Schleierfahndern entgeht nichts

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Piding - In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben Beamte der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein in Piding einen bulgarischen Staatsangehörigen kontrolliert und einen großen Fang gemacht.

Im Auto des Bulgaren fanden sie 131 antike Münzen (nach eigenen Angaben aus der byzantinischen Zeit). Bei der weiteren intensiven Durchsuchung des Pkw`s, wurden, versteckt im Motorraum des Mietfahrzeuges, weitere 733 antike Münzen und eine vermutlich kleine antike Vase aus dem gleichen Zeitraum, gefunden.

Der Bulgare gab bei der Befragung an, dass er die Sachen ordnungsgemäß in Deutschland erworben hätte; einen Eigentumsnachweis oder Kaufbeleg konnte er den Beamten jedoch nicht vorlegen. Zur Aufklärung des Sachverhalts wurden die Gegenstände mit Einverständnis des Betroffenen sichergestellt. Die weiteren Ermittlungen hinsichtlich des Sammler- und Verkaufswertes der Gegenstände bzw. der Herkunft laufen noch.

Mit suspekten Geschichten haben es die Schleierfahnder zum Teil zu tun. Als ich die Polizeiinspektion Fahndung Traunstein in Piding - das Zuhause der Schleierfahnder - am Mittwoch betrete, sind Beamte in der Fahrzeughalle dabei, ein Auto einer Bulgarin zu durchsuchen. Doch auch der angeforderte Drogenhund findet keine Betäubungsmittel.

"Eine komplette Durchsuchung dauert 15 Minuten"

Die Beamten gehen bei der Durchsuchung routiniert vor. "Eine komplette Untersuchung dauert 15 Minuten", verraten sie mir. Mit Hilfe einer speziellen Kamera können sie hinter die Verkleidung schauen. Am Anfang eines langen Schlauches ist die Linse angebracht, am Ende ein kleiner Monitor.

Ohne Technik geht es also auch bei den Fahndern nicht mehr. Das merke ich, als wir in das zivilie Fahndungsauto steigen. Ein kleines Blaulicht unten in der Mitte der Frontscheibe, das große vor den Füßen des Beifahrers, um es schnell auf das Dach setzen zu können. In der Mittelkonsole sind außerdem das Funkgerät und das bekannte Schild, das hinten am Heckfenster auftaucht "Stop - Polizei - bitte folgen", angeschlossen.

"Stop - Polizei"

Die Beamten fahren ihre angestammte Route. Kaum stehen wir beim Grenzübergang Walserberg fällt ihnen schon das erste Auto auf. Gang rein und hinterher heißt es dann. Vor der Ausfahrt Piding Nord blinkt schon "Bitte folgen, Polizei" auf und ein Beamter winkt mit der Kelle aus dem Fenster.

Dieser Bus durfte ohne Kontrolle weiterfahren. Der Verdacht der Fahnder hat sich nicht bestätigt.

Die beiden Albaner haben gültige Papiere und auch im Auto kann nichts gefunden werden, also dürfen sie weiterfahren. "In einer von 20 Kontrollen sind wir erfolgreich", schätzt Polizeidirektor Walter Buggisch. Das ist nicht zuletzt auf das geschulte Auge und die Erfahrung der Fahnder zurückzuführen. "Es gibt einerseits aktuelle Fahndungen bei denen die Beamten ein gutes Gedächtnis brauchen, um sich Kennzeichen, Fahrzeuge oder Personen zu merken. Andererseits gibt es bestimmte Fahndungsraster, die ich hier leider nicht näher ausführen kann", lächelt der Leiter der PI Fahndung Traunstein verschmitzt.

"Man muss entsprechende Erfolge vorweisen"

Doch genau diese Fahndungsraster und die Erfahrung machen den Beruf des Fahnders innerhalb der Polizei so beliebt. "Man muss ein Faible dafür haben, braucht einen Jagdinstinkt", versucht Buggisch die Auswahl zu beschreiben. "Vor allem bei jungen Kollegen ist die Arbeit sehr gefragt. Man ist relativ frei in der Arbeit, muss aber entsprechende Erfolge vorweisen."

Erfolg haben die Schleierfahnder, die an der A8 im Grenzbereich zu Österreich für die Überwachung der Verkehrswege (Autobahn, Schiene, Bundesstraße) zuständig sind und dafür, die Kriminalität, die die Grenze überschreitet, zu bekämpfen. "Wir sind eine wichtige Komponente für die innere Sicherheit in Europa, Deutschland und Bayern", ist sich Buggisch sicher. "Die Verbrecher fahren oft auch nur durch Deutschland ins Ausland." Spätestens am Walserberg ist dann aber Schluss, wenn sie ins Visier der Schleierfahnder geraten. Die sind nämlich 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr im Einsatz, um - natürlich im Schichtbetrieb - Bayern, Deutschland und Europa sicherer zu machen.

Christine Zigon

Rubriklistenbild: © cz

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