Zwangspause im Nachtleben

Tanzverbot in Bayern: Regelungen für Gründonnerstag und Ostern

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Es hat sich ausgefeiert: Von Gründonnerstag 2 Uhr bis einschließlich Karsamstag 24 Uhr gilt wieder das generelle Tanzverbot in Bayern.

München - Tanzverbot in Bayern: An stillen Tagen legt das Nachtleben eine Party-Pause ein - auch an Ostern. Die Regelung für Gründonnerstag, Karfreitag & Karsamstag 2016. *Jetzt mit Voting*

Insgesamt neun so genannte "stille Tage" gibt es in Bayern (siehe Tabelle unten): Aschermittwoch, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag und Heiligabend. Sie genießen einen besonderen Schutz durch das Gesetz - soll heißen: öffentliches Tanzen ist an diesen Tagen aus religiösen oder sittlichen Gründen behördlich verboten.

Tanzverbot wurde zuletzt 2013 vom Landtag gelockert

Weil das generelle Tanzverbot zuletzt immer umstrittener war, lockerte der Bayerische Landtag die Vorschrift im Juli 2013. Seitdem darf in alle Feiertage bis 2 Uhr morgens hineingefeiert werden. Die einzige Ausnahme bilden nach wie vor Karfreitag und Karsamstag - hier gilt das längste durchgehende Tanzverbot im Jahr. Ab Gründonnerstag 2 Uhr herrscht 70 Stunden lang Ruhe in den Diskotheken und Clubs - in der Stadt wie auf dem Land.
Kurz vor Ostern 2014 wurde im Innenministerium erneut über eine Lockerung des Tanzverbots in Bayern diskutiert. Am Ende einigte man sich nach Aussage eines Sprechers aber darauf, dass die Regelung aus dem Jahr 2013 Kompromiss genug sei.

Tanzverbot: Unterschiedliche Regelungen in jedem Bundesland

Strenger als in Bayern geht es nur noch in Baden-Württemberg zu: Dort gilt sogar an vier Tagen ein 24 Stunden-Tanzverbot. Auch am Gründonnerstag und dem ersten Weihnachtstag müssen dort die Tanzwütigen komplett zu Hause bleiben. Am liberalsten sind Bremen und Berlin. Nur an drei Tagen (Karfreitag, Volkstrauertag und Totensonntag) herrscht hier ein Tanzverbot - und auch das nur tagsüber. Generell sind die Regelungen aber in jedem Bundesland unterschiedlich.

Auch Spielhallen müssen zusperren

Doch nicht nur das Tanzbein müssen die Bayern an den "stillen Tagen" ruhen lassen. "Öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen sind nur dann erlaubt, wenn der diesen Tagen entsprechende ernste Charakter gewahrt ist", heißt es im "Gesetz zum Schutz der Sonn- und Feiertage". Auch der Betrieb von Spielhallen oder die Veranstaltung von Flohmärkten sind in den meisten Fällen nicht zulässig.

Keine Musik, kein Sport und kein Autowaschen am Karfreitag

Zudem gilt im Freistaat am Karfreitag in Räumen mit Schankbetrieb ein generelles Verbot musikalischer Darbietungen jeglicher Art - selbst eine gemütliche Blaskapelle darf also nicht ihre Instrumente auspacken. Sogar Sportveranstaltungen sind an diesem Tag untersagt, da auch diese über den "Schank- und Speisebetrieb" hinausgehen. 

In einigen Gemeinden dürfen auch keine Autowaschanlagen betrieben werden (diese Regelung ist auch an Neujahr, Ostersonntag, Ostermontag, dem 1. Mai, Pfingstsonntag, Pfingstmontag sowie an den beiden Weihnachtstagen möglich).

Auch wenn manche Feierwütige diese Zwangspause ärgern wird - an allen anderen Tagen im Jahr - und das sind immerhin 356 - dürfen sie wie gewohnt die Tanzflächen stürmen.

Tag in Bayern

Tanzverbot?

Neujahr

nein

Heilig Drei Könige

nein

Aschermittwoch

02:00-24:00

Gründonnerstag

02:00-24:00

Karfreitag

ganztägig

Karsamstag

ganztägig

Ostersonntag

nein

Ostermontag

nein

Christi Himmelfahrt

nein

Pfingstsonntag

nein

Pfingstmontag

nein

Fronleichnam

nein

Allerheiligen

02:00-24:00

Allerseelen

nein

Volkstrauertag

02:00-24:00

Buß- und Bettag

02:00-24:00

Totensonntag

02:00-24:00

Heilig Abend

14:00-24:00

1. Weihnachtstag

nein

2. Weihnachtstag

nein

Wo hat das Tanzverbot seinen Ursprung?

Das Tanzverbot hat seinen Ursprung im Glauben und in der Religion. Es wird aber in Deutschland mit dem Gesetz über den Schutz der Sinn- und Feiertage geregelt, dessen konkreten Inhalt jedes Bundesland selbst bestimmen darf. Allerdings gibt es auch im Grundgesetz einen Artikel (139), der den Sonntag und die Feiertage besonders schützt. Dieser Artikel wurde 1919 im Grundgesetz verankert.

Seit wann gibt es Tanzverbote?

Tanzverbote gab es innerhalb von Religionen und diversen Kulturen natürlich schon lange bevor Feiertage gesetzlich verankert und geschützt wurden. Für Christen galt es in der Fastenzeit wohl schon immer als unangemessen, in der Karwoche und vor allem am Karfreitag zu Tanzen, Feste zu feiern oder anderweitig ausgelassen zu sein. Etwa im 18. Jahrhundert wurden die "stillen Tage" auch auf den Ostersonntag ausgedehnt.

Tanzverbote, die allgemein gültig waren und über christliche Feste hinausgingen, gab es in Deutschland jeweils während der beiden Weltkriege. So wurde etwa während des Ersten Weltkriegs ein Tanzverbot verhängt, das an Silvester 1918 wieder aufgehoben wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurden immer wieder allgemeine Tanzverbote verhängt, die sich teilweise über mehrere Wochen oder Monate hinzogen und mal mehr, mal weniger streng umgesetzt wurden.

Mit Tanzverboten wurde später, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auch versucht, bestimmte Tanz-Stile zu unterbinden. Dazu gehörte unter anderem der Rock 'n' Roll.

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