Wiesn-Schwarzmarkt: 2000 Euro für einen Tisch

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Mit Bildern wie diesem aus dem Hackerzelt preisen Schwarzmarkthändler im Internet ihre völlig überteuerten Wiesn-Reservierungen an.

München - Knapp zwei Wochen vor dem Start der Wiesn, blüht im Internet der Handel mit Tischreservierungen. Bis zu 2160 Euro kostet ein Tisch für zehn Personen derzeit. Die Wirte versuchen zwar die Auktionen zu verhindern, geraten aber trotzdem in die Kritik.

Der virtuelle Hammer fiel um 17 Uhr 14 Minuten und 50 Sekunden. Acht Sekunden zuvor hatte ein Ebay-Nutzer sein erfolgreiches Gebot abgeschickt: 2160 Euro für einen 10-Personen-Tisch am Freitagabend der ersten Oktoberfest-Woche im Hackerzelt. Tatsächlich ist die Reservierung inklusive Verzehrgutscheinen nur 310 Euro Wert. „Keine Garantie, keine Gewährleistung oder Rücknahme schreibt der Verkäufer unter dem Pseudonym „masterar717“. Denn der Handel mit den Reservierungen ist eigentlich verboten.

Die Wiesn-Wirte haben in ihren Geschäftsbedingungen festgeschrieben, dass niemand seine Reservierung ohne schriftliches Einverständnis weitergeben oder gar verkaufen darf. Trotzdem blüht der Schwarzmarkt im Internet. Mit 2160 Euro führt der Tisch im Hackerzelt zwar gerade die Preisliste an, aber allein beim Internet-Auktionshaus Ebay liefen gestern rund 120 Versteigerungen von Reservierungen.

Ein Tisch im Schützenzelt ging bereits für 2020 Euro weg, für zehn sichere Plätze im Schottenhamel war jemand bereit, 1820 Euro zu bezahlen. Insgesamt machten die Verkäufer bei Ebay im vergangenen Monat einen Umsatz von etwa 91 200 Euro mit 153 Wiesn-Reservierungen, die ihren Besitzer wechselten. Und in den vergangenen Jahren stieg die Zahl der Verkäufe in den Tagen unmittelbar vor der Wiesn noch rasant an.

Für die Wiesn-Wirte ist der Handel im Internet ärgerlich. Ihre Zelte geraten in Verruf, obwohl sie nicht an den horrenden Preisen verdienen. „Ich bin stocksauer“, schimpft Wirte-Sprecher Toni Roiderer. In der vergangenen Woche habe er wieder einen besonders ärgerlichen Fall aufgedeckt. Eine „renommierte Münchner Kaufmannsfamilie“ habe ihn noch um zehn Plätze gebeten. „Weil man sich kennt, hab ich das möglich gemacht“, sagt Roiderer. Doch kurz darauf fand er die Reservierung im Internet wieder. Statt der 450 Euro, die die Familie für Verzehrgutscheine bezahlt hatte, sollte der Tisch nun 1450 Euro kosten.

Der Wirt des Hackerzelt verlangte die Gutscheine sofort zurück. Schon drei Verkäufer habe er heuer erwischt. „Die kriegen alle einen Sperrvermerk und bekommen in den nächsten Jahren keine Reservierung mehr“, sagt Roiderer. Er kritisiert aber nicht nur die Verkäufer, sondern auch die Käufer. „Mehr als 2000 Euro für einen Tisch zu bezahlen – ich kann das nur als Dummheit bezeichnen.“

In diesem Punkt ist sich Roiderer mit Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl einig. „Lasst euch nicht für dumm verkaufen“, appelliert sie an die Oktoberfestbesucher. „Das Ganze ist doch ganz klar Abzocke, ein einziger Exzess.“ Ihrer Beobachtung nach habe der Internet-Handel zugenommen. Weishäupl wirft den Wirten aber auch mangelnde Kooperationsbereitschaft beim Kampf gegen den Schwarzmarkt vor. Wie im vergangenen Jahr habe sie die Reservierungsliste von zwei Wirten als Stichprobe überprüfen wollen. So lasse sich feststellen, ob Einzelne große Reservierungen tätigen, die sie dann überteuert weiterverkaufen. Die Wirte des Hacker- und des Schottenhamel-Zelts hätten die Listen aber nur ohne die Namen der Kunden herausgegeben und sich auf den Datenschutz berufen. „Das ist nicht gerade ein tolles Signal“, sagt Weishäupl. Im vergangenen Jahr habe sie die vollständige Liste bekommen.

Roiderer, Wirt des Hackerzelts, sieht keinen Zusammenhang zwischen den Listen und dem Schwarzmarkthandel. „Es gibt den Datenschutz und der gilt auch für Wiesn-Wirte“, sagt Roiderer. Er habe das juristisch prüfen lassen und fühle sich nicht verpflichtet, die Namen herauszugeben.

Auch Christian Schottenhamel sagt, er verlasse sich auf die Aussage von Richard Seifert, Justiziar der Vereinigung Münchner Wiesn-Wirte. „Hier greift der Datenschutz“, ist sich Seifert sicher. „Ein Hotel würde ja auch nicht einfach seine Gästelisten herausgeben.“ Im Internet werde zudem in Relation zur Gesamtzahl der Plätze auf der Wiesn nur mit wenigen Reservierungen gehandelt. Deshalb überwiege das Interesse des Datenschutzes.

Philipp Vetter

Quelle: Oktoberfest live

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