Auftritt des Festpredigers war Höhepunkt

Traunsteiner Starkbierfest: Humor war wieder Trumpf!

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Traunstein - Oberbürgermeister Christian Kegel und viele andere wurden beim Traunsteiner Starkbierfest deftig „derbleckt“.

Humor war wieder Trumpf beim Traunsteiner Starkbierfest in historischen Saal des Hofbräuhauses Traunstein. Höhepunkt war der Auftritt Festpredigers. Dem Hofbräuhaus Traunstein war es gelungen, Albert Rosenegger als Fastenprediger zu gewinnen, der bis vor zehn Jahren mit seinen genialen Fas-tenreden beim CSU-Starkbierfest brillierte. Bei seinem Auftritt und den Spiel des NUTS-Trios wurden der Oberbürgermeister und andere Politiker deftig „derbleckt“. Für die musikalische Umrahmung sorgte wieder die Stadtmusik Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel.

Bilder vom Traunsteiner Starkbierfest

Den Auftakt übernahm Bräu Maximilian Sailer, der mit zwei Cheerleadern und amerikanischen Outfit die Bühne betrat. „We are here in the Bierstadt Traun-stein“, begann er mit amerikanischem Akzent. Bierstadt Traunstein? Wo eine schöne Bierpfanne einen Kreisverkehr schmückt, aber die Brauereien nicht ge-nannt werden dürfen. Wo es beim Fa-schingszug Bier im Plastikbecher und Dosen gibt. Wo die Wirtshäuser für die jungen Leute zugesperrt werden sollen, weil sie keine Vergnügungsstätten sein dürfen. „De junga Leit solln brav dahoam bleim in der Bierstadt Traunstein und an Kakao trinken“, so Sailer. Und dann habe man noch aus Amerika a Craft-Gsöff. „Des soi a Bier sei“, fragte er. So weit sei man in Bayern schon gekommen. Das Hofbräuhaus Traunstein kämpfe erbittert für die Bierkultur. Seine Antwort auf die Ami-Bier-Welle seien der dunkle Bock „Maximilian, sei stark“ und helle Bock „Oh, Du mein Josef“. Begleitet von der Bayerischen Bierkönigin Marlene Speck und der „Miss Chiemgau“ Bettina Scheiwein durfte Oberbürgermeister Christian Kegel auf der Bühne das Fass dunklen Bock anzapfen.

Fastenprediger Rosenegger, der die Traunsteiner als „Ihr Unverbesserliche“ begrüßte, erinnerte sich, dass er vor zehn Jahren in der Franz-Eyrich-Halle eine Fastenrede gehalten habe. Damals habe es Traunstein metertief einge-schneit, aber niemand sei auf die Idee gekommen, das Dach könne nicht standhalten. Der Vereinshaussaal sei damals schon 15 Jahre geschlossen gewesen. Heute werde dort ohne bauli-che Veränderung Theaterpublikum empfangen. Die Statik habe sich also von selbst verbessert.

Zu Oberbürgermeister Kegel meinte er: „Wenn ma Eahna begegnet, moant ma immer, Sie kemman aus dem „Land des Lächelns“, aber nix do, sie kemman aus dem abgründigsten Niederbayern, aus Abensberg, wo nach der alljährlichen „Schlacht im Gillamoos“ de Scherm von de zammdroschenen Maßkrüg knöchel-tief unter de Biertisch leng.“ Von den Holledauern hieße es, dass sich der meiste Hopfen in den Köpfen befinde, was dann so Phänomene wie Überreak-tion, Hitzigkeit und Eigensinn hervorrufe. „Jetz könnans sie's Eahna raussucha, welchas das Ihre niederbayerischen Gene belastet.“ Aber nicht deshalb fragte er Kegel, ob er schon einen Asylantrag gestellt habe, sondern weil er ein politisch Verfolgter sei. Denn er habe oft nicht nur ein feindliches Lager, sondern wenn es hoch hergehe zehn. „Sie ham je einen Rat beinander, der gelegentlich einer verbalen Partisanentruppe gleicht.“ Der Edmund Niederlöhner hoffe darauf, dass seine Waltraud bei der nächsten Kommunalwahl wieder in den Stadtrat hinein gewählt werde, weil er sonst alleine den ganzen Redeschwall aushalten müsste, den die diskussionsfreudige Ratsseniorin von sich gebe.

