Radl-GPS: Was bringt die Hilfe aus dem All?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Wer im Auto den Komfort der kleinen GPS-Geräte einmal kennengelernt hat, möchte ihn auch am Fahrrad erleben. Wie aber lässt sich GPS am Rad erfolgreich anwenden?

Das erläutert der GPS-Experte des ADFC, Thomas Froitzheim, hier im Überblick:

Was leisten GPS-Geräte?

Lesen Sie auch: GPS-Modelle im Überblick

Unschlagbar ist die präzise Wegweisung des Global Positioning Systems (GPS), das eine weltweite Ortung auf etwa zehn Meter genau erlaubt - Verfahren ist mit den GPS-Geräten fast unmöglich. Radfahrer lassen sich von der Anzeige auf dem Display leiten und finden hier ihren Weg als metergenaue Linie, so sind sie zügig unterwegs, ohne immer wieder auf die Karte schauen oder auf Wegweisung achten zu müssen.

Zwar sollen die 30 Satelliten des neuen europäischen Galileo-Systems mit etwa einem Meter Genauigkeit eine noch präzisere Wegweisung erlauben, aber es wird noch bis 2013 dauern, bevor das System einsatzbereit ist. Darauf zu warten, lohnt sich nicht. Bereits die heutigen Outdoor-GPS-Geräte und -Systeme sind präzise, zudem sind sie stabil und wetterfest. Und sie lassen sich dank der erweiterten Speichermöglichkeiten mittlerweile auch auf mehrtägigen Radreisen einsetzen.

Was muss der Anwender können?

Doch bevor sich der Fahrspaß entfalten kann, muss ein GPS-Neuling mindestens drei Hürden nehmen: Erstens muss er etwa 150 Euro investieren, zweitens sollte er mit der Computer- und Internetnutzung nicht auf Kriegsfuß stehen und drittens - und das wird für viele Interessierte wohl die größte Hürde sein – muss er sich mit der Bedienung des Geräts vertraut machen, Software und Karten konfigurieren und ihre Anwendungen lernen, also einige Zeit investieren.

Denn im Gegensatz zur Kfz-Navigation fehlt es Outdoor-Geräten an Inhalten. Digitale Rad- oder Wanderrouten sind noch lange nicht flächendeckend verfügbar, sodass der Nutzer seine gewünschten Touren entweder aus dem Internet herunterlädt oder am PC-Bildschirm selbst zeichnet und dann per Kabel auf das Gerät überträgt. Für digitale Karten und auch GPS-Software gibt es verschiedene Lösungen – da fällt die Entscheidung nicht leicht. Hier gilt: Gönnen, nicht geizen.

Was braucht man noch?

Die größte Enttäuschung erleben GPS-Neulinge, wenn sie feststellen, dass ihre Karten, mit denen sie am heimischen Computer wunderbar planen konnten, sich nicht auf das GPS-Gerät übertragen lassen. Leider lautet die Regel: GPS-Geräte erkennen nur Karten ihres Herstellers – Garmin-Geräte lesen also nur Garmin-Karten, Magellan-Geräte nur die von Magellan.

Für das Planen und Auswerten am Computer sollten sich GPS-Schützen gleich gute digitale und kompatible Karten anschaffen. Besonders beliebt bei Radfahrern ist die TOP 50-Serie der deutschen Landesvermessungsämter. Jeweils ein Bundesland ist auf einer DVD mit Karten im Maßstab 1:50.000 dargestellt, dazu gibt es Ortsverzeichnisse und Höheninformationen. Pro Bundesland werden bei der Anschaffung etwa 40 bis 80 Euro fällig. In Einzelfällen gibt es die Karten auch in anderen Maßstäben, beispielsweise die DVD Bayern im Maßstab 1:10.000 oder Baden-Württemberg im Maßstab 1:25.000. Ihre beigefügte Software, der Geogrid-Viewer, enthält ein einfaches Zeichenprogramm, mit dem die Dateien auch ins GPS-Gerät gelangen können.

Die Firma MagicMaps bietet Karten für Deutschland, Schweiz, Österreich und Luxemburg im Maßstab von 1:25.000 und 1:50.000 an. Auch Verlage wie Kompass oder der Alpenverein bieten ihre Karten auf DVD an, teilweise direkt mit GPS-Schnittstelle. Google Earth eignet sich zwar sehr gut zum Anschauen von fertigen Touren, aber nicht zur Tourenplanung. Auf den Luftbildern sind die für Radfahrer wichtigen Waldwege kaum verlässlich nachzuvollziehen.

Was für Karten gilt, gilt auch für die Software: Arbeiten Sie von Anfang an mit einer guten GPS-Software wie Fugawi oder –- mit noch mehr Möglichkeiten – Touratech QV (TTQV). Diese kosten zwar je etwa 150 Euro, aber dafür lassen sich mit ihnen zahlreiche andere digitale Karten wie die TOP 50-Serie, Straßenvektorkarten und auch eigene gescannte Karten darstellen. Zudem kann man mit den hochkarätigen Programmen die GPS-Daten sehr gut verwalten, bearbeiten und vom GPS-Gerät herunterladen beziehungsweise aufspielen.

Wo gibt es Touren?

Tourenvorschläge können sich GPS-Nutzer inzwischen auch über spezielle GPS-Portale aus dem Internet herunterladen. So bietet das Tourenportal des ADFC mehr als 125.000 Kilometer Radrouten in Deutschland, die sich durch ihre Vernetzung auch miteinander verknüpfen lassen und damit routingfähig sind. Andere, kostenlose Tourenportale bieten zwar eine Vielzahl von Tourenvorschlägen an, die durch Nutzer hochgeladen wurden, aber die Qualität schwankt naturgemäß sehr stark. So sollte man die heruntergeladenen Daten vor der Tour mit einer guten Karte vergleichen.

