Streit um "Mein Kampf": Verlag zensiert sich selbst

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Der britische Verleger Peter McGee möchte eine Eskalation um die Veröffentlichung Hitlers Bucheinträge vermeiden.

München - Aus Angst vor Beschlagnahmung will der Peter McGee Auszüge aus “Mein Kampf“ doch nicht veröffentlichen. So lange der Streit mit dem Freistaat läuft, sollen die Passagen unleserlich erscheinen - zumindest am Kiosk.

In der Auseinandersetzung um die Veröffentlichung von Hitlers “Mein Kampf“ will der britische Verleger Peter McGee eine Eskalation vermeiden. Die Auszüge aus dem Buch des Diktators, die McGee an diesem Donnerstag in einer Extra-Broschüre seiner Wochenzeitung Zeitungszeugen beilegen will, werden darum zensiert erscheinen.

Nur der zugehörige Kommentar soll lesbar sein, die Originalpassagen aus dem Buch nicht. Das schreibt McGee in einem Brief an seine Kunden. Der Verlag bietet die Möglichkeit, sich bei Zusendung eines frankierten Rückumschlages eine leserliche Ausgabe zuschicken zu lassen. McGee will damit verhindern, dass das bayerische Finanzministerium die Exemplare am Kiosk beschlagnahmt.

So begann der zweite Weltkrieg

So begann der Zweite Weltkrieg

Das Ministerium, das als Rechtenachfolger des Eher-Verlags der Nationalsozialisten die Urheberrechte an “Mein Kampf“ geerbt hat, hatte am Dienstag gerichtliche Schritte angekündigt. Zu der neuen Ankündigung des Verlages wollte sich ein Sprecher am Mittwoch zunächst nicht äußern. Es werde jetzt Gespräche mit den Anwälten geben.

So lange das juristische Verfahren laufe, wolle McGee die Auszüge aus dem Buch nicht mit seiner Wochenzeitung veröffentlichen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. “Wir müssen sicherstellen, dass wir unsere Hauptveröffentlichung nicht in Gefahr bringen.“ Vor rund drei Jahren hatte das Finanzministerium schon einmal Publikationen der “Zeitungszeugen“ am Kiosk beschlagnahmen lassen. Auch damals ging es um die Frage der Urheberrechte. McGee wehrte sich vor Gericht und gewann gegen den Freistaat in zwei Instanzen. “Die Aktion der Staatsregierung hat unserem Ruf sehr geschadet“, betonte McGee. Auch finanziell sei der Schaden groß gewesen. Das wolle er nicht noch einmal erleben.

Dieses Mal ist die rechtliche Lage allerdings eine andere. Im Fall der Publikationen von 2009 - damals handelte es sich um den kommentierten Nachdruck von Nazi-Zeitungen - war das Urheberrecht bereits erloschen. Bei “Mein Kampf“ ist das erst im Jahr 2015 der Fall, 70 Jahre nach Hitlers Tod. McGee beruft sich diesmal auf das Zitierrecht. Schließlich wolle sein Verlagshaus Albertas Limited nur Ausschnitte veröffentlichen, nicht das ganze Buch. “Wir müssen nicht bis 2015 warten“, betonte er.

Seiner Ansicht nach ist es längst an der Zeit, Hitlers Pamphlet auch in Deutschland lesen zu können. “Ausgerechnet in Deutschland ist es zu einer bizarren Mystifizierung diesen ekelhaften Buches gekommen. Und das liegt einzig und allein daran, dass man es hier nicht lesen darf.“ Die Pläne des Instituts für Zeitgeschichte, nach dem Erlöschen der Rechte eine umfassend kommentierte Ausgabe von “Mein Kampf“ auf den Markt zu bringen, bezeichnete McGee als “unglaublich wichtiges Projekt“. Es sei aber genau so wichtig, einer möglichst großen Zahl von Menschen den Zugang zu ermöglichen - nicht nur Wissenschaftlern.

Gegen seine Pläne hatte es allerdings nicht nur vom Freistaat Bayern, sondern auch von anderen Seiten Protest gegeben. Die Präsidentin der Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, befürchtet Profitgier als Motivation für das Projekt. “Ich habe Verständnis für das Ansinnen, das bisweilen mystifizierte Werk zu entzaubern. Aber bei dem Projekt von McGee geht es letztlich auch ums Geschäft“, sagte sie. Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wandte sich gegen die Veröffentlichung.

dpa

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