Totschlag in Rosenheim

Zeuge: "Miro B. hat geröchelt und ist dann tot umgefallen!"

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Traunstein/Rosenheim - Knapp ein Jahr nach dem Tod von Miro B. begann am Vormittag der Prozess gegen eine 34-jährige Frau. Am frühen Nachmittag sagte der einzige Augenzeuge aus:

UPDATE, 15.15 Uhr: Zeuge schildert Tatablauf

Der Ex-Freund der Angeklagten machte am frühen Nachmittag seine Aussage. Er war als einziger Zeuge am Tatabend dabei. Der heute 39-Jährige gab an, dass seine damalige Freundin einiges getrunken und Tabletten genommen hatte: "Sie war so dicht, dass sie nach der Tat die Treppen heruntergefallen ist."

Sie sei "streitsüchtig" und "unberechenbar" gewesen, wenn sie unter Drogen stand. Daher auch nicht überraschend, dass auch am Tatabend alles mit einem Streit zwischen der Angeklagten und dem späteren Opfer Miro B. begann. "Sie hat erzählt, wie B. ihre Wäsche zwei Tage zuvor aus dem Fenster geschmissen hat." Danach habe sie eine Tasse nach ihm geworfen, weil statt Wodka Wasser darin gewesen sei. "Danach wurde es wieder ruhig und sie hat sich dann neben ihn auf die Couch gesetzt." Er selbst sei auf dem Bett gesessen, um Zigaretten zu drehen.

Dass sie wieder aufgestanden ist, habe er nicht mitbekommen. "Als ich dann wieder aufgeschaut habe, war sie noch einen Schritt von ihm entfernt, hat sich mit einem Fuß auf die Couch gekniet und mit dem Messer ausgeholt. Und dann ist es passiert!" B. sei danach noch einmal aufgestanden, "hat kurz geröchelt und ist dann tot umgefallen".

Die Angeklagte habe dann noch in der Wohnung schlafen wollen. "Aber ich habe zu ihr gesagt: 'Bist du noch ganz dicht?'" Der 39-Jährige habe anschließend die Polizei rufen wollen. Aber die Angeklagte habe ihm angedroht, dass sie ihn mitnehme würde in den Knast: "Ich habe das dann gelassen."

Für heute ist die Berichterstattung aus dem Gerichtssaal beendet

UPDATE, 12.05 Uhr: Spurensicherer bestätigt DNA-Fund

Auch der Spurensicherer am Tatort bestätigte, dass DNA der Angeklagten an der Kleidung des Opfers gefunden wurde. Für den Vormittag sind die Vernehmungen nun beendet. Um 14 Uhr geht es weiter mit der Aussage des Augenzeugen, der ebenfalls bei der Tat anwesend war. Auf seine Einlassung stützt sich größtenteils die Anklage gegen die 34-Jährige.

UPDATE, 11.45 Uhr: Zweiter Ermittler belastet Angeklagte

Auch der zweite Ermittlungsbeamte erhärtete den Verdacht gegen die 34-Jährige. In einem Gespräch bei der Überführung der Angeklagten habe sie zu ihm gesagt, dass sie "das Messer reingerammt hat. Dabei hat sie auf die linke Schulter gezeigt." Zu den Hintergründen oder dem Motiv habe sie aber in der förmlichen Vernehmung anschließend keine Angaben mehr gemacht.

UPDATE, 11.15 Uhr: Staatsanwalt stützt Ermittler

Staatsanwalt Dr. Oliver Mößner hielt der Angeklagten und dem Beamten anschließend noch ihre polizeiliche Aussage vor: "Die Augen des 59-Jährigen waren halb offen und der Blick war komisch, haben sie ausgesagt. Nach dem Messereinsatz lag das Opfer am Boden. Ich habe den Eindruck, dass sie sich immer auf Erinnerungslücken beruft, wenn das Messer zur Sprache kommt. Aber sonst kann sie schon genaue Angaben machen."

Der Polizeibeamte pflichtete dem bei: "Diesen Eindruck haben wir auch gehabt." Die Angeklagte wollte sich dazu nicht äußern.

