Vor dem Traunsteiner Landgericht:

Schleuser präsentiert sich als "Wohltäter"

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Traunstein - Ein 35-jähriger Syrer musste sich jetzt vor Gericht verantworten: In 18 Fällen soll er illegal Menschen nach Europa eingeschleust haben. Doch von Reue keine Spur - ganz im Gegenteil:

In 18 Fällen war er angeklagt, Syrer illegal nach Europa gebracht zu haben: teils mittels Flugzeug und teils über den Landweg. Die Kosten für die Schleusungen bezifferte der Angeklagte auf 7500 bis 9000 Euro, inklusive des Flugtickets. Er selbst soll dabei zwischen 2000 bis 2500 an jeder eingeschleusten Person verdient haben. Doch selbst habe er sich die Finger nicht schmutzig gemacht, habe in erster Linie nur die Schleusungen vermittelt und organisiert. Dabei soll er einen Komplizen gehabt, der sich um die Flugreisen kümmerte.

Auch die Wege der Schlepper variierten: Manchmal ging es mit dem Flugzeug von Istanbul nach Frankreich, weil "die Kontrollen dort nicht so streng waren", so der Angeklagte. Nach Deutschland, Schweden und Dänemark sei die Schleusung schwieriger gewesen. Auf die Frage des vorsitzenden Richters Erich Fuchs, wie die Leute denn in die Türkei gekommen seien, meinte er: "Das war gar kein Problem. Die Grenzkontrolleure haben oft sogar den Zaun für die Flüchtlinge hochgehalten, damit sie durchkommen können." Ein anderes Mal führte der Weg mit dem Auto von Griechenland nach Deutschland.

Anfangs zeigte sich der 35-Jährige weitgehend geständig und räumte die Vorwürfe gegen sich beinahe vollumfänglich ein. Doch als der vorsitzende Richter dann bei den einzelnen Fällen ins Detail ging, relativierte der Angeklagte seine Aussagen. Größtenteils seien es Verwandte gewesen, die er nach Europa gebracht habe. Von ihnen habe er kein Geld verlangt. Fuchs wollte dem allerdings keinen Glauben schenken und meinte Scherzhaft: "Herr Staatsanwalt, sie haben einen Wohltäter auf die Anklagebank gesetzt." Der ermahnte seinerseits die Verteidiger und den Syrer, dass er seine Einlassungen bei Gericht noch einmal überdenken solle.

Daraufhin räumte der Angeklagte ein, dass er seine Einnahmen nicht mehr exakt beziffern könne und das es manchmal schon 2500 Euro gewesen seien. Aber auch bei den anderen Syrern, mit denen er sich keine Blutlinie teilt, habe er nur selten Geld genommen. Einer habe ihn beispielsweise dadurch entlohnt, dass er ihm ein Lied gesungen und ihn zum Abendessen eingeladen habe.

Er habe zudem ausschließlich Personen aus seinem engsten Bekanntenkreis und aus seinem Heimatdorf in Syrien geschleust: "Ansonsten wäre mir das viel zu riskant gewesen." Ihm sei klar gewesen, dass er Menschenhandel betrieben habe, aber "ich habe das auch so gesehen, dass ich etwas humanitäres tue".

Der ermittelnde Bundespolizist zeichnete hingegen ein ganz anderes Bild des Angeklagten. Er bezeichnete den 35-Jährigen als "Kopf der Schleuser-Organisation". Das hätten die Telefonüberwachungen seines Umfelds ergeben. Er sei auch als "schnellster Schleuser von Istanbul" bekannt gewesen. 

Anschließend wurde noch das psychiatrische Gutachten des Sachverständigen Rainer Gerth in Auszügen präsentiert: Demnach habe der Angeklagte weder eine Persönlichkeits-Störung, noch sei er Drogen- oder Alkoholabhängig. Der 35-Jährige sei voll schuldfähig. Am Dienstag folgen nun bereits die Plädoyers und das Urteil.

Quelle: chiemgau24.de

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