Nach dem tragischen Unfalltod zweier Mädchen

Der Alltag inmitten von Unglücken und Katastrophen

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Gerhard Tanfeld (56) leitet das KIT in Altötting - tagtäglich wird er mit Unglücken konfrontiert.

Landkreis - Tragische Unfälle, häusliche Gewalt oder Geiselnahmen: Psychische Extremsituationen bestimmen Gerhard Tanfelds Alltag als Leiter des KIT in Altötting. Auch bei dem tragischen Unfalltod zweier 15-Jähriger war er vor Ort:

15 Menschen kommen bei dem Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall ums Leben, ein vierjähriges Kind stranguliert sich in einem Burghauser Kindergarten, zwei 15-Jährige verlieren ihr Leben bei einem tragischen Unfall bei Töging, fünf junge Menschen sterben auf der A94 durch einen Geisterfahrer: Allesamt tragische Meldungen aus unserer Region, die das Leben der Angehörigen und Freunde der Opfer für immer verändern werden. Sie alle haben eins gemeinsam: Gerhard Tanfeld (56) war bei allen Tragödien vor Ort. Denn er ist der Leiter des Kriseninterventionsteams (KIT) Altötting.

Das KIT wird alarmiert

Ob erfolglose oder erfolgreiche Reanimation, plötzlicher Kindstod, massive und sexuelle Gewalt, Geiselnahme, tödlicher Unfall oder Brand: Er und sein Team helfen dort, wo sie gebraucht werden. Die Einsätze sind so vielfältig wie die Folgen für die Opfer.

Passiert in unserer Region ein schlimmes Unglück, dann werden er und sein Team per Funk von der Integrierten Rettungsleitstelle (ILS) in Traunstein alarmiert. Angefordert wird das KIT von Notarzt, Feuerwehr, Rettungsdienst und den Krankenhäusern. Im KIT Altötting arbeiten derzeit zwölf Personen: zehn von ihnen sind voll ausgebildet, zwei weitere befinden sich noch in der Ausbildung.

Ein kurzes Meldebild ("Laufende Reanimation, vier Leute zu betreuen") muss dem KIT meistens ausreichen. Dann wird ein zweiköpfiges Team an den Ort des Geschehens geschickt. Dort gilt es, erst mal die Lage zu bewerten und sich gegebenenfalls für eine Nachalarmierung zu entscheiden.

Zwei 15-Jährige verlieren ihr Leben

Wie beim tödlichen Unfall am 19. Oktober bei Erharting, bei dem zwei junge Mädchen (15) ihr Leben verloren: Ein 24-jähriger VW-Fahrer übersah die beiden Freundinnen auf ihrem Roller, sie hatten keine Chance und verstarben noch an der Unfallstelle. Das KIT Altötting und das KIT Mühldorf waren mit drei Teams gefragt: zwei Teams, die sich um die Angehörigen der beiden Mädchen kümmerten, und ein Team, das sich dem Unfallverursacher, der einen Schock erlitt, und Beifahrer annahm. "Wir sind neutral und unvoreingenommen - und behandeln jeden Menschen gleich", erzählt Tanfeld unserer Redaktion.

Dennoch: Es wird strikt zwischen den Teams der Angehörigen und dem Team, das sich um den Verursacher kümmert, getrennt. Ein KIT-Betreuer kann nicht innerhalb der Teams wechseln - damit es erst gar nicht zu einem inneren Konflikt kommen kann. Auch die Klassenkameraden der Mädchen wurden betreut.

Polizei als Überbringer, KIT als Betreuer

Nach der Arbeit vor Ort fahren die KIT-Mitarbeiter gemeinsam mit der Polizei zu den Angehörigen: Denn viele wissen noch gar nicht, dass sie einen geliebten Menschen verloren haben. "Die Polizei überbringt die Nachricht, wir betreuen", klärt der Leiter des KIT Altötting auf.

Im Schnitt dauert ein Einsatz zwischen zwei und vier Stunden, natürlich ist dies aber immer situationsbezogen. Es gibt Angehörige, die den Verlust lieber alleine und in Ruhe bewältigen, aber auch solche, die die Hilfe des KIT in Anspruch nehmen möchten. Mit Trauer geht eben jeder anders um.

Am Samstag lesen Sie, was Gerhard Tanfelds schlimmste Einsätze waren und wie die KIT-Mitarbeiter selbst mit den Erlebnissen umgehen.

bp

Quelle: innsalzach24.de

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