mischwald zu schaffen. Weder Klimawandel noch Borkenkäferbefall sollen hier eine Chance haben, damit die darunterliegende Straße nicht weiter vonLawinen oder Steinschlägen bedroht wird. 

Insgesamt 13 Lawinenstriche werden im Rahmen des Schutzkonzeptes Weißwand saniert. Die Arbeiten werden bis zur Fertigstellung noch eine Weile in Anspruch nehmen. 

Neben den Tellerrand schauen

Viele Fragen ergeben sich allerdings, spricht man nicht nur mit den Verantwortlichen der Forstbehörde, die für die Aufforstung zuständig sind - sondern seine Kreise ein wenig weiter schlägt. 

Zum Beispiel zu einem weiteren aktuellen Thema, wie der Studie von Frau Dr. Christine Miller, die aktuell auf den Hegeschauen im Land unterwegs ist um den tatsächlichen Gamsbestand zu eruieren. 

Denn auch in diesem Gebiet wird die Gams geschossen. Nicht nur Rotwild. Gespräche mit Jägern, die nicht für die Forstbehörde arbeiten, haben zu vielen offenen Fragen geführt. Wieviel Wild wird wirklich abgeschossen und in welchem Alter und warum? 

Was ist dran an den Vorwürfen? 

Aufgrund Aussagen dieser Jäger steht die Mutmaßung im Raum, dass im Berchtesgadener Raum zum Beispiel viel zu viele Jungtierein noch nicht zeugungsfähigem Alter geschossen werden. Das würde dazu führen, dass der Bestand massiv minimiert würde. Damit wäre der Bestand gefährdet und auch der Tourist würde nicht mehr so häufig die liebliche Gams vor die Kameralinse bekommen. Und der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für den Landkreis.

Artikel zu "Was ist dran an den Vorwürfen der Jäger" folgt. 

BGLand24.de bleibt weiter an diesem Thema dran.

Quelle: BGland24.de

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