UPDATE, 10.50 Uhr: Ermittler "kontert" Richter

Richter Erich Fuchs brachte am Ende der Vernehmung des Polizisten noch die berechtigte Frage auf: "Wäre es nicht auch möglich, dass der Augenzeuge, der an dem Abend dabei war, selbst die Tat begangen hat und sie nun der besoffenen 34-Jährigen in die Schuhe schiebt?" Doch der Ermittler konnte das weitgehend ausschließen. "Der Zeuge hat einen relativ besonnenen Eindruck gemacht. Außerdem wird die Angeklagte als jähzornig beschrieben. Sie soll regelmäßig "ausgetickt" sein und auch schon andere Leute mit einem Messer angegriffen haben." Aufgrund ihrer Vorgeschichte passe die Tat also mehr zu ihr.

UPDATE 10.30 Uhr: Polizist schildert Ermittlungen

Einer der Ermittler machte am Vormittag seine Aussage. Demnach habe man an der Klinge der mutmaßlichen Tatwaffe - einem Küchenmesser - Blutspuren des Opfers gefunden. Zudem seien DNA-Spuren der Angeklagten und des Toten am Griff nachgewiesen worden.

Durch die Vernehmungen der Zeugen habe man zudem versucht, die Hintergründe der Tat zu klären: Die Angeklagte habe demnach schon einige Tage bei dem 59-Jährigen übernachtet. Zu dem Streit sei es gekommen, weil er sie sexuell belästigt habe. "Ein Zeuge hat zudem ausgesagt, dass der Getötete der 34-Jährigen kurz zuvor eine Tasse mit Wodka angeboten hat. Doch darin ist nur Wasser gewesen." Sie habe daraufhin die Tasse nach ihm geworfen, weil er sie so "verarscht" habe. Danach sei sie zum Tisch gegangen, habe sich das Küchenmesser genommen und es dem Opfer in den Brustkorb gestochen. So habe es ein Augenzeuge dem Ermittler berichtet.

UPDATE 9.32 Uhr: Angeklagte lässt Erklärung verlesen

Die Angeklagte weigerte sich am ersten Prozesstag, selbst Angaben zur Tat zu machen. Lediglich durch ihren Verteidiger, Dr. Markus Frank, ließ sie eine Erklärung verlesen. Demnach könne sie sich nicht an den Abend der Tat erinnern. Grund dafür sei ihr Alkohol- und Tablettenkonsum gewesen. "Sie wollte das Opfer aber nicht umbringen", so der Anwalt.

Der Vorsitzende Richter Erich Fuchs sah aber in dieser Erklärung einen gewissen Widerspruch verborgen: "Wenn sie keine Erinnerung an die Tat hat, woher weiß sie dann, dass sie ihn nicht töten wollte?" Der Verteidiger erwiderte: "Davon geht sie aus." Nun geht es auch direkt in die Beweisaufnahme.

Vorbericht:

Ende Oktober 2014 wurde Miro B. in seiner Wohnung in Rosenheim getötet, jetzt steht eine 34-jährige Frau aus seinem privaten Umfeld vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft in Traunstein legt der Rosenheimerin Totschlag zur Last. Die Verhandlung vor der 5. Strafkammer beginnt am Dienstag, 13. Oktober um 9 Uhr.

Nach umfassenden Ermittlungen, die bereits unmittelbar nach der Tat im vergangenen Jahr durch die Ermittlergruppe "Miro" der Rosenheimer Kriminalpolizei begonnen hatten, konnte bereits im November vergangenen Jahres eine Frau aus dem näheren Umfeld des Opfers festgenommen werden.

Lesen Sie dazu:

- Ermittlungen laufen auf Hochtouren

- Neue Erkenntnisse im Fall Miro B.

- 33-Jährige verhaftet

- Die Tatverdächtige schweigt

Die Staatsanwaltschaft in Traunstein geht davon aus, dass sich das Opfer und die vermeintliche Täterin, zusammen mit einem Zeugen, am Nachmittag der Tat in der Wohnung des gebürtigen Kroaten in Rosenheim aufhielten. Im Zuge eines Streitgespräch sei die Situation zwischen den beiden schließlich eskaliert.
Die heute 34-Jährige soll dabei mit einem Messer auf den wehrlosen Mann eingestochen haben und ihm derart schwere Verletzungen zugefügt haben, dass dieser noch an Ort und Stelle verstarb. Den anwesenden Zeugen soll die Angeklagte dann sogar noch daran gehindert haben, den Rettungswagen zu alarmieren.

Die aktuellen Entwicklungen aus dem Gerichtssaal

chiemgau24.de ist zum Verhandlungsbeginn gegen die 34-jährige Rosenheimerin im Gerichtssaal und berichtet in Ausschnitten vom Prozess.

Quelle: chiemgau24.de

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