Einschätzung des Altöttinger Veterinäramts

Vogelgrippe: "Kein Grund zur Hysterie"

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Im Januar mussten in Hong Kong wegen der Vogelgrippe in einem einzigen Betrieb 20.000 Hühner getötet werden. Auch in Europa gab es inzwischen Fälle von Vogelgrippe. Bayern blieb bislang jedoch verschont.
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Altötting - Bayern ist von der Vogelgrippe bislang verschont geblieben. Nach Einschätzung des Veterinäramts könnte die Krankheit aber nicht auf Norddeutschland begrenzt bleiben.

Nach mehreren Vogelgrippefällen in Europa - zwei davon in Mecklenburg-Vorpommern - sind die Behörden in Deutschland in Alarmbereitschaft. In Mecklenburg-Vorpommern sowie in einzelnen Regionen weiterer Bundesländer gibt es gibt es bereits eine Stallpflicht. In Bayern ist dies noch nicht der Fall, die Landesregierung hat aber einen Koordinierungskreis eingerichtet.

Wildvogelmonitoring könnte wieder starten

H5N8:

Das Influenza-Virus des Typs H5N8 war bisher vor allem aus Südkorea bekannt. Dort wurden seit Anfang 2014 wegen des Virus zwölf Millionen Tiere getötet. Auch bei Wildvögeln ist das Virus in Südkorea beobachtet worden.

Ob auch in Bayern Vögel am Influenza-Virus des Typs H5N8 erkranken, lässt sich gegenwärtig nur schwer vorhersagen. Weil in Mecklenburg-Vorpommern das Virus vor wenigen Tagen europaweit erstmals im Körper eines Wildvogels - einer Krickente - nachgewiesen wurde, scheint die Wahrscheinlichkeit von Krankheitsfällen in ganz Deutschland zu steigen. Krickenten sind Zugvögel und legen bis zu 8000 Kilometer zurück. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich - inklusive Winterquartiere - praktisch auf ganz Europa und Nordasien sowie Teile Nordafrikas, Indiens und Südostasiens. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass das Virus nicht auf Norddeutschland begrenzt bleibt", sagt Dr. Michael Beck, Leiter des Altöttinger Veterinäramts. Wildvögel hätten eben bestimmte Flugrichtungen. Wie Beck erklärt, gebe es auch in der Krankheitsverbreitung eine Globalisierung. Ebola etwa sei ja auch nicht mehr auf Afrika begrenzt.

In der Region werden wegen der Vogelgrippefälle in Norddeutschland aktuell noch keine besonderen Maßnahmen durchgeführt. Wie der Veterinäramtsleiter erläutert, würde im Landkreis Altötting bei Geflügelbetrieben ohnehin schon regelmäßig eine bestimmte Stichprobe kontrolliert. Nach der letzten Vogelgrippewelle 2005 gab es zudem ein Wildvogelmonitoring. Damals wurden zur Beprobung gezielt Wildvögel geschossen. Laut Beck sei das Monitoringprogramm letztes Jahr eingestellt worden. "Aber ich gehe davon aus, dass das wieder aufgelegt wird. Einfach, um eine gewisse Stichprobe zu haben, wie groß das Risiko bei den Wildvögeln ist."

Kommt eine Stallpflicht in Bayern?

Auch eine Stallpflicht könnte in Bayern - ebenfalls wie schon 2005 - kommen. "Momentan sehe ich in Bayern noch keine Notwendigkeit für eine Stallpflicht", sagt Beck, räumt zugleich jedoch ein: "Aber wenn sich das Problem weiter ausbreitet, werden wir um eine Stallpflicht nicht drum herum kommen." Grundsätzlich sieht der Veterinäramtsleiter eine Stallpflicht kritisch, weil diese schwierig umzusetzen sei. "Die Masthähnchen sind sowieso alle im Stall. Wen trifft diese Stallpflicht? Es trifft die kleinen Betriebe. Die, wo die Vögel ins Freie raus können. Oder auch die Mäster von Enten und Gänsen", so Beck. Gerade jetzt zur Martins- und Weihnachtszeit würden viele Enten und Gänse gemästet. Diese seien auf Weiden untergebracht, und großflächige Weiden könne man nicht überdachen. "Da müsste man der Tiere enger zusammenpferchen", sagt Beck.

Erfahrungsgemäß würden die Betriebe aber mitwirken, um die Anforderungen zu erfüllen. "Dann werden Planen aufgezogen, Plastikplanen, das haben wir alles schon gehabt. Dann kommt der erste Windstoß und schon reißt es die Planen um." Eine optimale Lösung gibt es in Becks Augen nicht. "Mit aller Stallpflicht sind dann immer noch die Wildtiere da und Sie können keinen Stall so hermetisch abriegeln, dass keine Eintragsmöglichkeit mehr da wäre." Grundsätzlich bleibe zu hoffen, dass der Erreger doch nicht so aggressiv ist und dass er nicht so häufig verbreitet ist. 2005 sei dies ähnlich gewesen. "Dort hat es einige Ausbrüche gegeben, die Situation hat sich aber relativ schnell wieder beruhigt." Über eine Stallpflicht entscheiden letztlich aber ohnehin die Bundesländer. "Wir warten jetzt auch noch ab, was von der großen Politik entschieden wird", so Beck.

"Vor der normalen Influenza hat keiner Angst"

Am heutigen Mittwoch hat das Siegfried-Löffler-Institut eine "Risikobewertung zur Geflügelpest" vorgelegt. Darin bewertet das FLI das Risiko einer Einschleppung der Vogelgrippe nach Deutschland sowie den Eintrag des bereits im Land aufgetretenen Geflügelpestvirus H5N8 in Geflügelbestände durch Wildvögel als hoch. Das Institut empfiehlt deshalb, in Regionen mit hoher Wildvogeldichte oder in der Nähe von Wildvogelrastplätze die Stallpflicht anzuordnen. Außerdem rät das Institut, das Wildvogelmonitoring zu verstärken.

Die Gefahr für den Menschen ist jedoch vergleichsweise gering. "Ich hoffe nur eins: Dass nicht wieder eine Hysterie ausbricht. Grund zur Hysterie ist absolut nicht gegeben", betont Beck. "Angeblich sollen an diesem Stamm (H5N8, Anm. d. Red.) Menschen gestorben sein. Angeblich." Grundsätzlich sei H5N8 ein aber ein Virusstamm, der "zunächst einmal" auf Vögel begrenzt sei. Andererseits könnte es durch Mutation relativ einfach passieren, dass der Stamm auch für den Menschen gefährlich wird. "Gerade die Influenzaviren haben eine hohe Mutationsrate", erläutert Beck. Nichtsdestotrotz warnt Beck davor, in Hysterie zu verfallen - auch mit Blick auf die hierzulande unter Menschen verbreitete Grippe, an der jährlich tausende Deutsche erkranken, was aber dennoch nie eine Hysterie auslöst. "Vor der normalen Influenza für Menschen hat kein Mensch Angst."

Quelle: innsalzach24.de

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