Zweiter Verhandlungstag

Todesfall Marco G.: Das Urteil ist gefallen!

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Der Angeklagte muss für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.
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Traunstein - Am Landgericht Traunstein hat heute der zweite Verhandlungstag im Todesfall Marco G. stattgefunden. Nachdem auch Marcos Mutter zu Wort kam fiel jetzt das Urteil:

Nach dem Urteil wurde die Haftstrafe von Seiten der Verteidung stark diskutiert. Laut Rechtanwalt Dr. Adam Ahmed wolle man nun die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und danach mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in Berufung gehen.

Stimmen zur Verhandlung am Montag

UPDATE 15.35 Uhr

Nach den Plädoyers hat soeben Richter Erich Fuchs das Urteil verkündet: Der Angeklagte ist schuldig der Körperverletzung mit Todesfolge. Er muss für drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Die Urteilsbegründung:

Das Gericht sah beim Angeklagten keine Einschränkung der Schuldfähigkeit. Es könne zwar nicht ausschließbar zu einer Provokation mit dem Mittelfinger gekommen sein, dennoch sei solch eine Geste kein Rechtfertigungsgrund für einen Schlag mit der Faust oder der Handkante. Ein Schlagen mit der flachen Hand habe der medizinische Gutachter widerlegt, so Richter Fuchs.

Der Richter ging auch auf die starke Alkoholisierung des Opfers ein: Demnach sei die Alkoholisierung nicht ausschlaggebend für Marco G.s Tod gewesen, aber fördernd, da es beim Schlag zu einer Benommenheit bzw. Bewusstseinseinschränkung gekommen sei.

Laut Richter Fuchs liege kein minderschwerer Fall vor, da es sich um keinen Unglücksfall und auch keine starke Provokation gehandelt habe.

Richter Fuchs: "Wir haben hier nicht - wie anfangs gedacht - über einen brutalen Schläger geurteilt, sondern über einen geständigen, reumütigen und einsichtigen Menschen. Aus diesem Grund drei Jahre und drei Monate Haft." 

UPDATE 13.35 Uhr

Nach der zehnminütigen Pause wurde der Kammer um Richter Fuchs seitens des Verteidigers der Zweck der Beweisanträge noch einmal verdeutlicht. Allen Beteiligten solle dadurch klar vermittelt werden, dass man nicht ausschließen könne, dass eine Geste mit dem Mittelfinger stattgefunden habe. Dieser Sachverhalt wurde vom Vorsitzenden der Kammer bestätigt, wodurch der Verteidiger seine Anträge zurückzog.

Nachdem festgestellt wurde, dass der Angeklagte über keinen Eintrag im Bundeszentralregister verfügt, meldete sich die Mutter von Marco zu Wort. Sie betonte in ihrer kurzen Meldung mehrmals, dass Marco an diesem Abend nicht auf Streit aus, "im Gegenteil, sehr glücklich" gewesen sei. "Er hat an diesem Abend bestimmt nicht irgendwas vorgehabt", so die Mutter weiter. Nach diesem Statement wurde die Beweisaufnahme geschlossen.

Die Staatsanwältin Simone Luger erkannte in Ihrem Plädoyer keine Gründe, die eine Strafmilderung auf unter drei Jahre für den Angeklagten ermöglichen. Sie gehe weiterhin fest davon aus, dass keine Provokation im Vorfeld stattgefunden habe, mit Sicherheit ein Faustschlag mit intensiver Gewalt geführt wurde und dem Angeklagten bewusst gewesen sei, dass Marco zum Zeitpunkt des Angriffs erkennbar betrunken gewesen ist. Die Entlastungszeugen seien allesamt "nicht glaubwürdig" aufgrund von "widersprüchlichen Angaben bei der Polizei und in der Hauptverhandlung". Dass Marco "kein Kind von Traurigkeit" gewesen sei, gäbe keine Rechtfertigung für den Schlag. Simone Luger erkannte weiter keinen minderschweren Fall und auch keinen Unglücksfall. Somit sei eine Mindeststrafe von nicht unter 3 Jahren in diesem Fall auch nicht anwendbar. Die Staatsanwältin forderte eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren. Dieser Forderung schloss sich auch der Vertreter der Nebenklage an.

Rechtsanwalt Baumgärtel verurteilte die Versuche der Verteidung, Marco "als Trunkenbold und Aufrührer" darzustellen und mahnte zur Betrachtung des Einzelfalls. Moralisch sei diese Art der Beweisführung zumindest zweifelhaft. Zudem lasse diese Äußerung an der Ehrlichkeit der zu Prozessbeginn abgegebenen Entschuldigung Zweifel aufkommen. Es habe keine Provokation stattgefunden, doch selbst wenn, könne sie keine Rechtfertigung für einen dermaßen gewaltsam geführten Schlag sein.

Ganz anders hingegen sieht der Verteidiger Dr. Ahmed die Zusammenhänge. Grundsätzlich sei eine solche Tat durch kein Geld der Welt zu entschuldigen. Dass sich der Angeklagte auf einen finanziellen Ausgleich am ersten Prozesstag eingelassen hatte, zeuge jedoch von gutem Willen. Auch dass eine Provokation nach seiner Meinung stattgefunden habe, es nur einen einzigen Schlag gegeben hatte und der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt habe, ließen hier einen minderschweren Fall zu. Die Entlastungszeugen der Verteidigung seien in vielen Punkten "unbrauchbar" gewesen, sonst habe niemand den Schlag überhaupt gesehen, so Dr. Ahmed, was das Geständnis seines Mandanten nochmals aufwerte. Der Verteidiger forderte deshalb eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Die Kammer zog sich darauf zur Urteilsberatung zurück, das Urteil wird ab 15 Uhr erwartet.

