Zwei Kundgebungen zur Flüchtlingspolitik in Traunreut

Asylkritiker deutlich in der Überzahl

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Traunreut - Insgesamt über 600 Menschen waren am Samstag in Traunreut auf den Beinen. Die Asylkritiker vor dem Rathaus waren dabei in der Überzahl und stellen nun vier Forderungen an die Stadt.

Die ersten größeren Kundgebungen zur Asylpolitik seit dem starken Anstieg der Flüchtlingszahlen 2015 im Landkreis Traunstein blieben ruhig: Etwa zeitgleich um 14 Uhr begannen am Samstag beide Kundgebungen, rund 300 Meter voneinander entfernt. Die asylkritisch Demo vor dem Rathaus und die Gegenkundgebung von "Traunreut bleibt bunt" vor dem Kulturzentrum "k1".

Laut Polizei 450 Menschen vor dem Rathaus

Demo-Organisator Oliver Krogloth.

Zahlenmäßig stärker war die Demonstration am Rathausplatz. Nach Schätzungen der Polizei fanden sich im Laufe des Nachmittags dort rund 450 Menschen zusammen um gegen die derzeitige Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren. Eine ganze Reihe von Menschen sprach auf der kleinen Bühne: Gewarnt wurde vor den Kosten der Einwanderung oder befürchteten Mietsteigerungen.

"Die erwirtschafteten Überschüsse gehören dem deutschen Volk und nicht den Flüchtlingen", betonte ein Redner. Viele derer, die sich ans Mikro wagten, waren aber angereist - beispielsweise auch aus Landshut oder Salzburg. Befürchtet wurde auch eine "Destabilisierung Deutschlands" durch die "Masseneinwanderung und den Bruch von Recht und Gesetz" - dagegen sollten Deutschland und Russland wieder enger kooperieren: "Keiner kann uns verbieten, die Kraft der Völker zu verbinden."

Buh-Rufe für "fünfzigprozentigen Gutmensch"

Auch wenn sich viele Russlanddeutschen am Rathausplatz einfanden, legte man Wert darauf, keine Russlanddeutschen-Demo zu veranstalten: "Wir stehen für Traunreut", so Mitorganisator Arthur März. Schwer hatte es dagegen ein Redner, der die Asylpolitik der Bundesregierung verteidigte und sich als "fünfzigprozentiger Gutmensch" bezeichnete. Am Ende seines kurzen Beitrags hagelte es Buh-Rufe und Pfiffe. Ein Salzburger Redner der rechten "Identitären Bewegung" erhielt dagegen Applaus.

Fotos: Asylkritische Demo in Traunreut

Einmal wurde das "offene Mikro" für Organisator Krogloth aber zum Problem: Ein Redner warnte vor den "etablierten Parteien" in Deutschland und prophezeite "unsere Zukunft liegt rechts". Gleich darauf versuchte der Organisator zu verbessern: "Unsere Zukunft ist der Rechtsstaat." In einem solchen lebe man aber nicht, so Krogloth außerdem: "Sonst müssten wir uns hier heute nicht versammeln."

Demonstranten stellen Forderungen an die Stadt

Organisator Oliver Krogloth richtete am Ende der Kundgebung vier Forderungen an die Stadt: Er forderte keine weiteren Flüchtlingsheime in Traunreut, einen regelmäßig stattfindenden Bürgerdialog, die Unterstützung von Landrat Walch in der Asylpolitik und künftig eine Sicherung des Weges zwischen dem Asylbewerberheim am Volksfestplatz und dem Bosch-Siemens-Werk. Der Hintergrund: Laut Krogloth fürchten einige Traunreuter Übergriffe der Flüchtlinge auf die vielen, bei Bosch-Siemens beschäftigten Frauen.

In seiner Schlussrede betonte Krogloth, dass man in Zukunft öfter auf die Straße gehen wolle: "Das war der Anfang heute." Sollten sich genügend Leute finden, sollte eine künftige AfD-Ortsgruppe Traunreut aber die Organisation übernehmen.

Traunreut als "Stadt der Flüchtlinge"

Simon Schmalzgruber (Die Linke) als Redner bei der Gegenkundgebung.

An die 150 Menschen versammelten sich nach Polizeiangaben dagegen fast in Sichtweite vor dem k1: Zur Kundgebung riefen unter anderem Gewerkschaften, SPD, Friedensinitiative, Grüne und Linkspartei auf. Simon Schmalzgruber (Die Linke) betonte in seiner Rede mit Hinblick auf die junge Geschichte Traunreuts: "Ohne Flüchtlinge und Ausländer wären wir vielleicht noch immer nur eine Rodung an der Traun." Auch Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler und Renate Schunck von der Friedensinitiative sprachen vor dem großen Banner "Grenzen überwinden - gemeinsam."

Schmalzgruber betonte, dass Traunreut immer eine Stadt der Flüchtlinge gewesen sei und dass nicht alle Asylbewerber über einen Kamm geschoren werden dürften: "Ich selbst musste mal eine Schlägerei zwischen zwei Russlanddeutschen in Traunreut schlichten, aber deswegen verurteile ich auch nicht alle." In Hinblick auf den Übergriff in der Silvesternacht in Traunreut meinte Schmalzgruber, dass es unter den Flüchtlingen natürlich auch "Arschlöcher" gäbe.

Fotos: Gegenkundgebung zur asylkritischen Demo in Traunreut

Asylkritiker bliesen Marsch kurzfristig ab

Im Gespräch mit chiemgau24.de betonte Dieter Bezold vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd, dass beide Kundgebungen absolut friedlich verlaufen seien. Gegen 15.30 Uhr lösten sich die Veranstaltungen auf. Auf den ursprünglich geplanten, kurzen Marsch ums Traunreuter Rathaus verzichteten die Asylkritiker aber schließlich. Organisator Oliver Krogloth verwies im Gespräch darauf, keine möglichen Blockaden durch Gegendemonstranten haben zu wollen. "Das war eine Entscheidung des Veranstalters, von der Polizei wäre der Marsch ermöglicht worden", so Polizeisprecher Bezold.

xe

Quelle: chiemgau24.de

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