Schwere Vorwürfe gegen Komplizen

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Ehepaar Roland und Sieglinde K. kurz vor der Verhandlung im Gerichtssal

Traunstein - Am zweiten Verhandlungstag im Rentnerehepaare-Prozess legt der Angeklagte Wilhelm D. ein Geständnis ab. Doch den Mitangeklagten Roland K. belastet er schwer.

Wilhelm D. hat am zweiten Verhandlungstag im Prozess um die Entführung des amerikanischen Geschäftmanns James A. ein Geständnis abgelegt. "Ich habe dem Plan von Roland K. , Herrn A. aus Speyer nach Chieming zu entführen, zugestimmt." Nur auf diese Weise hoffte er wieder an sein Geld zu kommen, das ihm James A. angeblich schuldet.

Wilhelm D. betonte auch, dass James A. während seiner Gefangenschaft nie mit dem Tod oder mit einer Waffe bedroht worden sei. Der Mann der Angeklagten F. aus Schliersee hätte aber James A. mit den Worten "Solange Du nicht zahlst, kommst Du nicht frei" erpresst, um an das angeblich verlorene Geld zu gelangen.

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Rentnergang kidnappt Geschäftsmann

Am Abend des 15. Juni 2009 kommt Wilhelm D. bei dem Ehepaar Roland und Sieglinde K. in Chieming an. Roland K. weiht seinen Freund D. in die Entführungspläne in der Garage neben dem Haus ein. Er zeigt D. seine selbstgebaute Kiste aus Kartonagen, das Verließ im Keller, den präparierten Kofferraum für die Fahrt von Speyer nach Chieming.

"Ich habe zunächst gezögert, als mir K. seinen Plan verraten hat, aber er hat mich dann so unter Druck gesetzt, dass ich mich entschlossen habe, ihm zu helfen", erklärt D. dem Richter. Gegen 22 Uhr kommen sie in Speyer an und empfangen James A. vor dessen Wohnungstür. Das Treffen unter den drei Herren war im Vorfeld beschlossen. Roland K. und Wildem D. schubsen den amerikanischen Geschäftsmann in die Wohnung und reden mit ihm etwa 30 Minuten über das Geld, das James A. den beiden "Besuchern" aus dem Chiemgau angeblich schuldet. Roland K. fordert 2,4 Millionen Dollar und Wilhelm D. 690.000 Dollar (wir berichteten).

James A. wird in Speyer entführt

"Wilhelm, hole bitte die grüne Akte aus dem Auto", sagt K. zu seinem Freund. Das Signal für D., die Sackkarre und die Kiste zu holen, in der James A. nach Chieming gebracht werden soll. Wilhelm D. ist schnell zurück in der Wohnung, das Auto ist etwa 400 Meter entfernt geparkt. James A. sitzt noch ruhig auf seinem Sofa, doch Wilhelm D. wuchtet ihn nach oben, greift nach den Armen und dreht sie am Rücken um. Der Amerikaner wehrt sich und bekommt daraufhin von Roland K. einen Handkantenschlag gegen den Hals. Sie fesseln James A. mit einem Klebeband die Hände, Füße und die Kniekehlen. Außerdem presst Roland K. seinem Opfer noch zwei Klebestreifen auf den Mund. Die gefesselten Hände bindet K. noch an den Oberschenkeln des Amerikaners fest, so dass dieser sich nicht mehr bewegen kann. K. und D. stecken James A. dann in die rund 1,90 Meter hohe Kiste und schieben ihn auf der Sackkarre zum Auto.

Die Fahrt nach Chieming wird zweimal unterbrochen. James A. kann sich im Kofferaum von den Fesseln befreien und schlägt mit einer Brechstange gegen den Deckel. Roland K. stoppt den Wagen und beide Männer gehen zum Kofferaum. K. öffnet ihn und bekommt von James A. einen Schlag mit der Brechstange gegen den Unterleib. Daraufhin versetzt ihm K. drei Schläge mit der Faust ins Gesicht und gegen den Oberkörper. Mit viel Gewalt und Mühe können D. und K. ihr Opfer wieder in den Kofferraum stoßen.

James A. wird im Keller gefangen gehalten

In der Nacht gegen drei Uhr kommen die Männer in Chieming an. James A. wird in sein Verlies im Keller gebracht und bis zum nächsten Vormittag eingesperrt. Roland K. informiert Familie F. aus Schliersee von der Entführung. Das Rentnerehepaar fahrt nach Chieming. In der Garage von Roland K. findet dann ein Femegericht statt. James A. wird so sehr unter Druck gesetzt, dass er auf die Forderungen scheinbar eingeht. Er schickt ein Fax an die Schweizer Bank Credit Suisse mit der verschlüsselten Botschaft "Sell 100 Call Pol.Ice-bitte heute!" Der Bankangestellte versteht den Hilferuf und benachrichtigt die Polizei. Ein Sondereinsatzkommando befreit den Anmerikaner gegen vier Uhr morgen am 20. Juni, vier Tage nach der Entführung in Speyer.

Wilhelm D. gesteht zwar die Entführung des James A. aus Speyer nach Chieming, belastet aber seinen Freund Roland K. als schwer gewalttätigen Mann, der es im Umgang mit James A. "oft übertrieben hätte". Die Faustschläge ins Gesicht, die Drohungen gegen A. D. bestätigt auch gegenüber dem Richter, dass alle von der Entführung im Vorfeld gewusst hätten. Also sowohl Sieglinde K. als auch Familie F. aus Schliersee. Er dagegen habe die ganze Zeit versucht, James A. "fair zu behandeln und keine Gewalt anzuwenden."

Fazit: Die Aussagen von Roland K. (vom ersten Verhandlunstag) und die Sicht Wilhelm D.`s unterscheiden sich doch ganz erheblich. Für den Prozess sind insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird Ende März erwartet.                

 Stefan Forster      

Bilder aus dem Gerichtssaal am zweiten Verhandlungstag

2. Verhandlungstag Rentnerehepaare-Prozess

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