Firma STRASSER kämpft um Tavus Qurban

Anwalt eingeschaltet: "Ich brauche solche Mitarbeiter!"

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Tavus Qurban, Bauhelfer bei Strasser Bauunternehmung GmbH

Winhöring/München - "Wir wissen noch nicht, was dann am Montag ist", sagt Unternehmenssprecherin Simone Schedl. Man werde sich am Donnerstagvormittag zusammensetzen und beraten.

Update 14.15 Uhr:

Damit haben wir alle nicht gerechnet“, sagt Stefan Birnbacher, Geschäftsführer der Strasser Bauunternehmung GmbH aus Winhöring am frühen Donnerstagnachmittag zur großen Resonanz auf die angekündigte Solidaritätsbekundung der gesamten Strasser-Mannschaft gegenüber Tavus Qurban – ihrem Kollegen, dem Mitarbeiter – am Freitag.

Diese Anteilnahme und Empathie ist schön“ aber natürlich verstehe er auch, wenn Menschen in den sozialen Medien mit „Regeln sind Regeln“ o.Ä. entsprechende Beiträge im Netz dazu kommentieren, so Birnbacher. Vom Asylverfahren, insbesondere den Regeln, die zu befolgen sind von Tavus Qurban, habe er im Detail keinen genauen Kenntnisstand.

Über Sinn und Unsinn von selbigen Regeln wolle er auch nicht diskutieren. Sein Thema ist ein anderes: „Es ist schlicht und einfach so, dass ich solch zuverlässige Mitarbeiter brauche“. Ein Dutzend und mehr freie Arbeitsplätze „auf dem Bau“ habe er in diesem Moment sofort anzubieten aber: „Seit Jahren will keiner mehr diese Arbeit machen“, sagt Birnbacher.

Konkurrenten in seiner Branche würden hauptsächlich mit Personal-Verleihern oder Werkverträgen mit Personalfirmen aus Osteuropa arbeiten, „um Spitzen abzudecken“. Er dagegen setze bis auf wenige Ausnahmen auf eigene Mitarbeiter.

Zum weiteren Vorgehen wegen Tavus Qurban und dessen Verbleib in der Firma sagt Stefan Birnbacher, dass Arbeitgeber und Mitarbeiter Qurban nun gewissermaßen gemeinsam Rechtsbeistand gesucht hätten. Ein erstes Anwaltsschreiben sei noch gestern rausgegangen. Tavus Qurban sei nämlich auch in seiner Muttersprache Analphabet und deswegen auf qualifizierte Hilfe in diesen Dingen angewiesen, so auch seine Betreuerin im Interview mit innsalzach24.de.

Am frühen Donnerstagnachmittag stelle sich es so dar: Sein Mitarbeiter Tavus Qurban darf am Dienstag nicht mehr arbeiten. Noch nicht mal in der Nähe der Baustelle dürfe er sich aufhalten. Den angekündigten Fototermin am Freitag in Winhöring mit Tavus Qurban hat die Firma an einen anderen Ort verlegt. „Aus organisatorischen Gründen“, heißt es in einem Schreiben, das innsalzach24.de vorliegt.

Erstmeldung:

Das Schicksal von Tavus Qurban bewegt nicht nur seinen Arbeitgeber. Im Internet wurde sein Foto und die Presseerklärung der Firma Strasser, bei der er bis dato arbeitet, innerhalb kürzester Zeit vielfach geteilt. Auch die User von innsalzach24.de haben das getan und kommentiert.

Die Spanne der Kommentare reicht von Zuspruchsbekundungen für die geplante Solidaritätsaktion bis hin zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Rechte und Pflichten“. Viele sehen es unterm Strich so: "Wer hier arbeitet und Steuern zahlt, liegt dem Staat nicht auf der Tasche".

Als Bauhelfer verdient sich Tavus Qurban seit April 2012 bei der Firma Strasser in Winhöring sein Geld, kann sein Leben inklusive Steuern selbst bestreiten. Als er 2010 nach seiner Flucht aus Afghanistan in Deutschland ankam, hatte er keine gültigen Passdokumente. Weil er gewissen Bringschulden in dieser Sache gegenüber dem Landratsamt Altötting offenbar nicht nachgekommen ist, wurde ihm keine weitere Arbeitserlaubnis erteilt

Aktueller Stand der Dinge: „Wir wissen noch nicht, was dann am Montag ist“, sagt Simone Schedl, Sprecherin der Strasser Bauunternehmung GmbH gegenüber innsalzach24.de am Donnerstagmorgen in einem kurzen Telefonat. Dann nämlich ist der 4. Oktober und damit der erste Arbeitstag im Monat. Dann, so der Stand der Dinge aktuell, darf Tavus Qurban nicht mehr arbeiten. Man werde sich am Vormittag innerbetrieblich zusammensetzen und beraten. „Wir werden weiter mit zuständigen Stellen sprechen“, so Simone Schedl weiter. 

Quelle: innsalzach24.de

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