Trostberger JuZ vor Problemen

Ist die Jugend nur noch am "Zocken" und "Chillen"?

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Rechts im Bild: Der Eingang zum JuZ Trostberg.

Trostberg - "Wie kann man die Jugend in ein Jugendzentrum kriegen?" - das ist eine der zentralen Fragen von JuZ-Leiter Dietmar Spitzera. Das Problem: Immer mehr sitzen zuhause und spielen am PC.

"Es wäre furchtbar, wenn wir die jungen Leute nur noch mit einer X-Box herlocken könnten", so Dietmar Spitzera. Mit "Händen und Füßen" wehrt er sich dagegen, dass das Jugendzentrum in Trostberg zu einer "Zocker-JuZ" verkommt, wie er sagt. Spitzera leitet das JuZ und weiß, wie die jungen Leute ticken.

Eine großangelegte Umfrage an den Trostberger Schulen hat er durchgeführt. Das Ergebnis: 90 Prozent der Buben gaben "zocken" als Hobby an. Bei den Mädels sei es dagegen vielschichtiger. "Bei manchen Buben hat das schon Suchttendenzen", sagt Spitzera: "Wenn einer zwei Wochen nicht mehr bei uns war und dann plötzlich wieder auftaucht, weiß ich schon, er konnte sich wieder nicht mehr losreißen."

Auch Streitkultur will gelernt sein

Ein Stamm von rund 25 Jugendlichen ist es, der regelmäßig ins Trostberger JuZ kommt. Zwischen zwölf und 16 Jahre alt sind die meisten, der Großteil Buben. Nicht alle seien die besten Freunde, aber das müsse auch nicht sein: "Wichtig ist die Gemeinschaft, und dass man zusammen etwas macht", so der JuZ-Leiter. Bei den Jüngeren würde es immer schwerer, sie zu Aktivitäten zu bewegen. Und trotzdem: "Wenn sie einmal dabei waren, wird das ein Selbstläufer und machen bei fast allem mit."

Radltouren, Hüttenwochenenden im Zillertal, Sport, Thermenbesuche in Erding - diese "erlebnispädagogischen Maßnahmen", wie er sagt, seien die Highlights im JuZ. Die jungen Leute lernen dort nicht nur Gemeinschaft und Zusammenhalt kennen, sondern auch eine Art Streitkultur: "Heute streitet man ja eher über Whatsapp", und im Elternhaus würde kaum mehr richtige Kommunikation stattfinden. 

Jugendzentrum als Ersatz-Elternhaus

"Wir schaffen es sehr schnell, dass sich die Jugendlichen bei uns ernst genommen fühlen und uns ihre Probleme anvertrauen", so Dietmar Spitzera, dessen Jugenzentrum auch eine Art Ersatz-Elternhaus ist. Nur: Viele wüssten gar nicht, dass es in Trostberg so eine Einrichtung gäbe. Daher will er künftig zu Schulbeginn in alle 7. Klassen gehen und sich und seine Einrichtung vorstellen. 

Ein Fitnessraum wird gerade eingerichtet, es wird viel gemeinsam gekocht und gegessen. Und der JuZ-Leiter weiß auch: "Viele wollen bei uns in erster Linie 'chillen' - ancheinend spielt Ruhe und Entspannung auch in diesem Alter schon eine große Rolle." Der Leistungsdruck in der Schule wird auch bei den zwölf- bis 16-Jährigen schon deutlich spürbar. Bei den Stammgästen im Jugendzentrum kommt das Programm gut an, viele würden sich auch längere Öffnungszeiten wünschen. Für Spitzera ein gutes Zeichen: Noch schafft er es auch ohne X-Box, die Jugend in seinen Laden zu locken.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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