Missbrauchsprozess gegen 49-Jährigen Bruckmühler

Widersprüche in der Aussageentwicklung des Angeklagten

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Traunstein/Bruckmühl - Am Freitag musste sich am zweiten Prozesstag ein 49-Jähriger wegen schwerem sexuellem Missbrauch von Kindern vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Traunstein verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 49-jährigen Angeklagten vor, seine damals 10-jährige Stieftochter ab etwa September 2011 über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren sexuell schwer missbraucht zu haben.

Die Entwicklungen des zweiten Verhandlungstages

Bei der Fortsetzung des Prozesses am Freitag wurde der Arztbericht des Heckscher-Klinikum Rosenheim über die Geschädigte verlesen. Das Mädchen wurde dort 2014 zwei Monate lang behandelt. Laut Bericht wurden bei der Geschädigten unter anderem ernsthafte soziale Beeinträchtigungen diagnostiziert. Auch die Mutter habe laut Bericht zu dieser Zeit durch die Situation sehr belastet gewirkt.

Die Rechtsvertreterin der Geschädigten, Manuela Denneborg, berichtete, dass es dem Mädchen aktuell deutlich besser gehe. Sie sei in einer Pflegefamilie untergebracht und mache auf die Rechtsanwältin einen relativ guten, stabilisierten Eindruck. Nur alles was mit dem Prozess zu tun hat, finde sie "zum Kotzen". "Sie versucht die Taten zu verdrängen, um ein normales Leben einer 15-Jährigen führen zu können", so Denneborg. "Für sie wäre es ein befreiendes Gefühl, wenn der Angeklagte bestraft werden würde." Wie hoch die Strafe ausfallen solle sei ihr egal, eine Geldstrafe fände sie jedoch zu wenig.

Widersprüche in der Aussageentwicklung

Im weiteren Verlauf der Verhandlung verlas der vorsitzende Richter Dr. Klaus Weidmann die Protokolle der Vernehmung des Angeklagten durch die Polizei am 18. September 2014 und der Ermittlungsrichterlichen Vernehmung des Angeklagten am 27. Mai 2016. Hierbei ließen sich deutliche Widersprüche in der Aussageentwicklung erkennen. Gab der Angeklagte bei der polizeilichen Vernehmung 2014 an, das Mädchen nur über einen Zeitraum von zwei Monaten missbraucht zu haben, räumte er 2016 schließlich ein, mehr Handlungen über einen längeren Zeitraum an der Geschädigten vorgenommen zu haben. "Ich will mich nicht rausreden, ich habe Mist gebaut", äußerte er bei der richterlichen Vernehmung im Mai. Bei seiner Aussage am ersten Verhandlungstag ruderte der Angeklagte wieder ein wenig zurück und spielte Häufigkeit und Intensität der Anklagevorwürfe herunter.

"Sucht die Schuld bei Anderen"

Der Angeklagte gab die Tatvorwürfe zu, könne die Häufigkeit der Aussagen der Geschädigten aber nicht bestätigen. Staatsanwältin Dr. Kerstin Spiess sehe beim Angeklagten starke Tendenzen, die Schuld bei anderen, z.B. der Mutter oder dem Alkohol zu suchen. Er sehe sich ihrer Meinung nach in der Opferrolle. 

Staatsanwaltschaft bereit auf Angeklagten zugehen

Richter Dr. Weidmann äußerte das Gefühl, man habe hier ein 10% Geständnis oder sogar weniger. Die Staatsanwaltschaft sei bereit, auf den Angeklagten einen Schritt zu zu gehen und die Anzahl der Fälle auf 120 zu reduzieren, zwölf davon schwerer sexueller Missbrauch, wenn er dafür die Verantwortung übernehme. Leichtere Delikte können laut Weidmann ausgeklammert werden. 

Nachdem sich der Angeklagte mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Grabmann, dazu beraten hatte, tätigte er auch am Freitag die Aussage, dass er die Taten in diesem Umfang nicht einräumen könne

Fortsetzung der Verhandlung

Für den Prozess sind vorerst zwei weitere Verhandlungstage unter Ausschluss der Öffentlichkeit angesetzt:

  • Mittwoch, 14. September, 13 Uhr: Aussage der Mutter und Bericht der Sachverständigen
  • Freitag, 16. September, 9 Uhr

Quelle: chiemgau24.de

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