Beide Männer schon wieder frei

Terrorverdacht: Darum hat die Polizei zugegriffen

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Ein wenig war es wie hier in der Silvesternacht. Am Donnerstagnachmittag herrschte in und um München wieder einmal Angst vor Terror.

München - Am Donnerstagnachmittag herrschte in und um München wieder einmal Angst vor Terror. Vorsorglich setzten die Behörden zwei Männer fest - doch wie zum Jahreswechsel blieb am Ende nur wenig übrig vom schweren Verdacht.

Handys wurden gefunden und ein Computer. Nichts wirklich Aufregendes. Verdächtige Gegenstände, teilt das Bayerische Landeskriminalamt von Anfang an mit, seien nicht sichergestellt worden. Zu anderen Zeiten hätten die Festnahmen des 46-jährigen Irakers und des 29 Jahre alten Nigerianers im Raum München keine großen Wellen geschlagen. Aber nach den Anschlägen von Paris und Brüssel sowie weltweiten Terrorwarnungen sind die Behörden alarmiert. Das hatte sich schon in der Silvesternacht in München gezeigt, und am Donnerstag kommen in der Landeshauptstadt erneut Terrorgerüchte auf.

Was ist dran an dem Hinweis aus Geheimdienstkreisen, die beiden Festgenommenen könnten mittelbar mit Kämpfern der IS-Terrormiliz in Kontakt stehen? Auch über Nacht laufen die Ermittlungen auf Hochtouren - am Freitagmittag aber geben die Behörden Entwarnung: Der Verdacht hat sich nicht bestätigt, die beiden Männer kommen frei.

"Verdacht in keinster Weise erhärtet"

„Die Kollegen haben die ganze Nacht durchgearbeitet“, sagt LKA-Sprecher Karl-Heinz Segerer. „Die Vernehmungen sind durchgeführt. Sie haben auch mit uns gesprochen. Der Verdacht hat sich aus den Vernehmungen heraus in keinster Weise erhärten oder bestätigen lassen.“ Auch Durchsuchungen der Zimmer der Männer erbrachten nichts.

Anschläge in Paris und Brüssel, Terrorwarnungen in Deutschland: Seit sich die Terrorgefahr in Europa immer klarer manifestiert, bekommen die Sicherheitsbehörden ständig Hinweise auf mögliche Verdächtige. Jeder vage Verdacht wird geprüft. Meistens verlaufen die Ermittlungen ergebnislos - und die Fälle werden gar nicht bekannt.

Nur manchmal erfährt die Öffentlichkeit von solchen Aktionen der Sicherheitsbehörden wie am Donnerstag in München. Man habe sich für den Zugriff entschieden, „um jedwede Gefährdung für die Bevölkerung auszuschließen“, sagt LKA-Sprecher Segerer. Ins gleiche Horn stößt Bundesinnenminister Thomas de Maizière: „Ich sage Ihnen nur, dass es richtig ist - und so verhalten sich die Sicherheitsbehörden: Im Zweifel eher früh zugreifen als zu spät“, sagt der CDU-Politiker.

Angst vor Terror in Deutschland ist groß

Wie etwa Mitte November in München: Damals - nur wenige Tage nach der Anschlagsserie von Paris - schlug eine Hotelangestellte Alarm, weil sie bei Hotelgästen unter anderem Butangasflaschen bemerkt hatte. Sofort schritten die Ermittler wegen möglicher Terrorgefahr ein, doch am Ende entpuppte sich das Ganze als harmloses Familientreffen von Iranern. Das Gas sollte einfach nur den Kocher befeuern, zu einem Familientreffen gehört nun einmal das gemeinsame Essen.

Die Angst vor einem schweren Terroranschlag in Deutschland ist groß. Im November sagten die Behörden das Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande in Hannover kurz vor dem Anpfiff ab. In München räumten Einsatzkäfte an Silvester wegen eines angeblich drohenden islamistischen Anschlags zwei Bahnhöfe. Zuvor war eine Warnung mit sieben Namen mutmaßlicher Attentäter eingegangen. Doch die Fahnder konnten keine passenden Personen ermitteln. Bis heute ist unklar, ob es sie überhaupt gab. Die Ermittlungen sind eingestellt.

Kein Hinweis auf eine Terrorzelle

Auch der jüngste Terroralarm endet praktisch im Nichts. Zwar kannten sich die beiden Männer. Einen weiteren Zusammenhang können die Ermittler nicht feststellen - erst recht haben sie keinen Hinweis darauf, dass die beiden gar eine Terrorzelle gebildet haben könnten.

Der Bayerische Rundfunk berichtet über Gerüchte, dass der Iraker von Verwandten denunziert wurde, die über eine angebliche Verbindung des Mannes zu einer Frau erbost waren. Segerer kann das nicht zwar bestätigen. Aber: „Es gibt immer wieder Einzelfälle, wo insbesondere aus dem Ausland Diskreditierungen versucht werden.“

dpa

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