SEK-Einsatz wegen "Blutbad"-Drohung in Burgkirchen

Brennpunkt Hoechster Straße: "Ich will hier weg!"

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In diesem Mehrparteienhaus soll es passiert sein

Burgkirchen - Als sich alle am Donnerstagabend auf das EM-Halbfinale gegen Frankreich freuten, kam es in Burgkirchen zu dramatischen Szenen: In der Siedlung Hoechster Straße musste das SEK anrücken.

UPDATE - 11.55 Uhr: Reaktionen von Bürgermeister und Anwohnern

"Sie ist nicht unproblematisch" erklärt Bürgermeister Johann Krichenbauer zur Siedlung Hoechster Straße. Immer wieder mal käme es dort zu Polizeieinsätzen. Den aktuellen wertet er aber als eine Ausnahme. So ein Aufgebot an schwer bewaffneten Einsatzkräften habe es bis dato noch nicht gegeben.

Die Siedlung Hoechster Straße – sozialer Brennpunkt

Das Problem liege daran, dass hier sehr oft Menschen auf engem Raum leben, so Krichenbauer. So sei auch zu erklären, dass es nur wenige wirkliche "Problemfälle" gebe, wie der am Donnerstagabend. "In den meisten Fällen ist es häusliche Gewalt, die dahinter steckt." An einer Konfliktsituation Unbeteiligte seien in der Siedlung noch nicht zu Schaden gekommen.

„Ich will hier weg!“

Dennoch macht sich bei dem einen oder anderen Anwohner Unsicherheit breit. Klar, die Mieten sind niedrig aber schwer bewaffnete SEK Beamte gleich ums Eck oder gar im gleichen Haus in der Wohnung nebenan zu haben, wirft verständlicher Weise Fragen auf. Eine Anwohnerin berichtet gegenüber innsalzach24.de: "Ich will hier weg!". Sie habe aus sicherer Entfernung zwar nicht alles gesehen aber gehört. "Dann kamen Nachbarn und sagten ´Jetzt haben sie ihn erschossen´".

Eine verständliche erste Einschätzung weil der Täter offenbar betäubt auf einer Liege abtransportiert wurde. Das nach einem Knall - der offenbar aber kein Schuss war - und das Kopfkino läuft ganz automatisch an. "So ein SEK-Beamter in Vollmontur sieht wirklich martialisch aus", sagt auch Bürgermeister Johann Krichenbauer. Die Anwohnerin will sich jedenfalls nach einer ruhigeren Gegend umsehen und wegziehen.

Die Siedlung Hoechster Straße - "nicht unproblematisch"

Dabei war die Siedlung Hoechster Straße einst Vorzeigeviertel in Burgkirchen. In den 50er Jahren lief es besser und besser für die chemische Industrie in der Alzgemeinde. Wohnungen mussten her. Wo gestern SEK Beamte einen Mann festnahmen, der anscheinend seine Frau bedrohte, wohnten früher Ingenieure und Doktoren. Mit ihnen ist das Werk gewachsen und damit Burgkirchen.

UPDATE - 9 Uhr: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums: 

Spezialeinsatzkräfte mussten am Donnerstagabend einen 44-Jährigen festnehmen. Der Mann hatte zunächst am Donnerstagnachmittag Morddrohungen gegenüber seiner Ehefrau ausgesprochen, die daraufhin aus der Wohnung geflüchtet war.

Jedoch befand sich zu diesem Zeitpunkt noch der 25-jährige Neffe in der Wohnung, der sich in einem Zimmer einsperrte und so zu schützen versuchte. 

Im weiteren Verlauf drohte der 44-jährige an, ein Blutbad anzurichten, sollte ihn die Polizei festnehmen wollen. Der Aufforderung der eingesetzten Beamten, das Gebäude zu verlassen, leistete der Mann keine Folge.

Mit Unterstützungskräften umstellten Beamte der Polizeiinspektion Burghausen das Gebäude und geleiteten andere Anwohner aus dem Mehrparteienhaus. 

Spezialeinsatzkräfte griffen schließlich, nachdem weitere Ansprachen zu keinem Ergebnis führten und klar wurde, dass der Mann seine Wohnung nicht verlassen würde, gegen 19.30 Uhr zu. 

Sie brachen die Wohnungstüre auf, schützten zunächst den jüngeren Mann, brachten diesen ins Freie und nahmen nur wenig später den sich wehrenden und mit einem Elektroschocker ausgestatteten 44-Jährigen in seiner Wohnung fest. 

Weder die Polizeibeamten, noch der Festgenommene erlitten dabei Verletzungen. Da der Mann Medikamente eingenommen hatte, wurde er in ein Krankenhaus eingeliefert. Er wird sich auch weiter in ärztlicher Obhut befinden.

Erstmeldung 7.25 Uhr:

Das SEK sei vor Ort gewesen und habe eine Wohnung gestürmt, schrieb uns der Augenzeuge. "Mich beunruhigt das, weil es nur zwei Häuser weiter war". Auch ein anderer User schrieb uns an und berichtete von einer Schießerei. 

Nun wissen wir mehr: Schüsse fielen nicht, aber ein Mann hielt für über drei Stunden die Polizei auf Trab. 

Alles begann damit, dass ein 44-Jähriger gegen seine Ehefrau wüste Todesdrohungen aussprach. Völlig verängstigt konnte die Frau aus der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus flüchten und den Notruf wählen, so Polizeisprecher Andreas Guske. 

Doch in der Wohnung befand sich nun neben dem aggressiven Mann noch sein erwachsener Neffe. 

Die Polizei rückte an. Speziell geschulte Beamte versuchen Kontakt mit dem Mann aufzubauen, doch dieser verweigerte jede Kontaktaufnahme und zog die Vorhänge der Wohnung zu. Unklar war zu diesem Zeitpunkt, ob er Waffen hat und welche Gefahr wirklich von ihm ausgeht. 

Nun rückte das SEK an. Die Beamten holten die anderen Anwohner aus dem Mehrparteienhaus. Dann kam es gegen 19.30 zum Zugriff. Es fielen keine Schüsse, der Mann blieb unverletzt. Eine geglückte Festnahme!

Die Knallgeräusche, die ein User als Schießerei interpretierte, entstanden laut Polizeisprecher Guske beim Zugriff: "Da rumst und kracht es - und das ist auch gewollt so."

Quelle: innsalzach24.de

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