Brexit: Was der Austritt für England und die Union bedeutet

Noichl: "Bitter, dass dieser Wahnsinnige Erfolg hatte"

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Brexit: Was der Austritt für England und die Union bedeutet - Europaabgeordnete Maria Noichl im Gespräch

Rosenheim/Brüssel - Seit heute ist es amtlich: Großbritannien verlässt nach einem Referendum die Europäische Union. Die EU-Abgeordnete Maria Noichl spricht über Ursachen und Konsequenzen:

Fast auf den Tag genau vor 11 Jahren begrüßte die Europäische Union zehn neue Länder in der Gemeinschaft. Heute verabschiedete sich Großbritannien als erstes Land wieder aus dem Staatenbund. "Mit diesem Thema bin ich bereits an meinem ersten Tag im Parlament, bei der feierlichen Amtseinführung konfrontiert worden", berichtet Europaabgeordnete Maria Noichl im Gespräch mit rosenheim24.de.

"Nach der Vereidigung wurde die Europäische Hymne gespielt, alle sind aufgestanden, nur nicht die Vertreter der Ukip. Einige haben sich sogar weggedreht, ganz nach dem Motto, 'wir stehen nur für die Queen auf'. Es ist absolut bitter, dass dieser Wahnsinnige jetzt sogar Erfolg mit seiner Kampagne hatte", so Noichl weiter. Welche Folgen der sogenannte "Brexit" jetzt nach sich ziehen könnte:

Zwei vollkommen unterschiedliche Lager prallten aufeinander

"Für mich war es bereits in den letzten Wochen absehbar, dass die Geschichte böse ausgehen könnte", berichtet die Europaabgeordnete von Gesprächen und dem Stimmungsbild im Gremium in Brüssel. Bereits direkt nach der Entscheidung habe sich beispielsweise ihr Kollege Paul Brannen von der britischen Labour Party fast schon sprachlos und maßlos enttäuscht gezeigt.

Im Vorfeld der Entscheidung hätten die Briten noch angeregt, sich von außen nicht in die Debatte einzumischen. Barack Obamas Rede mit der Forderung zum Verbleib Großbritanniens in der EU hätte schließlich mehr die EU-Gegner gestärkt, erkannte Noichl, und weiter:

"Hier prallten zwei völlig unterschiedliche Lager aufeinander. Vernunft und Solidarität trafen auf Hass und Fehlinformation. (...) Es ist extrem schade, dass jetzt einige rückwärtsgewandte, alte Menschen über die Jugend bestimmt haben. (...) Zeigt doch die europäische Geschichte, dass es so in die falsche Richtung geht. Es hat früher schon mal einen Fänger gegeben, der nationalistische Ziele vorangestellt hat. Und genau das macht mir Angst", so Maria Noichl im Gespräch.

Welche Konsequenzen könnten jetzt die EU, Großbritannien aber auch Deutschland treffen?

Das 751 Mitglieder fassende Gremium in Brüssel verliert nun rund 10 Prozent seiner Abgeordneten, genau 74 Delegierte räumen in absehbarer Zeit jetzt ihre Plätze. "Zunächst müssen jetzt jede Menge Dinge auseinander dividiert werden. Man kann es sich ungefähr wie einen Scheidungsvertrag vorstellen", ergänzt Maria Noichl. Die nächste Frage aber sei, wie man in Zukunft mit dem Inselstaat umgehen wolle.

Vier große Optionen stünden dabei zur Wahl, die sich an bereits bestehenden Verträgen und Übereinkünften mit anderen Ländern orientierten:

  • Vorbild Norwegen: "Stilles" EU-Mitglied im Hintergrund, Rechte und Pflichten ähnlich anderer Mitgliedsländer
  • Vorbild Schweiz: Viele Einzelabkommen, dennoch souveräner Staat
  • Vorbild Chile: Hauptsächlich Freihandelsabkommen, wenig weiterführende Verträge
  • Vorbild Türkei: Reine Zoll-Union

"Großbritannien war einer der großen Netto-Zahler, wie Deutschland. Sie zahlten mehr ein, als sie zurück bekamen", ergänzt Maria Noichl. Nun, da diese Gelder künftig wegfallen, müsse in der EU mit Einschnitten und Sparmaßnahmen auf verschiedenen Gebieten gerechnet werden.

Doch auch der Export deutscher Produkte könne künftig von der Entscheidung der Briten betroffen sein: "Jedes sechste Fahrzeug unserer Autobauer geht nach Großbritannien. Das kann jetzt Einschnitte bedeuten", so die Europaabgeordnete weiter. Es bleibe schlicht abzuwarten, ob sich die Insel künftig vielleicht eher in Richtung China orientiere.

Kann ein Domino-Effekt noch verhindert werden?

"Wir müssen jetzt eine klare Kante und auch Härte zeigen. (...) Je weicher Großbritannien jetzt fällt, desto höher ist die Gefahr, dass andere Länder, wie zum Beispiel Ungarn einen ähnlichen Weg beschreiten", so EU-Abgeordnete Noichl abschließend. Dazu dürften keinerlei Deals oder Sonderabkommen eingegangen werden. "Raus ist raus", stimme sie in diesem Fall sogar Wolfgang Schäuble zu.  

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