Garser Schützenverein und Bürgermeister suchen Rat

Darf ein Asylbewerber an die Waffe?

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Gars/Landkreis Mühldorf - Integration funktioniert auch darüber, dass Asylbewerber am Vereinsleben teilnehmen können. Der Antrag eines Flüchtlings zur Aufnahme bei den Feuerschützen Gars sorgt aber für Verunsicherung. 

"Solange ich Schützenmeister bin, möchte ich auch mitentscheiden dürfen, wer hier mitmacht", betont Josef Bühn von den Feuerschützen Gars. Es könne nicht sein, dass Menschen aus Gebieten flüchten, in denen Krieg und Gewalt herrsche, und dann aus Spaß aktiv an der Waffe sein möchten, so Bühn gegenüber innsalzach24.de weiter.

Der Vorstand der Feuerschützen reagiert damit auf die Anfrage von Bürgermeister Norbert Strahllechner. "Zu mir ist eine Asylhelferin gekommen mit einem Afghanen, der sehr gerne beim Schützenverein dabei wäre", so das Oberhaupt der Marktgemeinde Gars.

Bedenken gegen den Afghanen sind groß

Die Bedenken vieler Mitglieder sind groß. Einige sehen das aber auch unkomplizierter als der Schützenmeister: "Wir machen Sport mit Sportgeräten. Das sind zufällig Waffen. Wir machen keinen Sport mit Kriegsgeräten!", heißt es etwa vom Sportwart des Vereins.

In der Satzung des Vereins ist festgelegt, dass Vereinsverantwortliche über die Aufnahme von Neumitgliedern entscheiden dürfen. Es gebe keine Verpflichtung. Dies beziehe sich auf alle Menschen, unabhängig von der Herkunft.

Keine Empfehlung vom Landratsamt Mühldorf

Um eine klare Empfehlung hat Bürgermeister Strahllechner jetzt in einem Brief an das Mühldorfer Landratsamt gebeten. Das Gemeindeoberhaupt möchte sich gerne für alle Vereine und bei zukünftigen Entscheidungen einen Rat durch das Landratsamt einholen.

"Von der pädagogischen Seite her bestehen überhaupt keine Bedenken", so der Rathauschef. Doch es gehe speziell beim Schützenverein um den Aspekt der Sicherheit und um die juristische Seite. Eine einheitliche Empfehlung durch das Landratsamt wäre deshalb vorteilhaft, meinen auch viele Schützen.

Doch das Landratsamt Mühldorf will diese Empfehlung nicht aussprechen. "Eine Vereinsaufnahme von Asylbewerbern ist Angelegenheit der Schützenvereine", teilte die Landratsamt-Sprecherin Sandra Schließlberger auf Anfrage von innsalzach24.de mit. 

Auch beim Rosenheimer Landratsamt erhält man eine ähnliche Aussage: Es sei üblich, dass Schützenvereine selbst entscheiden könnten, welche Neubewerber sie in den Vereinen aufnehmen. Jedes Neumitglied müsse vom Schützenverein überprüft werden in Bezug auf die Eignung, aktiv dabei zu sein. Diese Verantwortung und dieses Recht habe jeder Verein bei jedem Neubewerber. "Egal ob es ein Deutscher, ein Ausländer oder ein Asylbewerber", so Landratsamt-Sprecher Michael Fischer. Somit ist die Einzellfallprüfung stets empfehlenswert, heißt es aus dem Landratsamt Rosenheim. Möglich sei schließlich auch, dass ein Asylbewerber schon in seinem Heimatland diesen Sport ausgeübt habe. 

Homosexuelle und muslimische Schützen als Herausforderungen

Es ist nicht das erste Mal, dass Schützenvereine in Deutschland vor der Frage stehen, wie sie mit gesellschaftlichen Veränderungen umgehen sollen. 

Aufregung gab es etwa im Jahr 2011 um einem homosexuellen Schützenkönig in einem Münsteraner Schützenverein. Der schwule Schützenkönig wollte seinen Lebenspartner statt einer "Königin" an seiner Seite haben, wogegen sich der "Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften" (BHDS) sperrte. Das entspreche nicht dem christlichen Weltbild und Sittenvorstellungen des Verbandes, hieß es.

Aktuell wird auch diskutiert, ob Muslime Schützenkönige werden dürfen. Eine neue Herausforderung für den BHDS. Erst im März diesen Jahres soll über eine entsprechende Satzungsänderung entschieden werden. Es müsste dann festgelegt werden, dass zukünftig auch nicht christlich getaufte Schützen Mitglieder des BHDS werden könnten. Auch für wiederverheiratete Schützenmitgliedern wird über eine Reform der Satzung diskutiert.

mit

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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