Bayerisches Landeskriminalamt

V-Mann-Affäre: LKA-Beamter forschte Nachbarn aus

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Nürnberg - Die V-Mann-Affäre beim bayerischen Landeskriminalamt ist pikant: Einer der verdächtigten Beamten soll regelmäßig die Polizeidatenbank nach seinem Heimatort abgesucht und so seine Nachbarn ausgeforscht haben.

Ein Blick in die Polizeidatenbank kann durchaus interessant sein. Was ist in meinem Wohnort los? Wie viele meiner Nachbarn haben eigentlich einen Waffenschein? Und gegen wen laufen Ermittlungen? Zugriff auf diese Informationen haben eigentlich nur Beamte, die in einem konkreten Fall ermitteln. Ein LKA-Beamter aus Unterfranken soll dies jedoch nicht ganz so genau genommen haben.

Regelmäßig fragte der 50-Jährige, der auch als Gemeinderat und Vorsitzender des Sportvereins tätig war, laut einer Ermittlungsakte alle polizeilichen Daten und Vorgänge zu seinem Wohnort im Landkreis Kitzingen ab - bis in die 1990er-Jahre zurück.

Herausgekommen ist dies bei der polizeilichen Ermittlung zur sogenannten V-Mann-Affäre beim bayerischen Landeskriminalamt (LKA). Besagter Beamter war ein V-Mann-Führer. Er betreute einen bei der Rockergruppe „Bandidos“ eingeschleusten Polizei-Spitzel. Diese „Vertrauensperson“ sollte dem Beamten Informationen über Straftaten der Rocker liefern. Die Ermittler hätten daraufhin einschreiten müssen. Denn Polizisten sind rechtlich verpflichtet, Straftaten anzuzeigen. Sonst machen sie sich selbst strafbar. Stattdessen sollen mehrere LKA-Beamte die kriminellen Machenschaften der Rocker aber verdeckt und sogar unterstützt haben.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ermittelt daher inzwischen gegen ein halbes Dutzend Beamte - darunter sind zwei Kriminaldirektoren der LKA-Führungsebene und der 50 Jahre alte V-Mann-Führer. Es geht um den Verdacht der Strafvereitelung im Amt.

In der Ermittlungsakte, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, geht es vorwiegend um die V-Mann-Geschichte. Aber die Akte enthält auch weitere pikante Details.

So stellt die Polizei „eine Vielzahl von Verstößen“ des 50-jährigen LKA-Mannes gegen das bayerische Datenschutzgesetz fest. Immer wieder fragte er demnach die Daten der Dorfbewohner über das Computersystem ab. Und er speicherte die Erkenntnisse zu seinen Nachbarn auf CD. Die Polizei fand bei ihm Dokumente mit Straßennamen und Personendaten sowie dem Zusatz: „53 Personen mit waffenrechtlicher Erlaubnis“. Die Daten dürften laut der Ermittlungsakte aus den Jahren 1997 und 1998 sowie 2003 und 2008 stammen. Daher seien diese Fälle verjährt.

Im Jahr 2013 folgte eine weitere Datenabfrage. Dabei ging es um den Schwager des LKA-Mannes, den das Finanzamt suchte. Diese Datenabfrage sei „unrechtmäßig“ gewesen, weil der 50-Jährige „weder örtlich noch sachlich zuständig war“, heißt es in der Akte.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu den laufenden Ermittlungen nicht äußern. Ganz generell sagte eine Sprecherin, der Polizei seien Datenabfragen „nur für dienstliche Zwecke“ erlaubt. Will heißen: Nicht jeder Polizist darf ins Blaue hinein Daten abfragen. Dies ist in Artikel 37 des Bayerischen Datenschutzgesetzes geregelt.

Im Internet ist die Empörung über den „James Bond“ genannten LKA-Mann groß. „Was sagen eigentlich die örtlichen Vertreter der Gemeinde zu solchen Vorwürfen?“, fragt ein Leser auf der Seite der „Mainpost“. „Hat man vielleicht die beim LKA gespeicherten Daten dazu benutzt, um politischen Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen?“ Die Frau des inzwischen suspendierten LKA-Beamten ist CSU-Abgeordnete. „Unabhängig von der V-Mann Affäre tun sich in dem beschaulichen Weinort am Fuß des Steigerwaldes gewaltige Tiefen auf“, schreibt der Leser weiter.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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