Resolution gegen Ärzte-Mangel

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Landrat a.D. Hermann Steinmaßl

Landkreis - Der Ärzte-Mangel, besonders im ländlichen Raum, könnte auch bald Südostbayern treffen. Um dem entgegenzuwirken hat die Gesundheitskonferenz jetzt eine Resolution erarbeitet.

Genau vor einem Jahr begann die Laufzeit für das Modellvorhaben "Regionale Gesundheitskonferenz Südostbayern". Insgesamt fünf Arbeitsgruppen haben für die fünf Landkreise Rosenheim, Mühldorf, Altötting, Traunstein und das Berchtesgadener Land eine Resolution erarbeitet, die an diesem Dienstag präsentiert wurde. Der ehemalige Landrat Hermann Steinmaßl formulierte zu Anfang der Sitzung nochmals das Ziel des Planungsverbandes: "Eine möglichst flächendeckende Gesundheitsversorgung für die Region 18." Voraussetzungen dafür seien kleinere Versorgungsgebiete, verstärkte Zusammenarbeit der Ärzte, attraktivere Honorare sowie ein enges Zusammenspiel von Praxen und Kliniken. So gebe es auch in ländlichen Gebieten die Möglichkeiten, die medizinische Versorgung zu sichern und zu verbessern.

Räumlicher Zuschnitt der Versorgungsgebiete

Um die hausärztliche Versorgung langfristig sicher zu stellen, forderte die Gesundheitskonferenz kleinere Versorgungsbereiche. Dabei müssten Kriterien wie Bevölkerungsdichte, Siedlungsstruktur, lokale Besonderheiten sowie die Topografie berücksichtigt werden.

Für den Landkreis Traunstein bedeutet das konkret: Die Region würde in sieben Versorgungsbereiche zerfallen. Im Landkreis Rosenheim sind es 13 Bereiche, im Landkreis Mühldorf fünf, im Landkreis Altötting drei Versorgungsbereiche und im Berchtesgadener Land vier Bereiche. Damit wird Südostbayern, von bisher zwölf Bereichen, in insgesamt 31 aufgeteilt.

Lesen Sie auch:

Der Bürgermeister der Gemeinde Schwindegg, Dr. Karl Dürner, gab bei diesen Planungen allerdings zu bedenken,dass man mit der Misere der ländlichen Bereiche erst am Anfang stehe. "Da ist jetzt der Staat gefordert." Dass der Freistaat eine gewisse Bringschuld habe, unterstrich auch Landrat Siegfried Walch. "Wir müssen aber auch unseren Teil dazu beitragen. Wir brauchen diese kleineren Strukturen." Dr. Herwart Schmidt, 1. Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes Traunstein, ergänzte noch, dass man in der Resolution konkrete Forderungen an den Freistaat formulieren müsse.

Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern fordert in ihrer Resolution von den Aufgabenträgern im Gesundheitswesen die Übernahme dieser Vorschläge. Wenn sich bereits ein Versorgungsmangel abzeichne, seien niederlassungswillige Ärzte nach Kräften zu unterstützen und vorhandene Vorgaben - wie die Verhältniszahl von Arzt zu Einwohner regional flexibler und praxisorientierter - zu handhaben.

Bereitschaftsdienst / Notdienst

Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern appelliert an die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB), mit Gemeinden und Hausärzten die Dienstgebiete für den Bereitschafts- und Notdienst neu zu regeln. Das könne auch auf Landkreisebene geschehen. Wörtlich heißt es in der Resolution: "Die bisherigen Dienstgebiete sind in der Fläche zu groß und die diensthabenden Ärzte in der Regel zu wenig. Daher müssen diese Dienste für Ärztinnen und Ärzte attraktiver gestaltet und finanziell besser honoriert werden."

So könnten die Kommunen zum Beispiel einen entsprechenden Fahrdienst anbieten. Zudem könnten Krankenhäuser und KVB die Versorgung im Notdienst durch Notfallpraxen an Kliniken zu sichern.

Koordination und Kooperation von ambulant und stationär

Einen möglichen Fortschritt bei der Patientenversorgung sieht die Gesundheitskonferenz in einer besseren Vernetzung der ambulanten und stationären Bereiche. Gefordert wird daher, "die bisherige starre Trennung zwischen stationär und ambulant aufzubrechen". Dies gelte vor allem für den Bereich der Finanzierung. So wurde vorgeschlagen, Versorgungszentren an Krankenhäuser anzubinden. Für die Notfallversorgung brauche es einen effektiven Verbund stationärer und ambulanter Einrichtungen, die jeweils ausreichend finanziert sind.

Festgestellt wurde in der Resolution: "In diesem Zusammenhang haben die Kliniken in der Region Südostoberbayern eine herausragende Bedeutung für die Versorgung des ländlichen Raums: Sie gewährleisten eine hochwertige Akutversorgung, halten die Notfallbereitschaft vor, sind 24 Stunden an 365 Tagen verfügbar und sorgen für die Ausbildung des Ärztenachwuchses."

Maßnahmen auf kommunaler Ebene

Auch die Kommunen hätten die Möglichkeiten und die Pflicht, passende Rahmenbedingungen zur flächendeckenden und bedarfsgerechten ambulanten medizinischen Versorgung zu schaffen. Dies sei in Teilbereichen sogar schon geschehen. Die Gesundheitskonferenz appelliert deshalb an Landkreise, Städte und Gemeinden, alle in ihrem Zuständigkeitsbereich zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen und umzusetzen. Dazu werden insbesondere Marketingmaßnahmen für die Anwerbung von Ärztinnen und Ärzten in und außerhalb Bayerns gezählt. Weitere Möglichkeiten seien Workshops mit Medizinstudenten zu ihren Erwartungen an das Berufsleben als niedergelassener Hausarzt oder kommunale Servicepakete zur Anwerbung junger Ärztinnen und Ärzte.

Dass die Gesundheitskonferenz auch äußerst unkonventionelle Wege für gangbar hält, zeigte der Vorschlag: "Es sollte für die kreisangehörigen Städte und Gemeinden möglich sein, Arztsitze zu kaufen und über Zweckverbände oder Genossenschaften auch mit Nachbargemeinden zu betreiben."

Zum Schluss betonte Hermann Steinmaßl, dass man derzeit zwar keinen Ärzte-Mangel in der Region 18 habe. "Aber Untersuchungen haben gezeigt, dass das in zehn bis 15 Jahren ganz anders aussehen könnte. Deswegen ist die Gesundheitskonferenz jetzt eine Chance dagegenzuwirken."

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser