Jetzt LIVE aus dem Prozess um das Zugunglück bei Bad Aibling

Prozess gegen Fahrdienstleiter aus Bad Aibling hat begonnen

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Der Angeklagte Michael P. bespricht sich kurz vor Prozessbeginn noch mit seiner Rechtsanwältin Ulrike Thole.

Traunstein/Bad Aibling - Heute beginnt im Sitzungssaal B33 der öffentliche Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling. Der Fahrdienstleiter ist wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeklagt.

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Die Fakten im Überblick:

  • Der Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge am 9. Februar 2016 war eines der schwersten Bahnunglücke der deutschen Nachkriegsgeschichte. 
  • Der 40-jährige Fahrdienstleiter muss sich wegen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor dem Landgericht Traunstein verantworten. 
  • Er soll das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ bis kurz vor dem Zusammenstoß auf seinem Handy gespielt haben. 
  • Der Prozess startet an diesem Donnerstag und ist auf sieben Verhandlungstage angesetzt. 
  • An diesem Donnerstag macht zuerst der Angeklagte seine Einlassung. Danach sind zwei Polizisten als Zeugen geladen.

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9.42 Uhr: Der Staatsanwalt verliest im Anschluss die Verletzungen eines jeden Geschädigten und wirft ihm fahrlässige Tötung in zwölf Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 89 Fällen vor. Auch jetzt zeigt der Angeklagte keine Regung, er wirkt schon fast stoisch, sein Blick geht auf den Boden.

9.35 Uhr: Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte während dieses Dienstes entgegen der Vorschriften im Zeitraum zwischen 5.11 Uhr und 6.45 Uhr das Online-Computerspiel Dungeon Hunter 5 aktiv im Vollbildmodus gespielt haben. Noch kurz vor Beendigung des Spiels um 6.40 soll er noch aktiv in dem Spiel etwas gekauft haben. In welchem Umfang der Angeschuldigte nach 6.40 Uhr weitere Aktionen ausgeführt hat, konnte laut Staatsanwaltschaft noch nicht festgestellt werden. Das Spiel soll um 6.45 Uhr vom Angeklagten beendet worden sein.

9.30 Uhr: Laut Anklageschrift habe der Angeklagte am Unglückstag um 4.45 Uhr im Stellwerk in Bad Aibling seinen Dienst angetreten. Von dort aus habe er den eingleisigen Verkehr zwischen den Bahnhöfen Heufeld und Kolbermoor zu regeln gehabt, dabei insbesondere den Kreuzungsverkehr von Zügen.

9.15 Uhr: Inzwischen wurde dem Fahrdienstleiter die Handschellen abgenommen. Vorsitzender Richter Erich Fuchs hat den Prozess offiziell eröffnet. Oberstaatsanwalt Jürgen Branz verliest die elfseitige Anklageschrift.  Detailliert ist dort der Hergang des Zugunglücks vom 09. Februar beschrieben. Auch sind die Todesopfer mit ihren Geburtsdaten aufgelistet. Das jüngste Opfer war demnach 25 Jahre alt, das Älteste 60. Diese reichen von Prellungen und Platzwunden, über Gehirnerschütterungen und Brüchen, bis hin zu Schädel-Hirn-Traumata. Der Angeklagte schaut währenddessen nach unten, auf den Tisch vor sich. Es bleibt spannend, ob der Fahrdienstleiter sich zu dem Unglück selbst äußern wird oder ob seine Verteidigung, Rechtsanwältin Ulrike Thole und Rechtsanwalt Thilo Pfordte aus München, eine Erklärung abgibt.

9.07 Uhr: Minutenlang wurde der Angeklagte fotografiert und gefilmt. Alle warten auf den Vorsitzenden Richter Erich Fuchs. Er betritt in diesen Minuten den Gerichtssaal. Der Prozess beginnt.

Das Medieninteresse am Prozess ist enorm.

9.00 Uhr: Inzwischen hat auch der 40-jährige Angeklagte den Gerichtssaal betreten und auf der Anklagebank Platz genommen. Er trägt einen schwarzen Anorak und hat einen Bart. Unsere Reporterin vor Ort teilt mit, er wirke zurückhaltend und klein. Er steht auch nicht unter Bewachung, sondern wird von seinen Rechtsanwälten Ulrike Thole und Thilo Pfordte aus München begleitet.

Thomas Staudinger wurde bei dem Bahnunglück verletzt.

8.55 Uhr:  Über 20 Angehörige von Todesopfern sowie Schwerverletzte werden als Nebenkläger bei dem Prozess dabei sein. Auch viele der insgesamt 89 Verletzten wollen sich die Verhandlung nicht entgehen lassen - so wie Thomas Staudinger (Bild). Er hat sich bei dem Zugunglück die Nase gebrochen und einige Prellungen erlitten. „Ich bin gespannt, wie der Angeklagte aussieht und ob er etwas aussagen wird“, meinte er vor dem Prozessauftakt.

Von dem Zusammenstoß selbst weiß er nur noch, dass die Notbremse bedient wurde und es einen Knall gab: „Man merkt erst einmal gar nichts. Erst als die Leute zu schreien anfingen, hat man realisiert, was passiert ist.“ Der 23-Jährige wisse das Leben jetzt mehr zu schätzen. Vom Prozess erwartet er sich, „dass auch zur Sprache kommt, ob der Fahrdienstleiter der alleinige Schuldige ist.“ 

Staudinger war bei dem Unglück ganz vorne gesessen im Zug. Vom Moment des Aufpralls hatte er nichts mitbekommen.Gefragt, ob er jetzt einen Groll gegen den Fahrdienstleiter hege, meinte er: „Ich habe keine Hassgefühle.“ Er musste sich in Therapie begeben und konnte erst nach vier Monaten wieder einen Zug besteigen.

8.40 Uhr:  In knapp 20 Minuten beginnt der Prozess gegen den Fahrdienstleiter, der Mitte Juli das Zugunglück mit ausgelöst hat. Es sind fast auf den Tag genau neun Monate seit zwei Züge bei Bad Aibling ineinander rasten. Es war Faschingsdienstag, der 9. Februar, exakt 6.47 Uhr, als das Unglück geschah: Zwölf Menschen starben dabei , 89 wurden verletzt.

Prozessauftakt gegen den Fahrdienstleiter in Traunstein

Viele Hinterbliebene und Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling werden mit einem mulmigen Gefühl zum Prozess kommen. Im Sitzungssaal dürften die Erinnerungen an das Unglück mit zwölf Toten aufleben. Prozessbeginn ist um 9 Uhr.

Vorbericht:

Beim Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge auf eingleisiger Strecke waren am 9. Februar in Bad Aibling zwölf Menschen ums Leben gekommen. 89 Insassen wurden verletzt. Mitte Juli erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Fahrdienstleiter. Ihm wird fahrlässige Tötung in zwölf Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 89 Fällen vorgeworfen.

Handyspiel über längere Zeit gespielt

Der Fahrdienstleiter, der am Unglückstag den Zugverkehr auf der eingleisigen Strecke zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Heufeld zu regeln hatte, dabei insbesondere den Kreuzungsverkehr von sich begegnenden Zügen, soll über längere Zeit durch ein Online-Computerspiel von dessen Arbeit abgelenkt gewesen sein. Das spielen von Handyspielen ist laut Dienstanweisung verboten.

Falsche Annahme, die Züge sollten sich in Bad Aibling kreuzen

Der Fahrdienstleiter soll nach Überzeugung der Anklagebehörde der Meinung gewesen sein, dass beide Züge in Bad Aibling kreuzen sollten. Laut Fahrplan jedoch in Kolbermoor. In Folge dessen soll er dem aus Rosenheim kommenden Zug das Signal für freie Einfahrt in den Bahnhof Kolbermoor und gleichzeitig freie Ausfahrt in Richtung Bad Aibling gegeben haben. Dem Gegenzug aus Richtung Holzkirchen soll er durch zweimalige Betätigung des Sondersignals Zs 1 freie Fahrt für die Ausfahrt aus den Bahnhöfen Bad Aibling und Bad Aibling Kurpark gegeben haben. Technische Schutzvorrichtungen soll er dadurch außer Funktion gesetzt haben.

Falsche Taste für den Notruf

Nachdem der Angeklagte bemerkt hatte, dass er beiden Zügen auf eingleisiger Strecke freie Fahrt gegeben hatte, soll er zwei Notrufe über das Mobilfunknetz der Bahn abgegeben haben. Die Notrufe konnten die Triebfahrzeugführer jedoch nicht erreichen, da der Angeschuldigte eine fasche Taste drückte. Die Notrufe waren nur für das Streckenpersonal zu hören. Die Kollision hätte nach Überzeugung der Saatsanwaltschaft vermieden werden können, wenn der erste Notruf richtig abgesetzt worden wäre. Der zweite Notruf wurde abgesetzt, nachdem die Züge bereits kollidiert waren.

Da sich die beiden Züge in einer Kurve befanden, bestand erst im letzten Moment Sichtkontakt der beiden Lockführer. Eine eingeleitete Schnellbremsung beider Triebwerkführer konnte die Kollision jedoch nicht mehr verhindern.

Die öffentliche Hauptverhandlung beginnt am Donnerstag, den 10. November um neun Uhr im Sitzungssaal B33 im Landgericht Traunstein.

***Wir berichten für Sie live aus dem Gerichtssaal***

Folgender Ablauf für die Verhandlung ist geplant

  • Donnerstag, 10. November: Einlassung des Angeklagten; zwei Polizeibeamten als Zeugen.
  • Montag, 14. November: 10 Zeugen, überwiegend Personen, die bei der Bahn tätig sind. Zudem: Ein Zeuge der Handyspielefirma.
  • Montag, 14. und Montag, 21. November: Ein Sachverständiger zur Funksituation auf dem Streckenabschnitt, an dem es zum Unfall kam.
  • Montag, 21. November: Rechtsmedizin und technischer Sachverständiger.
  • Montag, 28. November: IT- und neuropsychologischer Sachverständiger.

Aus den Archiv

Schweres Zugunglück in Oberbayern

Fotos vom Stellwerk Bad Aibling

Quelle: chiemgau24.de

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