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Affäre Kreidl: Razzia in der Miesbacher Kreissparkasse

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Miesbach - Die Staatsanwälte kamen am Morgen - und sie kamen unangemeldet. Bei einer Razzia durchsuchten Ermittler am Dienstag fast 30 Objekte im Oberland. Es geht um die Sponsoringaffäre der Kreissparkasse Miesbach. Im Raum steht nicht nur Untreue, sondern auch Bestechung.

Im Zusammenhang mit der Sponsoringaffäre der Miesbacher Kreissparkasse hat es eine groß angelegte Razzia gegeben. Mehr als ein Dutzend Staatsanwälte und 75 Kripobeamte durchsuchten am Dienstag 27 Wohnungen und Geschäftsräume hauptsächlich im Landkreis Miesbach, wie die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt (LKA) in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Nicht nur im Landratsamt Miesbach und bei der Kreissparkasse beschlagnahmten die Ermittler Unterlagen.

Jakob Kreidl musste unter anderem wegen der Finanzierung seiner Geburtstagsfeier durch die Bank zurücktreten.

Der Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) war im Frühjahr 2014 vor allem wegen der Finanzierung seiner sündteuren Geburtstagsfeier durch das kommunale Geldinstitut zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen Untreue gegen den 62-Jährigen, der auch als Präsident des Bayerischen Landkreistages seinen Hut nehmen musste.

Ermittlungsverfahren richten sich in der Sponsoringaffäre neben Ex-Funktionsträgern auch gegen aktive Mitglieder und Verwaltungsräte der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Es geht der Mitteilung zufolge um mehrere Verdachtsfälle von Untreue in den Jahren 2008 bis 2013. Im Raum stehen auch Vorteilsgewährung, Vorteilsannahme, Bestechung und Bestechlichkeit. Die Ermittlungen umfassen zwölf Komplexe mit einem Volumen von zusammen mehr als einer Million Euro.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft München II erließ das zuständige Amtsgericht nun Durchsuchungsbeschlüsse gegen 16 Beschuldigte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur durchsuchten die Ermittler neben Geschäftsräumen auch die Privathäuser Kreidls in Fischbachau und von Ex-Sparkassenchef Georg Bromme in Waakirchen. Details der Aktion nannte die Staatsanwaltschaft nicht.

Das Geldinstitut fordert mehr als sechs Millionen Euro von Kreidl, Bromme sowie weiteren Ex-Vorständen und -Verwaltungsräten zurück. Ihnen wird vorgeworfen, durch Immobilienkäufe, gesponserte Ausflüge von Kommunalpolitikern und teure Renovierungen von Büros ihre Pflichten grob fahrlässig verletzt zu haben.

Die Ermittler stellten bei der Razzia in dem Geldinstitut und im Landratsamt Unterlagen sicher. „Die Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee hat selbstverständlich alle Unterlagen übergeben“, teilte ein Sprecher dazu mit. Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) sagte: „Ich setze mich dafür ein, dass alle im Raum stehenden Vorwürfe und Sachverhalte lückenlos aufgeklärt werden.“ Den ermittelnden Beamten seien alle Unterlagen zur Verfügung gestellt worden.

Kreidl hatte sich auf Druck von CSU-Chef Horst Seehofer im Frühjahr 2014 vollständig aus der Politik zurückgezogen. Er war zudem wegen seines aberkannten Doktortitels und eines privaten Schwarzbaus in die Kritik geraten. Zum Verhängnis wurde ihm jedoch die Finanzierung der Feier zu seinem 60. Geburtstag im Sommer 2012. Das Fest hatte fast 120 000 Euro gekostet und war nahezu vollständig von Sparkasse und Landkreis bezahlt worden.

dpa

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