Dann fragte er den Oberbürgermeister, wie es mit den vielen Großbaustellen ausschaue. Es gehe alles ein wenig „zaach“, bis sich der Amtsschimmel mühsam erhebe. Es befinde sich alles in der papierenen Schöpfungsphase. „Kein harter Baustoff, sondern harter Diskussionsstoff.“ Zum Bürgerbegehren gegen die Landesgartenschau stellte Rosenegger fest, der Traunsteiner habe schon oft beweisen, dass er der gebo-rene Pessimist sei, der sogleich losziehe, um das Virus der Dumpfheit auf seine Mitmenschen zu übertragen. Die Grünen, deren Nummer die Landesgartenschau eigentlich sei, verkröchen sich wie scheue Zauneidechsen in ihrem selbstkonstruierten Biotop.

Aber das sei nur die Spitze des Eisbergs, denn stimmfreudige Traunsteiner hätten ein Bürgerbegehren gegen den Ausbau der Güterhalle in Gang gesetzt. Der Bürger frage sich, warum er einen Stadtrat gewählt habe, wenn er seine eigenen Entscheidung nicht mehr tragen möchte und bei jedem „Schoaß“ zuerst die Volksmeinung einholt. Traudl Wiesholler-Niederlöhner habe sich die beinahe unlösbare Aufgabe gestellt, die maorde Güterhalle in ein Industriedenkmal umzuetikettieren. „Die ehemalige Packlschutzer-Baracke soll ja ein Jugendzentrum werden. Für die restlichen Räume ist eine Aufzuchtstation für Zauneidechsen geplant. Die kann man immer gebrauchen“, so Rosenegger.

Landrat Siegfried Walch bescheinigte er eine positive Ausstrahlung. „Mit dera kannt ma ja sogar an Opel verkaufa.“ Die „Walchs“ seien im vergangenen Jahrhundert Roßhändler gewesen. Bis zum heutigen Tag habe sich das nur unwesentlich geändert. Walch habe es richtig gemacht, dass er sich als Landrat um ein zweites Standbein bemüht habe. Zur Zuwanderung meinte er, eigentlich müsse man froh sein, wenn dadurch der demografische Wandel abgebremst werde. Den geeigneten Partner zur Gründung einer Familie zu finden, sei noch komplizierter geworden. Früher habe man einfach gesagt „i mog di, mogst mit heiraten“. Sie habe dann meisten mit „Ja“ zugestimmt. Heute müsse sich ein Heiratswilliger schon gewählter artikulieren, etwa so: „Ich will deine Sprache sprechen, deine Grund-werte teilen und deinen Verhaltenscodex respektieren“. Und dann sage sie vielleicht: „War dös jetz a Heiratsantrag oder a Asylantrag.“

Der Stadtpfarrer, Dekan Georg Lindl, stehe in dem Ruf ein guter „Futterverwerter“ zu sein. Zusammen mit dem Zweiten Bürgermeister Hans Zillner könne er einem kalten Buffet ganz schön zusetzen. Würde man die Fläche seiner Stadtkirche ausmessen, würde man zu dem Ergebnis kommen, dass der Vatikan dagegen tatsächlich ein Zwergstaat sei. Den evangelischen Dekan Peter Bertram fragte er, ob er Erfahrung im Umgang mit Pferden habe. Die ökumenische Bewegung schreite in Traunstein nämlich galoppierend voran. Stadtrat Robert Sattler habe den ketzerischen Vorschlag gemacht, beim Georgiritt neben dem katholischen auch den evangelischen Stadtpfarrer mitreiten zu lasen. Es werde daher bereits Ausschau nach einem geeigneten Gaul gehalten. „Etwa einen weißen Lutheraner-Wallach, oder wie de Rass' hoaßt. Dann könne Bertram nach Ettendorf mitreiten und klammheimlich die Benediktion von Kardinal Marx einheimsen. „Vorausgesetzt, das zarte Podesterl an der Außenwand des Ettendorfer Kircherls hält der ungewöhnliche Last stand. Aber do is ma a dabei, solches zu prüfen und hot den Sailer-Bernhard zur Belastungsprobe hinaufgeschickt.“

Der CSU-Abgeordnete Klaus Steiner verleihe dem Landesparlament durchaus Gewicht, obwohl sein Körpergewicht scheinbar mit den Umfragewerten der CSU einhergehe. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler sei dagegen die Ausnahme. „Sie verkörpert geradezu die Illusion, dass die SPD in Bayern noch Fleisch auf den Rippen hat.“ Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl lobte er für deren Einsatz gegen TTIP und Gentechnik. „Dös hoaßt natürlich nicht, dass Sie nicht auch hin und wieder schwer nachvollziehbaren Unsinn in die Welt setzen, der aber von Ihnen so ge-schickt vorgetragen wird, dass man ihn glatt glaubt.“

Eine Szene aus dem Vorzimmer von Oberbürgermeister Kegel spielten Chris-ta und Franz Fuchs sowie Willi Schwenkmeier vom NUTS. Bei der Vorzimmerdame (Christa Fuchs) erschien ein Vertreter der Bürgerwehr „Traunstein, do bin i dahoam!“ (Franz Fuchs) und wollte beim Oberbürgermeister seine Unterschriftenlisten abgeben. Die Bürgerwehr sei gegen alles, wo der Stadtrat dafür sei und für alles, wo der Stadtrat dagegen sei. Gegen Landes-garten, Güterhalle, Gewerbegebiet, Kafka und außerdem gegen den Rat-haus- und Jacklturmbau. Auf den Ein-wand „aber de san doch schon lang baut“, meinte er: „Aso, is ja egal, dage-gen warn ma aber aa gwen. Ebenso sei die Bürgerwehr dafür, dass das alte Pflaster vor dem Heimathaus wieder hinkomme. Die Vorzimmerdame riet ihm, fünf Jahre zu warten, dann sei es wieder so.

Als der Oberbürgermeister sie anrief und ihr verschiedene Projekte durchgibt, fragte sie ihn, ob sie Autogrammkarten bestellen solle, weil er jetzt mit der Claudia Koreck singe, erschien Petrus (Willi Schwenkmeier). Er fragte, warum Traunstein gegen die Landesgar-tenschau sei. Während die Vorzimmer-dame von „rausgeschmissenen Geld“ sprach, sah Petrus eine einmalige Chance. „Sie haben doch panische Angst davor, dass die Beschaulichkeit Ihres verschlafenen Provinznestes un-terbrochen wird“, meinte Petrus. Der Deutsche und auch der Bayern seien vom Charakter her Bedenkenträger. Als der Petrus ihr gerade die Vorteile einer Landesgartenschau zu erklären ver-suchte, war die Oberbürgermeister am Telefon. Für den Petrus habe er keine Zeit, erklärte er seiner Mitarbeiterin, denn er sei gerade am Überlegen. Sicher, wie schön es gewesen sei, als er noch Lehrer am Chiemgau-Gymnasium gewesen sei“, meinte sie. Da hätten alle auf ihn hören müssen und jetzt sei das umgekehrt. Am Ende des Spiels verlie-hen die Akteure dem Oberbürgermeister den Orden „Für nix und wieder nix“ 

Bjr

Quelle: chiemgau24.de

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