Tierschutzbund fordert Abschaffung

Streit ums Gebimmel: Sind Kuhglocken Tierquälerei?

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Die Hörner haben bayerische Kühe meistens schon los, jetzt auch das Aus für die Kuhglocken?

München - Haben Bayerns Kühe bald ausgebimmelt? Der Tierschutzbund fordert die Abschaffung der Kuhglocken, weil sie "den Tieren nachweislich schaden". Traditionalisten sind entsetzt.  

Für die einen ist es eine schöne bayerische Tradition, für die anderen Tierquälerei. Und die, die es betrifft, kann man nicht fragen, denn Kühe reden nicht. Sie fressen nur und produzieren Milch. Das Geläut um ihren Hals dagegen produziert Schlagzeilen: Tierschützer fordern, dass die Glocken abgeschafft und durch GPS-Sender ersetzt werden.

Wenn ab dem 11. September die Rindviecher nach dem Sommer auf Almen und Alpen wieder zurück ins Tal gebracht werden, kommen viele Zuschauer nur wegen der festlich geschmückten Tiere und den üppigen Glocken zum Viehscheid. Genau daran entzünden sich die Gemüter der Tierschützer. Die Glocken müssen weg, fordert die Präsidentin des Deutschen Tierschutzbundes Nicole Brühl. „Wir sind für ein Verbot, wenn sie den Tieren nachweislich schaden.“

GPS-Band statt Kuhglocke?

Anstelle der schweren und lauten Metallgeläute könne man den Kühen doch ein GPS-Band zur satellitengestützten Ortung umbinden. „Rein aus Tradition einem Tier so etwas zuzumuten, ist völlig abzulehnen.“ Losgetreten hatte die Diskussion die Schweizer Tierschützerin Nancy Holten. Die fordert ein gesetzliches Verbot der Glocken, denn diese seien für die Kühe „so laut, als wenn wir uns einen Presslufthammer ans Ohr halten würden“.

Sie beruft sich auf eine Studie der Eidgenossenschaftlichen Technischen Hochschule in Zürich, nach der die Wiederkäuer unter den Glocken leiden. Die Kühe mit Glocken bewegten ihre Köpfe seltener, fräßen weniger und käuten rund zweieinhalb Stunden weniger als ihre Artgenossinnen ohne Glocke um den Hals. Ob dies am Gewicht oder am Geläute liegt, konnte die Studie nicht klären.

Bayerns Agrarminister sieht kaum Handlungsbedarf

Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) sieht dagegen kaum Handlungsbedarf: „Ich glaube, dass die Glocke keine Beeinträchtigung sind für die Kühe – weder vom Gewicht her noch vom Ton.“ Die Überwachung mit GPS-Sensoren könne aber langfristig durchaus ein Thema werden, so der Minister, „das ist aber technisch noch nicht ausgereift“.

Der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, Franz Hage, reagiert empört auf den Vorstoß der Tierschützer. „Das ist kompletter Schmarrn“, schimpft er, die Glocken und Schellen würden den Tieren nicht schaden. Der Stolz der Almhirten komme in ihnen zum Ausdruck. „Das ist Tradition im Allgäu und gehört dazu“, so Franz Hage.

Tierschützerin Nancy Holten hat die Facebook-Gruppe Kuhglocken out gegründet, um ihre Forderung nach einem Verbot durchzusetzen. Derzeit mit 4371 Likes. Die darauf entstandene Facebook-Gruppe Pro Kuhglocken hat es in kurzer Zeit aber auf deutlich mehr Anhänger gebracht: 20 202 Likes hatte sie bis Montag gesammelt.

Volker Pfau

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