Zwei weitere Beamte des Präsidiums Oberbayern Süd im Visier

Reichsbürger: Dieser Polizist wurde bereits suspendiert

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Erster Polizeihauptkommissar Schreyer als Redner vor der "Heimatgemeinde Chiemgau" im Februar 2016.

Obing/Ainring - Nachdem ein Polizist in Franken von einem Reichsbürger erschossen wurde, werden manche Verstrickungen zu den Beamten wieder aktuell: Ein sogar suspendierter Polizist stammt aus Obing.

Neue Entwicklungen:

Neben Harald Schreyer wurde mittlerweile ein weiterer Polizist suspendiert. Gegen zwei weitere Wach- und Schichtbeamte aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd laufen seit einigen Monaten ebenfalls Disziplinarverfahren.

"Die bayerische Polizei hat in den letzten Monaten mehrere Disziplinarverfahren eingeleitet, ein Beamter ist schon vom Dienst suspendiert" - so die Bilanz von Innenminister Herrmann am Freitag zu Reichsbürgern bei der Polizei. Was der Innenminister nicht gesagt hat: Der suspendierte Beamte stammt aus Obing und war Seminarleiter im Polizei-Fortbildungsinstitut in Ainring. Sein Name Harald Schreyer, sein Dienstagrad Erster Polizeihauptkommissar - der höchste Dienstgrad im gehobenen Dienst.

Schreyer "klar als Reichsbürger exponiert"

Harald Schreyer hat sich nach Herrmanns Ansicht "klar als Reichsbürger exponiert", so Herrmann im BR. Dass er mit der Gruppe sympathisiert, die auch vom Verfassungsschutz beobachtet wird, war der Polizei schon länger klar. Zu viel wurde es allerdings als Schreyer im Februar vor der "Heimatgemeinde Chiemgau" in der Nähe von Bad Endorf auftrat. chiemgau24.de war vor Ort und berichtete von Schreyers Auftritt vor rund 80 Leuten.

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"Ihr wisst doch selber wie die BRD funktioniert. Muss ich dazu noch was sagen?", zeigte sich der hochrangige Polizist auf Augenhöhe mit der esoterisch und rechtsradikal-angehauchten "Heimatgemeinde". Er machte keinen Hehl aus seinem Rang bei den Beamten, gab den Reichsbürgern auch noch gut gemeinte Tipps im Umgang mit der Polizei. "Wenn solche Netzwerke (wie die Reichsbürger, Anm.) größer werden, dann zerbröselt das System irgendwann", so Schreyer. 

Disziplinarverfahren noch nicht abgeschlossen

Sie stellen auch ihre eigenen Ausweise her, die herkömmlichen werden zerstört.

Seit Beginn des Disziplinarverfahrens Ende Februar ist Harald Schreyer vom Dienst suspendiert. Seinen Job als Seminarleiter im Ainringer Fortbildungsinstitut darf er seit dem nicht mehr ausführen - die Bezüge erhält er aber noch. Die Polizeioberen zweifeln an Schreyers Treueschwur auf die Verfassung. Das Disziplinarverfahren läuft auch nach acht Monaten noch, zum genauen Ermittlungsstand konnte das Präsidialbüro der bayerischen Bereitschaftspolizei am Freitag keine Auskunft geben.

Gegen die drei weiteren Verdächtigen aus Bayern laufen derzeit Untersuchungen bei der Polizei. Bei ihnen lasse sich bisher noch nicht mit Sicherheit sagen, ob sich die Zusammenhänge zu den Reichsbürgern erhärten. Im Disziplinarverfahren gegen Schreyer sind viele Ergebnisse vorstellbar: ein Verweis, eine Geldbuße, eine Kürzung der Dienstbezüge, eine Degradierung oder auch eine Entlassung.

Arbeiten für einen Staat, den man leugnet?

Grüne Nummernschilder der Chiemgauer Reichsbürger: Sie wollen damit ausdrücken, dass sie "Menschen" sind und keine juristischen Personen.

Im Chiemgau fielen die Reichsbürger bisher nur durch selbstgebaute grüne Nummernschilder auf den Autos auf. Der tödliche Angriff auf Polizeibeamte im fränkischen Georgensgmünd rückt die "Reichsbürger" nun bundesweit in den öffentlichen Fokus. Umso schockierender, dass einige davon auch bei der Polizei selbst beschäftigt sind und für einen Staat arbeiten, den sie eigentlich ablehnen und leugnen. Je nach Schattierung akzeptieren die Reichsbürger den deutschen Staat nur in den Grenzen von 1871 oder 1937

xe

Quelle: chiemgau24.de

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