Auf den ADFC-Bett & Bike-Seiten www.bettundbike.dewerden inzwischen die Geokoordinaten jedes Betriebs angezeigt. Wenn Sie die Werte in ein GPS-Gerät übertragen, können Sie auch diese Ziele, die häufig etwas abseits der Radroute liegen, punktgenau erreichen.

Welches Gerät ist das Richtige?

Outdoor-GPS-Geräte der Firmen Garmin und Magellan sind sehr robust und funktionssicher, sie trotzen Regenfahrten und sind auch bei Sonnenlicht gut abzulesen. Einfache Geräte haben nur ein Schwarzweiß-Display, sind aber gut abzulesen und besitzen inzwischen einen hervorragenden Empfang. Für mehrwöchige Touren, vor allem im Ausland, eignen sich Geräte mit Kartendarstellung, Farbdisplay und größerem Speicher.

Eine Kartendarstellung erleichtert die Orientierung in Städten und an Kreuzungen. Leider gibt es für die Garmin- und Magellan- Geräte nur herstellereigene Karten wie die Garmin Topo Deutschland oder die Magellan Topo High Definition (Deutschland Süd oder Nord). Sie belasten zwar mit etwa 150 bis 300 Euro zusätzlich das Portemonnaie, zeigen Deutschland aber in einer Auflösung im Maßstab von etwa 1:25.000 - inklusive vieler Details und in Städten sämtliche verfügbaren Straßennamen. Routingfähig sind sie aber nur teilweise. So ermöglicht die Topo Deutschland die Verknüpfung der Radfernwege.

Zusätzliche Funktionen wie ein barometrischer, also Luftdruck abhängiger Höhenmesser oder ein elektronischer Kompass sind für den Gebrauch auf Radtouren nicht unbedingt notwendig. Der elektronische Kompass lässt sich zudem leider vom Fahrradmetall ablenken. Die aktuellen hochempfindlichen GPS-Geräte ermitteln die Höhe inzwischen relativ genau. Geräte mit barometrischer Messung zeigen auch weitere Informationen wie Höhenprofile oder die zurückgelegten Höhenmeter an.

Wie viel Speicher braucht der GPS-Anwender?

Selbst die kleinsten Geräte reichen aus, um zehn Radtouren als Tracks mit etwa 80 bis 100 Kilometern Länge in der Präzision einer 1:50.000er-Karte einzuspeichern. Dazu kann dann die gefahrene Tour noch über mehrere Tage im Aktivspeicher („active log") oder auf Speicherkarte aufgezeichnet werden. Einzelne Ziele, zum Beispiel Ortszentren, Bahnhöfe oder auch Übernachtungsmöglichkeiten, lassen sich als „Waypoints" speichern, auch unterwegs.

PDAs oder Smartphones – das sind kleine Westentaschencomputer, inzwischen meist mit Telefonfunktion – erhalten zunehmend GPS-Chips und Navigationsfunktionen. Diese sind derzeit meist auf KFZ- oder Fußgängernavigation ausgerichtet, zudem sind die Gerätedisplays bei Sonnenlicht schwer abzulesen und kaum wasser-und stoßfest genug für den Fahrradlenker. Dennoch gibt es auch hier erste fahrradtaugliche Ausführungen, die vor allem die Möglichkeit bieten, weitere digitale Karten wie beispielsweise die amtlichen topographischen Karten darzustellen.

GPS ersetzt weder Karte noch Wegweisung

Ein GPS-Gerät kann niemals eine so gute Übersicht wie eine großflächige Karte bieten. Deswegen beginnt die Planung einer Radtour immer mit einer Karte – und auch unterwegs sollte die Papierkarte nicht fehlen. Die schnellste und eindeutigste Orientierung, insbesondere an Kreuzungen, bietet nach wie vor die Wegweisung. Was liegt näher, als alle Orientierungssysteme gemeinsam zu nutzen?

Probieren und studieren

Satellitennavigation lässt sich nicht am Schreibtisch oder im Katalog erfahren – sie muss ausprobiert werden. Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Gerät anzuschaffen, sollte sich Wirkungsweisen, Stärken und Schwächen dieser Wegweisung unverbindlich anschauen. Vielleicht verfügt Ihr ADFC vor Ort über Leihgeräte? Auch einige Touristeninformationen vermieten GPS-Geräte. Der Vorteil: Die Routen sind hier schon eingespeichert. Handhabung und Nutzung der Geräte lassen sich auch in Seminaren erfahren, ob nun als Einsteiger oder Fortgeschrittener. Also rauf aufs Rad und leiten lassen.

Praktische Tipps für Einsteiger

Zum Einstieg in die Satellitennavigation gibt es nun das erste ADFC-Praxisbuch für GPS-Radtouren, ausgezeichnet mit dem ITB BuchAward 2009 als bester GPS-Ratgeber. Welche aktuellen GPS-Geräte eignen sich für Touren- und Rennradfahrer oder Mountainbiker? Welche digitalen Karten bieten die meisten Möglichkeiten? Welche Internetportale haben die besten Touren? Der GPS-Experte Thomas Froitzheim beantwortet diese Fragen in leicht verständlicher Weise und gibt zahlreiche Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene. Das Buch „GPS für Biker" ist im Bruckmann-Verlag erschienen (ISBN 978-3-7654-5016-7) und kostet 19,95 Euro.

Zurück zur Übersicht: Gesundheit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser