Nach Urteil zum Chiemseer-Bier und Post-Fauxpas 

Bis hierher und nicht weiter: Wo endet der Chiemgau?

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Mit dieser Chiemgau-Definition ist man auf der sicheren Seite: Der Landkreis Rosenheim ohne die Inn-Gemeinden, das Mangfalltal und das Wasserburger Land sowie der Landkreis Traunstein ohne den Rupertiwinkel. Zur größeren Ansicht oben rechts klicken.

Zuerst das Urteil um das "Chiemseer-Bier", dann verlegte die Post auch noch Altötting in den Chiemgau. Aber wo lassen sich die wirklichen Grenzen ziehen? Wir haben einen Experten befragt.

Gehört Rosenheim zum Chiemgau? "Nein" entschied das Oberlandesgericht München im Rahmen des Urteils zum "Chiemseer-Bier" Mitte März. Nun muss die Brauerei mit Sitz in Rosenheim neue Etiketten drucken. Als die Post in einem Begleitschreiben zu neuen Papst-Benedikt-Briefmarken kurzerhand Altötting in den Chiemgau verlegte, war man sich dagegen schneller einig: Da stimmt was nicht. Aber wo genau lassen sich Grenzen festmachen?

"Man muss aufpassen, dass man diesen Landstrich nicht aus wirtschaftlichen Gründen verwässert", meint dagegen Hans Helmberger. Er ist Vorsitzender des "Historischen Vereins Chiemgau" mit Sitz in Traunstein. Sein Verein befasst sich seit jeher mit Regionalgeschichte, Helmberger muss es wissen. "Zum Teil sind die Grenzen etwas fließend", gibt auch er zu - doch größtenteils lassen sie sich recht genau ziehen.

Wo beginnt und wo endet der Chiemgau?

Beginnen wir im Uhrzeigersinn im Süden: Hier ist es die klare Grenze zwischen Bayern und Österreich - entlang der Gemeindegebiete von Ruhpolding, Reit im Winkl, Unterwössen, Schleching und Aschau. Bei der Gemeinde Samerberg wird es dagegen schon strittig, ob sie noch zum Chiemgau gezählt werden kann.

Weiter nach Norden verläuft die Chiemgau-Grenze entlang von Frasdorf und Riedering. "Die Orte im Inntal gehören dagegen nicht mehr zum Chiemgau", so Helmberger - auch wenn die Berge rechts des Inns zu den Chiemgauer Alpen gezählt werden. Einzige fließende Grenze: Das Gebiet von Stephanskirchen.

Die Regel lässt sich weiter nach Norden fortsetzen: Inn-Gemeinden wie Schechen, Rott oder die Stadt Rosenheim zählen nach Hans Helmberger nicht zum Chiemgau, die östlich angrenzenden dagegen schon - Bad Endorf, Söchtenau, Halfing, Amerang. Im Norden verläuft die Linie dann entlang der Traunsteiner Landkreisgrenze außerhalb der Gemeinden Schnaitsee, Engelsberg und Tacherting.

Schild an der früheren Grenze zwischen Salzburg und Bayern, hier bei Neukirchen am Teisenberg.

Die Ostgrenze des Chiemgaus lässt sich klar festlegen: Denn hier traf von 1275 bis 1803 das Erzstift Salzburg auf Bayern. Entlang dieser Grenze zwischen Chiemgau und Rupertiwinkel wurden zur Erinnerung eigens Schilder aufgestellt. Die Linie verläuft östlich der Alz durch das heutige Stadtgebiet Trostbergs und südlich weiter an Traunreut, Kammer und Traunstein vorbei. Auch das heutige Gemeindegebiet Surbergs ist genau genommen zweigeteilt: Der Ortsteil Lauter war salzburgisch und zählt zum Rupertiwinkel. 

Die Grenze zwischen Chiemgau und Rupertiwinkel ist eindeutig.

Ab Neukirchen verläuft die Grenze des Chiemgaus dann wieder gleich zur heutigen Landkreisgrenze Traunstein und Berchtesgadener Land. Entlang des Gebirgszugs von Staufen und Zwiesel geht die Linie schließlich zur Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich. Letztlich kann der Chiemgau als historisch-kulturell gewachsene Landschaft bezeichnet werden, mit dem Chiemsee als Zentrum. Belegt ist der Name seit dem 8. Jahrhundert.

"Eine Wertmarke, mit der sich gut werben lässt"


"Der Chiemgau ist heute einfach eine gewisse Wertmarke, mit der sich gut werben lässt", weiß Helmberger - daran liegt es, dass Orte und Landstriche fälschlich dem Chiemgau zugeordnet werden. Ähnlich verhalte es sich eben auch beim "Chiemgauer Brauhaus" aus Rosenheim: "Da geht es natürlich um viel Geld und man versucht, sich mit fremden Federn zu schmücken", so der Traunsteiner Historiker. 

Aber ein Dogma brauche man auch nicht daraus machen: "Ich reg' mich da nicht auf." Und der Fauxpas der Post, Altötting in den Chiemgau zu verlegen? "Naja, das war dann wahrscheinlich einfach nur Unkenntnis", schmunzelt Hans Helmberger.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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