Schutz-Konzept für und vor Wolf

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Ein solcher Wolf hat im Mangfallgebirge sein Revier

Bad Feilnbach/Bayrischzell - Für Aufruhr sorgt der Wolf im Jenbachtal und in den Wäldern von Bayrischzell sowohl in den dortigen Rathäusern als auch im online-Forum von rosenheim24.

Das Für und Wider einer Ansiedlung des Raubtieres wird heftig diskutiert.

Verantwortliche rufen indes zur Besonnenheit auf. Zu gering sei bis dato die Erfahrung mit freilebenden Wölfen. Die ersten Maßnahmen eines Managementplans, eingeführt nach "Problembär Bruno", setzt das Landesamt für Umwelt schon für die kommende Almsaison um.

"Wir werden den Winter nutzen, um Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln", bestätigte Sandra Brandt, Pressesprecherin des Bayerischen Landesamts für Umwelt, gestern gegenüber unserer Zeitung. Die hierfür vor allem zuständige Landesanstalt für Landwirtschaft habe mit den Betroffenen ein spezielles Beweidungskonzept in Regionen mit Wolfvorkommen entwickelt: "Eine Möglichkeit ist, dass ein Hirte die Schafe nachts einpfercht. Dabei helfen Hütehunde, die Herden zusammenzutreiben", so Brandt. Erstmals soll dieses Konzept mit dem nächsten Auftrieb der Tiere umgesetzt werden.

Handlungsbedarf ist gegeben: Schließlich soll der Wolf vermutlich seit dem 29. Dezember drei Mal Rotwild bei Bayrischzell gerissen haben - jüngst sogar direkt an einem Futterplatz. Für einen örtlichen Jagdpächter wiederum ist die Sachlage, wie er gegenüber dem "Miesbacher Merkur" ausführte, klar: "Der Wolf wird bleiben, wir müssen lernen, mit dem Sachverhalt umzugehen", so Bernhard Greinsberger. Er geht sogar noch weiter und vermutet, dass aufgrund der Häufigkeit der Spuren nicht von einem einzelnen Wolf, sondern von mehreren die Rede sein müsse. Dies wird in den nächsten Wochen das Ergebnis der DNA-Proben zeigen.

Hüte-Hunde sollen im Sommer verhindern, dass sich der Wolf Haustieren nähert

Nach wie vor besteht für die Behörden und die Verantwortlichen in den Gemeinden, wie Bürgermeister, Jäger, Almbauern und Waldbauern, ein Problem: Es gibt zu wenig Erfahrungsberichte über ein "Miteinander" zwischen Wolf, Mensch und Almbewirtschaftung. Deshalb arbeite man aktuell mit Hochdruck am sogenannten Managementplan Wolf. Das Beweidungskonzept sei dabei eine der ersten Maßnahmen. Im Rahmen des Managements wurde Sandra Brandt zufolge auch die unbürokratische Entschädigung der Nutztierhalter geregelt: "Dafür wurde ein Ausgleichsfonds eingerichtet. Die Mittel stellt die Trägergemeinschaft aus Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, der Wildland Stiftung und dem Freistaat bereit."

Der erste Managementplan "Wölfe in Bayern" stammt aus dem Jahr 2007. Darin ist unter anderem eine Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen verankert. Gerade diese Zusammenarbeit geht aber Bad Feilnbachs Bürgermeister Hans Hofer sowie seinem Amtskollegen aus Bayrischzell, Helmut Limbrunner, ab. "Deshalb wird in den nächsten Wochen ein Treffen mit allen Betroffenen stattfinden", kündigte Limbrunner an, was Hofer begrüßt. Denn auch die Almbauern sowie die Waldbauernvereinigung wünschen sich mehr Einbindung in das Thema Wolf, man fühle sich von der Situation "überrumpelt und allein gelassen".

Zur Facebook-Fanpage für den Wolf

Verständnis für die Sorgen der Almbauern hat der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Rosenheim-Bad Aibling, Josef Spann. Er plädiert dafür, die Angelegenheit sachlich zu diskutieren, es fehle an Erfahrung mit einem freilebenden Wolf.

Im Alpenraum gibt es dem Landesamt für Umwelt zufolge in Italien und Frankreich über 30 Rudel. In der Schweiz leben aktuell etwa 20 einzelne Tiere In Österreich seien mittlerweile mehrere Einzeltiere nachgewiesen, die aus den Populationen der Karpaten, Dinaren (Gebirge auf der Balkanhalbinsel) und Italien stammen. Ende 2009 lebten sechs Rudel mit 34 bis 64 Individuen in der Oberlausitz (Sachsen und Brandenburg). Rudel sind auch in Sachsen-Anhalt und Brandenburg bestätigt. Einzelne Tiere kommen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen vor.

"Wölfe haben am Menschen kein Interesse, sie meiden Begegnungen", erklärte Projektleiterin Jana Endel vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz auf Anfrage unserer Zeitung. Bis dato gab es keinerlei Übergriffe von Wölfen auf Menschen.

Gleichzeitig betonte Jana Endel, dass es zeitweise zu räumlichen Verlagerungen des Rotwildes in Wolfsrevieren kommen könne, doch die Hirsche und Rehe würden nicht abwandern. "Dafür ist auch das Gebiet eines Wolfes mit 150 bis 350 Quadratkilometern viel zu groß", so die Forstwirtin. Ein Lausitzer Wolf habe sich beispielsweise auf Reviersuche pro Tag 75 Kilometer fortbewegt. "Er hat seine neue Heimat, wie uns sein Peilsender verraten hat, in Weißrussland gefunden", so Jana Endel.

Der Theorie von Bayrischzells Bürgermeister, dass der Wolf in der Region ausgesetzt wurde, widerspricht die Forstwirtin. "Das ist unglaubwürdig. Ein Wolf kann wie beschrieben enorme Distanzen auf der Suche nach einem Revier zurücklegen."

Ein virtuelles Revier hat der bayerische Wolf bereits: Auf der Internetseite "Facebook" hat rosenheim24 unter dem Namen "Ein Platz für den bayerischen Wolf" eine Seite für Fans eingerichtet. Denn im Forum des Internetportals schlagen die Äußerungen und die Tatsache, dass sich ein Wolf in den Bergwäldern herumtreibt, hohe Wellen. Das Interesse der Leser ist mit dem um Mörder Franz Müller sowie um die weggeschüttete Milch der Milchbauern vor Rosenheims Toren zu vergleichen.

Von Silvia Mischi/Oberbayerisches Volksblatt

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