Urteil am Landgericht Traunstein

Österreichischer "Bombenleger" hinter schwedische Gardinen

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Der Angeklagte (Links) im Gespräch mit seinem Verteidiger Michael Vogel (Fotomontage).

Traunstein - Durch mehrere Spreng-Attacken hatte ein 53-jähriger Österreicher versucht, Geld von einem Millionenbetrüger zu erpressen. Jetzt bekam er die Rechnung vom Landgericht serviert:

In erster Instanz war der Angeklagte bereits zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Doch weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung waren mit der Strafhöhe zufrieden - beide Seiten beantragten daher eine Revision. Nun kam es erneut zum Prozess, wobei der Angeklagte auch in zweiter Instanz die Vorwürfe gegen sich einräumte. Er bestritt weder, zwei Briefbomben-Attrappen verschickt, noch eine Kugelbombe in einem Grassauer Vorgarten und einen Sprengsatz unter einem Peugeot gezündet zu haben.

Die Attrappen gingen an zwei Verwandte des Millionenbetrügers Christian H. - der seinerseits wegen Betrugs bereits zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt wurde - geschickt. Dabei habe er im Auftrag eines befreundeten Geldanlegers gehandelt, der von H. um sein Ersparnisse gebracht worden war. "Sie wollten so Druck auf die Empfänger der Briefbomben-Attrappen ausüben, damit die ihrerseits auf H. einwirken, das Geld zurückzuzahlen", meinte der vorsitzende Richter Dr. Jürgen Zenkel in seiner Urteilsbegründung.

Doch als dies nicht funktioniert habe, sei er zu härteren Mitteln übergegangen. "Anschließend haben sie eine Kugelbombe in einem Vorgarten in Grassau gezündet, weil sie dachten, dass ein  Geschäftspartner von Christian H. noch dort wohne." Zwar habe sich der Angeklagte vorher versichert, dass niemand zu Hause war, doch habe er selbst die Sprengkraft unterschätzt. "Sie sind in einem knappen Abstand an der Kugelbombe - die es legal in Tschechien zu kaufen gibt - vorbeigegangen, als diese Explodiert ist." Welche Kraft aber ein solcher Feuerwerkskörper entwickeln kann, habe auch der Sachverständige vom Landeskriminalamt am eigenen Leib erfahren: "Ihm hat es fast die Kamera aus der Hand gerissen, als er eine Kugelbombe aus fünf Metern gezündet hat", so Dr. Zenkel.

Den letzten Sprengsatz habe der Angeklagte dann schlussendlich völlig gedankenlos gezündet: "Sie haben ihn aus dem Auto geworfen. Selbstverständlich haben sie dabei in Kauf genommen, dass jemand verletzt wird." Glücklicherweise sei der Sprengsatz aber unter den Peugeot von Christian H. gerollt. "Und den hat es fast komplett zerstört."

Das Landgericht verurteilte den 53-Jährigen daher zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Damit blieb das Gericht knapp unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten drei Jahren und zwei Monaten. In seinen letzten Worten meinte der Österreicher: "Es tut mir leid, was ich gemacht habe. Ich habe leichtsinnig und unverantwortlich gehandelt. Aber die letzten 23 Monate in U-Haft sind auch nicht spurlos an mir vorübergegangen." Da diese Zeit allerdings angerechnet wird, muss er nun regulär nur noch zehn Monate im Knast absitzen. 

Quelle: chiemgau24.de

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