UPDATE 11.10 Uhr

Bei der Fortsetzung der Verhandlung am Montag wurden zunächst sieben weitere Zeugen durch den vorsitzenden Richter Erich Fuchs vernommen. Darunter befanden sich insgesamt vier Polizeibeamte und Beamtinnnen. Die erste Beamtin schilderte die Vernehmung des Angeklagten. Als man ihn mit den Vorwürfen konfrontierte, soll er spontan erwidert haben: "Es will doch niemand jemanden umbringen". Auf die Frage nach dem Grund, aus dem er Marco geschlagen habe, soll der Angeklagte bereits zu diesem Zeitpunkt erklärt haben, dass er zuvor mit dem Mittelfinger provoziert worden war.

Der Polizeibeamte, der den Angeklagten am Tag nach der Tat in Gewahrsam genommen hatte, schilderte dem Gericht anschließend das Verhalten bei dessen Festnahme. Der Angeklagte sei "nicht übermäßig überrascht" gewesen und lediglich gefragt haben, ob er nun ins Gefängnis müsse. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten nach dessen Festnahme, wurde in einem abgeschlossenen Tresor ein Revolver gefunden. Dies bestätigte eine Beamtin des Kriminaldauerdienstes vor Gericht.

Neben den Polizisten wurden auch zwei Türsteher der Discothek gehört, vor der es zum tragischen Zwischenfall gekommen war. Beide konnten bestätigen, dass Marco am Tatabend erheblich alkoholisiert die Discothek verlassen hatte. Zum Tathergang konnten beide keine genauen Angaben machen. Einer der Türsteher, der an diesem Abend für den Außenbereich zuständig war, gab an, dass es dort zu der Zeit "vollkommen ruhig" gewesen sein soll. Anzeichen für einen Streit oder eine Auseinandersetzung habe er nicht feststellen können. Er soll Marco erst bemerkt haben, als dieser bereits im Umfallen begriffen war.

Im Anschluss an die Zeugenvernehmung verlas der Verteidiger des Angeklagten eine Erklärung, in der auf die Vorgeschichte und die Gewohnheiten von Marco, besonders beim Weggehen eingegangen werden sollte. Laut der Erklärung soll es bereits früher zu Vorfällen mit Provokationen gegenüber Anderen gekommen sein. Der vorsitzende Richter Erich Fuchs unterbrach die Verhandlung daraufhin für einige Minuten.

Zusammenfassung des ersten Prozesstages

Lesen Sie dazu:

Am ersten Verhandlungstag waren bereits mehrere Zeugen zu den Tathergängen um den tragischen Todesfall des Rosenheimers im vergangenen Jahr gehört worden. So sagten die Freunde und Begleiter Marcos unter dem Vorsitz von Richter Erich Fuchs aus, dass der Schlag gegen ihren Freund "unvermittelt und ohne vorherige Provokation" ausgeführt wurde. Die Begleiter und Bekannten des Angeklagten gaben hingegen zu Protokoll, dass Marco den im Kosovo geborenen 25-Jährigen vorher mit dem Mittelfinger beleidigt und provoziert haben soll. Die Zeugen berichteten im Gegensatz zu Marcos Freunden von einer "Watschn", mit der sich der Angeklagte gewehrt haben soll. Ein rechtsmedizinisches Gutachten konnte noch am ersten Verhandlungstag diese Aussagen widerlegen.

Der Angeklagte am ersten Prozesstag

Laut der Aussage des medizinischen Gutachters, könne er die entstandenen Verletzungen im Gesicht von Marco nicht in Einklang mit einer Ohrfeige bringen. Bei diesem körperlichen Übergriff müsse es sich mindestens um einen mit hoher Intensität geführten Handkanten- oder Faustschlag gehandelt haben. Zum Tatzeitpunkt stand der Angeklage laut Aussage des psychiatrischen Gutachters Dr. Stefan Gerl, unter keinerlei Einfluss von Alkohol oder Betäubungsmitteln. Er könne deshalb als uneingeschränkt schuldfähig angesehen werden.

Der Verteidiger des Angeklagten, Dr. Adam Ahmed aus München, gab am ersten Prozesstag an, weitere Zeugen für die vermeintliche Beleidigung mit dem Mittelfinger laden zu wollen. Die Aussagen der Begleiter des Angeklagten unterschieden sich am ersten Verhandlungstag teilweise sehr stark, was die Dauer der Provokation anging. Die Aussagen variierten zwischen einigen Sekunden und Minuten.

Am Montag wird nach den weiteren Zeugenaussagen und den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung das Urteil im Fall des getöteten Marco G. erwartet. Die Staatsanwaltschaft in Person von Simone Luger hatte dem Angeklagten "Körperverletzung mit Todesfolge" zur Last gelegt. 

21-Jährigen vor Disco erschlagen

Quelle: chiemgau24.de

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