Prozess gegen Asylbewerber nach Sex-Übergriff in Traunreut

"Er hat mir unters Kleid gefasst und wollte in die Strumpfhose!"

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Der Angeklagte (links) muss sich heute wegen vorsätzlicher Körperverletzung, versuchtem Raub und sexueller Nötigung verantworten. Rechts neben ihm sitzt der Dolmetscher des Gerichts. Baraten wird er von seinem Anwalt Hans Sachse aus Rosenheim (vorne).

Traunreut/Traunstein - Seit dem Vormittag steht ein 24-jähriger afghanischer Asylbewerber vor dem Landgericht. In der Silvesternacht soll er in Traunreut eine 17-Jährige sexuell attackiert haben.

UPDATE, 11.20 Uhr - Opfer sagt aus

Die 17-Jährige muss als erste Zeugin vor Richter Weidmann. Er geht behutsam mit dem Opfer um, sie macht einen aufgeweckten Eindruck. Berufstätig ist sie noch nicht, macht im Moment ihren Bundesfreiwilligendienst.

"Ich habe mit Freunden gefeiert, nach Mitternacht wollte ich mich noch mit einer Freundin treffen", so die Traunreuterin. Zum Tatzeitpunkt habe sie den Alkohol aber schon nicht mehr gespürt. Vor der Raiffeisenbank am Rathausplatz habe man die beiden Flüchtlinge dann bemerkt: "Die haben komische Geräusche mit der Zunge gemacht und sind uns dann hinterhergegangen."

Die 17-Jährige und ihre Freundin seien dann immer schneller gegangen: "Aber sie blieben richtig nah hinter uns, ungefähr einen Meter." Dann habe ihr der Angeklagte mit "voller Wucht" auf den Hintern gehauen. Sie schrie ihn zuerst auf Deutsch, dann auf Englisch an: "Was soll das? Go away!" Die 17-Jährige sei geschockt gewesen: "Ich habe nicht realisiert, dass das gerade wirklich passiert."

Nebenbei telefonierte sie mit einem Kumpel, der die ersten Schreie der 17-Jährigen wohl noch mitbekam. Wollte der Angeklagte dem Opfer deswegen ihr Handy entreißen? Dann der nächste Angriff: Ein griff an die Kapuze, schon lag sie am Boden. "Ich wollte ihn wegtreten und habe geschrien", so die Angeklagte. Auch die Griffe in den Intimbereich muss sie dem Richter schildern: "Er hat mir unters Kleid gefasst und wollte in die Strumpfhose."

"Die ersten Tage nach der Tat konnte ich nicht richtig schlafen", so die junge Frau. Die Schmerzen im Hüftbereich seien aber bald wieder verschwunden, auch in psychologischer Behandlung war sie nie. Heute verdrängt sie die Tat, trotzdem flossen bei der Anklageverlesung Tränen. Mit der Entschuldigung des Angeklagten kann die 17-Jährige nichts anfangen.

UPDATE, 9.55 Uhr - Prozess hat begonnen

Das Interesse an der Verhandlung gegen Hasibullah K. ist groß: Rund 30 Zuschauer sind in den Sitzungssaal in Traunstein gekommen, kaum ein Platz bleibt leer. Der Angeklagte hat mit seinem Anwalt Hans Sachse und einem Dolmetscher Platz genommen. Auch die junge Traunreuterin, die in der Silvesternacht zum Opfer des Übergriffs wurde, ist hier.

Der Angeklagte stammt aus einem 500-Seelen-Dorf in Afghanistan, hat dort wohl keinen Beruf erlernt und ist verheiratet. Rund drei Monate war er in München in Untersuchungshaft, dann in Traunstein.

Die Staatsanwältin verliest die Anklageschrift: In der Traunreuter Munastraße habe es erst Schläge gegen das Opfer gesetzt, dann habe Hasibullah K. sie umgerissen und wollte ihr danach wohl ihr Handy entreißen. Schon da wehrte sich die 17-jährige Traunreuterin. Als ihm der Diebstahl nicht gelang wurde er weiter handgreiflich: "Er hielt sie mit einer Hand weiter fest und fasste ihr gezielt auf der Nylonstrumpfhose in den Intimbereich. Dabei versuchte er auch, die Strumpfhose herunterzuziehen und zu zerreißen."

Was hat Hasibullah K. dazu zu sagen? "Er räumt seine Tat in vollem Umfang ein", so sein Anwalt - nur das Handy wollte er ihr wohl nicht stehlen. Gleichzeitig entschuldigt er sich bei der jungen Traunreuterin. 4.000 Euro Schmerzensgeld und einen Täter-Opfer-Ausgleich schlägt Anwalt Sachse vor.

"Ich war durch Alkohol berauscht. Durch richtig viel", meint der Angeklagte gegenüber Richter Weidmann. Champagner soll es gewesen sein. Weidmann hakt nach und will die Menge genau wissen, doch diese Frage lässt sich vor Gericht nicht klären.

Nun werden die Zeugen geladen: Ein Polizist, ein Begleiter des Angeklagten in der Silvesternacht und das Opfer.

Die Erstmeldung:

Zuerst soll der Asylbewerber der 17-Jährigen in der Munastraße auf den Hintern geschlagen haben, dann wollte er ihr wohl das Handy entreißen und schließlich soll er sie zwischen den Beinen begrapscht haben: Ein 24-jähriger Afghane muss sich am heutigen Dienstag dem Traunsteiner Landgericht stellen. Er ist angeklagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung, versuchtem Raub und sexueller Nötigung

Beide waren nicht allein in der Silvesternacht: Die Traunreuterin war am Rathausplatz mit einer Freundin unterwegs, der Angeklagte mit einem weiteren Asylbewerber. Laut Staatsanwaltschaft sollen beide zum Tatzeitpunkt gegen 2.42 Uhr alkoholisiert gewesen sein. Erst nach heftiger Gegenwehr und Schreien soll der 24-Jährige von der Traunreuterin abgelassen haben. Mit Abschürfungen und Prellungen kam sie davon.

Die Tat in der Silvesternacht hatte Nachwirkungen in der Region: Zum einen wurde eine asylkritische Kundgebung dadurch befeuert, zum anderen wurde der Übergriff in den sozialen Netzwerken zum Anlass genommen, das Gerücht einer Vergewaltigung in Traunstein zu streuen - durch akribische Ermittlungen konnte die Polizei dieses Gerücht schließlich entkräften. 

Der Prozess beginnt um 9 Uhr. Chiemgau24.de wird aus dem Gerichtsaal berichten. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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