Gewalt gegen Frauen im Landkreis Mühldorf

"Das ist das Hochhaus wie der Einödhof, die Stadt wie das Dorf"

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Waldkraiburg - Die Stadtratssitzung am Dienstag begann mit einem wichtigen Thema. Manuela Christ-Gerlsbeck stellte den Verein Frauen helfen Frauen e.V. und dessen Arbeit vor.

3760 Fälle von häuslicher und/oder sexueller Gewalt habe es in den letzten zwölf Monaten im Landkreis Mühldorf gegeben. Diese schockierende Zahl nannte Manuela Christ-Gerlsbeck in der Sitzung des Waldkraiburger Stadtrates am Dienstag. Dort stellte sie den Waldkraiburger Verein Frauen helfen Frauen e.V. vor und berichtete über dessen Arbeit. Sie musste diese Zahl auf Nachfrage noch einmal erläutern. Sie sei „runtergerechnet auf den Landkreis" aus den Zahlen einer EU-Studie. Sie selbst jedoch hoffe, es seien "100 weniger und nicht ein Fall mehr."

Vor allem psychische Gewalt nehme zu

Jede fünfte Frau in Europa sei einmal im Leben Opfer häuslicher oder sexualisierter Gewalt. Die Fälle würden in Zukunft vermutlich noch mehr werden, „durch Überforderung in der Arbeitswelt und der familiären Situation“. Vor allem psychische Gewalt nehme zu. "Der Kühlschrank wird zugekettet, das Handy wird einmal die Woche geschrottet.“ Die Übergriffe würden nicht nur durch Partner in einer Beziehung oder externe Täter geschehen. "Die Taten ereigneten sich vor allem auch im unmittelbaren Umfeld. Am Arbeitsplatz oder in der Freizeit, etwa beim Sport", so Christ-Gerlsbeck. 

Der Verein behandle im Jahr etwa 80 Fälle, "die Betreuung läuft teilweise jahrelang." 29 Prozent der Fälle kamen im vergangenen Jahr aus Waldkraiburg, 19 Prozent aus Mühldorf. „Ich glaube aber nicht, dass das etwas mit der sozialen Struktur zu tun hat. Für Opfer von dort sind wir nur vor allem erreichbar“, erläuterte Christ-Gerlsbeck.

Gesamtgesellschaftliches Phänomen

Auf die Frage, von Stadtrat Frieder Vielsack (UWG) ob es Brennpunkte im Landkreis oder den Städten gäbe, antwortete Christ-Gerlsbeck:„Nein. Das ist das Hochhaus wie der Einödhof, die Stadt wie das Dorf, ein gesamtgesellschaftliches Phänomen.“ Stadträtin Eva Köhr (CSU) mahnte dabei an, dass generell Unterstützung für Initiativen zu diesem Thema vor allem vom Landkreis sowie den Städten Mühldorf und Waldkraiburg getragen würden. 

Andere Gemeinden im Landkreis würden sich dagegen dem Thema verschließen. „Ich tue mir schwer, eingeladen zu werden", gab auch Christl-Gerlsbeck zu. Der Verein würde „ganz klar defizitär finanziert“, Rückendeckung aus der Politik sei extrem wichtig. Zuletzt habe die Debatte um Änderungen des Sexualstrafrechts kurzzeitig für mehr Bewusstsein gesorgt. 

Den schweren Weg, einen Fall zur Anzeige zu bringen müssten Frauen selbst gehen. "Es ist aber wichtig dafür zu sorgen,  dass dann jemand da ist, der ihnen glaubt und sie das auch wissen." 

hs

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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