Bewegung beschert Lungenpatienten eine bessere körperliche Belastbarkeit und mehr Lebensqualität

Lungensport: Trainieren gegen die Luftnot

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Training für Lungenerkrankte: In der Gruppe machen die angeleiteten Übungen mehr Spaß. Auch im Alltag sollten sich Lungenpatienten möglichst viel bewegen. Ideal sind Spaziergänge, Schwimmen, Walken oder auch Radfahren.

Oft scheint der Weg zu weit, die Treppe zu hoch oder die Einkaufstasche zu schwer. Menschen, die unter chronischen Lungenerkrankungen leiden, geht häufig schnell die Puste aus.

Die Folge: Sie vermeiden möglichst Bewegung und Anstrengungen und werden immer weniger belastbar. Ein Teufelskreis.

Heute weiß man, dass die meisten Lungenpatienten von speziellem Lungensport profitieren. Körperliche Bewegung verbessert nicht nur die Belastbarkeit, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen. Deshalb machte Lungenfachärztin Dr. Katarina Ludwig während unserer Telefonsprechstunde vielen Anrufern Mut, aktiv zu werden.

Fragen und Antworten

Ich habe COPD und mache Lungensport. Früher war ich eine aktive Wanderin, aber heute traue ich mich nicht mehr, in der Gruppe mitzulaufen, weil ich nicht mithalten kann. Was kann ich tun?

Dr. Katarina Ludwig: Zunächst einmal ist es sehr erfreulich, dass Sie ein aktiver Mensch sind. Und es ist sehr wichtig, körperlich aktiv zu bleiben. Doch Sie sollten die Latte nicht zu hoch legen. Vielleicht finden Sie in der Lungensportgruppe Gleichgesinnte, die auf dem gleichen Trainingsniveau sind wie Sie und vielleicht auch Spaß am Wandern haben. Das wäre eine gute Ergänzung zum Lungensport, denn Training ist das A und O. Selbst bei schwersten Lungenerkrankungen kann man damit die körperliche Leistungsfähigkeit noch verbessern.

Ich hatte eine Brustkrebs-Operation und anschließend Bestrahlung bekommen. Jetzt habe ich Probleme mit der Lunge. Ich bin sehr kurzatmig. Was raten Sie mir?

Dr. Ludwig: Ein Lungenfacharzt sollte Sie zunächst einmal gründlich untersuchen, um zu klären, was die Ursache für Ihre Kurzatmigkeit ist. Manchmal führt die Bestrahlungstherapie zu einem bindegewebsartigen Umbau der Lunge. In diesem Fall gibt es sehr gute Möglichkeiten, durch Bewegung und Lungensport Ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.

Ich bin vor einem halben Jahr von Süddeutschland nach Nordhessen gezogen. Ich habe CODP und trage ein mobiles Sauerstoffgerät. Früher war ich in einer Lungensportgruppe, ich würde mich gerne auch hier einer Gruppe anschließend.

Dr. Ludwig: Zunächst einmal sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Am besten bringen Sie dazu alle aktuellen Befunde mit. Der Azt wird Sie eingehend untersuchen, um zu wissen, wie belastbar Sie sind. Lungensport muss vom Arzt verordnet werden und wird maßgeblich von den Krankenkassen bezahlt. Lungenfachärzte kennen auch geeignete Lungensportgruppen in Ihrer Nähe.

Unser Enkel hat Asthma und kommt nächstes Jahr in die Schule. Darf er beim Sportunterricht mitmachen?

Dr. Ludwig: Grundsätzlich ja. Ihr Enkel sollte Sport machen, soweit dieser an seine Belastbarkeit angepasst ist. Es ist wichtig, dass das Asthma gut behandelt und der Lehrer über die Erkrankung informiert ist. Außerdem kann es sinnvoll sein, vor dem Sport ein Inhalierspray anzuwenden, um die Bronchien aufzuweiten. Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt darüber.

Meine Frau hat COPD und leidet öfter am Tag unter schlimmen Hustenanfällen. Sie hat kaum Bewegung, weil sie durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt ist und zudem unter Demenz leidet. Wie kann man ihr helfen?

Dr. Ludwig: Es könnte sein, dass bei Ihrer Frau das Schlucken durch den Schlaganfall beeinträchtigt ist. Das könnte dazu führen, dass sie sich immer wieder verschluckt und sie deshalb häufig husten muss. Oft ist es sehr schwierig, solchen Problemen nach einem Schlaganfall beizukommen. Was Ihrer Frau eventuell helfen könnte, wäre eine logopädische Behandlung. Außerdem sollte sie mit erhöhtem Oberkörper schlafen. Auch sollte die medikamentöse Therapie der Lungenkrankheit überprüft werden. Fragen Sie Ihren Arzt, ob er Ihrer Frau Krankengymnastik verordnen kann, um ihre Bewegungsfähigkeit zu verbessern, denn das ist sehr wichtig. Lungenfachärzte haben für solch eine Verordnung allerdings leider nur ein sehr begrenztes Budget, das für gerade einmal zwei Patienten im Quartal reicht.

Ich habe COPD und leide schon bei der kleinsten Anstrengung unter Luftnot. Deshalb verlasse ich kaum noch das Haus. Muss ich mich mit diesem Zustand abfinden?

Dr. Ludwig: Keinesfalls! Mit dem richtigen Training und regelmäßiger Bewegung im Alltag kann man mit Sicherheit Ihre Leistungsfähigkeit und Ihr Wohlbefinden verbessern. Zunächst einmal sollte sich ein Lungenfacharzt ein genaues Bild über Ihren Zustand machen. Eventuell wäre es sinnvoll, zunächst eine Reha-Maßnahme zu machen, damit Sie lernen, Ihre Leistungsfähigkeit einzuschätzen. Danach sollte Ihr Arzt Ihnen Lungensport verordnen, wenn nichts dagegen spricht. Wichtig ist es auch, im Alltag aktiv zu bleiben. Machen Sie gerade so viel, wie Sie schaffen, und steigern Sie sich wöchentlich ein wenig. Sie werden sehen, dass Sie sich bald fitter fühlen.

Von Martina Heise-Thonicke

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