Vor dem Traunsteiner Schlachthof

Die zwei Gesichter einer Mahnwache

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Die zwei Gesichter einer Mahnwache: Tierschutz-Aktivist Marcel Fischer (Links) und daneben der Security-Mitarbeiter Jürgen Donnat.

Traunstein - Die Aktivisten von Animals United haben jetzt eine Mahnwache vor dem Schlachthof Traunstein organisiert. Wir haben mit dem Gruppenleiter und den Securitys gesprochen.

Donnerstagabend, 17 Uhr, vor dem Schlachthof in Traunstein. Es ist ruhig. Fast zu ruhig. Denn eigentlich sollte um diese Uhrzeit schon die 24-Stunden-Mahnwache der Tierschutz-Organisation Animals United starten. Doch alles was zu sehen ist, sind zwei Mitarbeiter einer Security-Firma in ihren knallgelben Warnwesten. Das Sicherheits-Team besteht an diesem Abend aus einem 73-jährigen Rentner und einem 31-Jährigen. Sie wurden eigens vom Schlachthof bestellt, um das Gelände bis 7 Uhr morgens zu bewachen. Beide scheinen gut vorbereitet zu sein: Der Jüngere hat sechs Dosen Coca-Cola, eine Kanne Kaffee und eine Dose Red Bull im Gepäck. Der Rentner hingegen setzt lieber auf grünen Tee und Schnittchen. Bewaffnet sind beide nicht. "Ich brauche kein Pfefferspray oder Elektroschocker. Im Zweifelsfall rufen wir die Polizei", meint der 31-Jährige.

Die Geschichte der Securitys

Normalerweise ist er für die Sicherheit bei Großveranstaltungen wie dem "Kannibalen-Massaker" in Pfaffing oder in Diskotheken zuständig. Aber auch das Bewachen von Objekten gehört fest zu seinem Aufgabengebiet. "Zur Zeit müssen wir öfter bei Flüchtlingsunterkünften für die Sicherheit sorgen. Wir sind dabei Ansprechpartner für die Asylbewerber." Der 73-jährige Jürgen Donnat hingegen macht den Job als Security-Mitarbeiter nur, um seine Rente aufzubessern. "Der Staat braucht doch junge Leute", grinst er. Früher war Donnat als Schichtleiter bei der Banknoten- und Sicherheitsdruckerei "Giesecke & Devrient". Vor rund vier Jahren kam er dann nach Oberbayern - genauer gesagt nach Truchtlaching. Seitdem arbeitet er für das Security-Unternehmen. "Anfangs nur in Teilzeit. Doch mittlerweile habe ich einen Vollzeitvertrag, weil so viele Aufträge da sind."

So hält man sich wach

Die Nachtschicht ist für beide Sicherheitskräfte ein hartes Brot. "Zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens ist die schlimmste Zeit: Die Konzentration lässt da am meisten nach", so Donnat. "Aber kurz nach 2 Uhr ist man dann wieder auf dem Höhepunkt", wirft sein jüngerer Kollege ein. Doch wie hält man sich eigentlich 14 Stunden wach über Nacht? "Man schaut sich alles an, macht seine Rundgänge auf dem Gelände und jede Stunde müssen wir uns bei unserem Chef melden, damit der weiß, dass alles in Ordnung ist." Doch wenn die Aktivisten an diesem Tag wirklich nicht auftauchen, dann wäre das auch für die Security-Mitarbeiter eine Enttäuschung. "Es wäre besser, wenn sie kommen. Dann haben wir wenigstens was zu tun und die Zeit vergeht", erklärt der 73-Jährige.

Mahnwache vor der Waschanlage

Doch sie sollten Glück haben an diesem Abend: Plötzlich biegt nämlich eine junge Frau um die Ecke, bekleidet mit einem blauen "Animals United" Pullover. "Wir haben unseren Stand vorne bei der Waschanlage aufgebaut. Kommt doch vorbei", meint sie ganz fröhlich. Und wirklich: Dort aufgestellt ist ein Infostand der Tierschutz-Organisation. Mit dabei haben die drei Aktivisten eine Vielzahl von Plakaten und ein riesiges Kontingent an Grablichtern. "Die wollen wir dann in der Nacht an der Straße zum Schlachthof aufstellen, damit die Mitarbeiter in der Früh da vorbeifahren müssen und vielleicht dadurch zum Nachdenken kommen", so der Gruppenleiter des Chiemgauer Ablegers von Animals United, Marcel Fischer.

Hintergrund der Aktion

An seiner Seite kämpfen an diesem Abend die 25-jährige Manuela und die 23-jährige Julia für die Rechte der Tiere. "Es geht dabei aber nicht darum, dass wir diesen Traunsteiner Schlachthof anprangern. Wir wollen durch unsere Aktion auf die 60 Milliarden Nutztiere und 90 Milliarden Meerestiere hinweisen und ihnen gedenken." Die Aktionsgruppe Chiemgau gibt es erst seit rund zwei Monaten. Doch selbst in dieser kurzen Zeit haben die Aktivisten schon einiges auf die Beine gestellt: "Für viel Aufsehen hat unsere Demonstration vor einem Zirkus in Altötting gesorgt", meint Fischer stolz. Er ist optimistisch, dass auch die Aktion in Traunstein Früchte tragen wird.

Quelle: chiemgau24.de

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