Gewaltige Flutwelle überrollte die Stadt

Verstopftes Rohr löste Katastrophe von Simbach aus

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Simbach - Es war wohl ein verstopftes Rohr, das zu der verheerenden Hochwasser-Katastrophe in Simbach führte. 

Laut Berichten von Süddeutscher Zeitung und dem BR war es offenbar ein verstopftes Rohr, das die Hochwasserkatastrophe am 1. Juni auslöste, bei der mehrere Menschen ihr Leben verloren. 

Das Rohr war durch umgestürzte Bäume, Äste und Sträucher verstopft, so dass sich vor einem Straßendamm im Norden der Stadt ein gewaltiger Stausee von etwa einem Kilometer Länge und rund 100 Meter Breite bildete. Als der Damm dann gegen 14.25 Uhr brach, ergoss sich die Flutwelle blitzartig über die Stadt. Dies berichteten Augenzeugen der SZ. Auch das Stahlrohr wurde von den Fluten weggespült.

Das vier Meter breite und drei Meter hohe Wellstahlrohr wurde in den 1970er-Jahren verlegt. Rund um das 30 Meter lange Rohr wurde Erdreich und Geröll aufgeschüttet und darauf dann eine Straße und Schule errichtet. Die Aufschüttung war zugleich ein Damm, der nun in sich zusammenbrach. Kein Ingenieur rechnete damals mit solchen Niederschlagsmengen von etwa 110 Liter pro Quadratmeter über sechs Stunden.

So sieht es mittlerweile in Simbach aus

Ein Reporter von innsalzach24.de war am Donnerstag in der Stadt. Hier seine Eindrücke: 

Der große Treffpunkt in Simbach ist nach wie vor der städtische Bauhof (Heraklithstraße 7). Dort können auch Sachspenden abgegeben werden und hier müssen sich die Helfer auch melden und teilweise registrieren. Hier erfolgt auch die direkte Ausgabe von Kleidung, Hygieneartikel, Arbeitsmittel und Essen für die Flutopfer.

Für die Verpflegung eines jeden Helfers ist mit Getränken und Essen wie Wurstsemmeln, Obst, Kuchen und Snacks gesorgt, denn zu kaufen gibt es in der unmittelbaren Nähe der überfluteten Innenstadt wegen der zerstörten Geschäfte nichts.

Eine Woche nach der Flut in Simbach (1)

Eine Woche nach der Flut in Simbach (2)

Nach der Anmeldung am Bauhof geht es mit einem „Helfer-Taxi“ (Shuttleservice) an den Ort der Überflutung in der Innenstadt. Genau dort, wo das öffentliche Leben gerade steht – und ohne die vielen fleißig-arbeitenden Menschen würden die zerschlagenen Scheiben und leeren Erdgeschosse den Eindruck einer längst verlassenen Geisterstadt erwecken. Dort, wo die Flut ganze Gehsteigpflaster mitriss, Löcher in die Straßen riss, Häuser schwerst beschädigte und Autos wie weiche Blechdosen verformte.

Doch dieser verlassene Eindruck ist schnell vorbei, denn an fast allen Ecken wird hart und fleißig gearbeitet. Eine Woche nach dem schweren Unglück wurde bereits sehr viel geschafft, denn die ursprünglichen Schlamm-Massen auf den Straßen sind weitgehend beseitigt und die verwüsteten Erdgeschosse ebenfalls fast komplett geräumt. Lediglich in den Gärten und Grünflächen ist noch viel Aufräumarbeit notwendig, wo sich Schlamm bunt gemischt mit Gegenständen wie Schuhen, Kleidungsstücken, Spielzeug, schweren Steinen, Glassplittern, Holz jeglicher Art, Fenstern oder auch Türen angesammelt haben.

Ebenso ist nach wie vor in vielen Kellern, Garagen und Tiefgaragen jede Hilfe erwünscht. Auch in der Innenstadt sind die Helfer übrigens weitgehend gut versorgt: Essen und Getränke liefern nicht nur freiweillige Helfer, Bewohner und Gastronome entlang der Arbeitstätten aus, sondern auch feste Treffpunkte wie in einer Bank und ein Rotkreuz-Stützpunkt an der Kirche versorgen die Helfer und natürlich auch die Hilfsorganisationen wie die Feuerwehren, das THW, die Bundeswehr, die Sanitäter, Polizisten, Spezialisten (Elektriker, Fahrer von Spezialfahrzeugen und Containerdiensten) und auch Notfallseelsorger.

Letztere führen hier einen sehr wichtigen Job aus: Die Häuser der Opfer werden zwar entrümpelt und im Umfeld alles abtransportiert, aber nach der Arbeit ist der seelische Schmerz der geschädigten Bewohner unermesslich. Die Vertreter der Kirche nehmen sich hierfür die ausgiebige Zeit, um den Opfern zuzuhören und neuen Mut zuzusprechen. „Dies ist eine ganz wichtige Sache“, erzählte ein mit "Notfallseelsorger“ gekennzeichneter Pfarrer mit Signalweste. Trotz des schrecklichen Unglücks ist die Stimmung unter den Helfern übrigens ausgezeichnet, denn alle sind in dieser Krise auf „Du“, motivieren sich und halten familiär zusammen.

So wurde in den letzten Tagen viel bewegt, weil alle an einem Strang zogen, egal, ob alt, jung, weiblich oder männlich. Deutsche, Österreicher und Asylbewerber schafften mit ihrer Team-Arbeit bislang sehr viel, aber der tägliche Einsatz hunderter von Helfern ist dringend erforderlich ebenso wie die wertvollen und freiwilligen Dienste der vielen Hilfsorganisationen aus nah und fern.

mg/Ludwig Stuffer

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