Promis werben für Organspenden

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Claudia Kotter (l-r), Gründerin des Vereins "Junge Helden e.V.", und die prominenten Unterstützer, die Schauspieler Jürgen Vogel und Loretta Stern

Sie schmeißen Partys, gehen in Schulen und starten Aufrufe via Twitter: Zahlreiche Prominente machen mit ungewöhnlichen Aktionen auf Organspenden aufmerksam.

George Clooney tut es in seinem Testament, Justin Bieber auf Twitter und deutsche Promis auf Partys und in Schulen: Immer mehr Schauspieler und Musiker machen sich für das Thema Organspende stark. Weil ihre Botschaften besondere Aufmerksamkeit erregen. Sie tun es aber vor allem aus Überzeugung.

„Bekannte Gesichter finden natürlich schneller und auf andere Weise Gehör in einer breiten Öffentlichkeit“, erklärt Schauspielerin Loretta Stern. „Die Menschen finden es spannend, zu erfahren, was beispielsweise Jürgen Vogel für eine Meinung zur Organspende hat, und überprüfen dann auch ihre eigene Haltung.“

Stern kennen viele Zuschauer aus der ARD-Krimiserie „Heiter bis tödlich“. Privat engagiert sie sich ebenso wie Schauspiel-Kollege Jürgen Vogel („Die Welle“, „Keinohrhasen“) für den Verein „Junge Helden“, der für Organspenden wirbt.

Auf Partys, mit Plakaten, Kunst-Aktionen und auch in Schulen informieren die Mitglieder des Vereins über das Thema. Loretta Sterns Cousine Claudia Kotter hatte die Jungen Helden ins Leben gerufen. Sie litt an einer seltenen Autoimmunkrankheit, bei der das Bindegewebe von Haut und Organen verhärtet. Nur durch eine Spender-Lunge bekam die junge Frau weitere Lebensjahre geschenkt.

„Claudias Weiterleben wäre ohne diese schon vor fünf Jahren nicht mehr möglich gewesen“, sagt Stern. Nach dem Tod ihrer Cousine im vergangenen Jahr setzte die Schauspielerin deren Aufklärungsarbeit fort.

Schlagersänger Roland Kaiser weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein: Er atmet seit zwei Jahren mit der Lunge eines anderen - und macht nun auf die Bedeutung von Organspende aufmerksam. „Ich finde, dass wir alle das Thema zu Lebzeiten regeln sollten, damit wir unsere Angehörigen damit nicht noch zusätzlich belasten“, sagt er. Für ihn sei das „eine Frage der Verantwortung.“

Schauspieler Jürgen Vogel sieht das ähnlich: „Bei mir zu Hause liegen immer Organspendeausweise rum“, erzählte er einst. „Meine Kinder und deren Freunde gehen ganz natürlich damit um.“ Der Schauspieler war bereits in einer bundesweiten Kino-Kampagne für Organspende-Ausweise zu sehen.

Mit Stars wie Benno Fürmann, Nora Tschirner, Barbara Schöneberger und Matthias Schweighöfer klärt Vogel auf den Partys des Vereins Junge Helden über Organspende auf und verteilt Spenderausweise.

Die ungezwungene Atmosphäre habe ganz eigene Vorteile, findet Torsten Scholz von der deutschen Punkrock-Band Beatsteaks, die bei den Veranstaltungen immer mal wieder auftritt. „Die Leute können weggehen und eine gute Zeit haben. Gleichzeitig haben sie die Möglichkeit, ohne großes Gewese einfach den Ausweis einzustecken - wenn sie den denn wollen - und vielleicht mal jemandem damit zu helfen.“ Es sei auch völlig in Ordnung, sich dagegen auszusprechen, betont er. Wichtig sei nur die Entscheidung.

In Deutschland muss man in eine Organspende aktiv einwilligen, im Gegensatz zu anderen Ländern wie zum Beispiel Österreich. An diesem Freitag will der Bundestag nach jahrelangen Debatten eine Reform beschließen: Künftig werden alle Bürger per Post ihrer Krankenkassen befragt, ob sie einer Organspende im Fall eines Hirntods zustimmen.

Auch in anderen Ländern nutzen Prominente ihre Bekanntheit, um für das Thema zu sensibilisieren. Zuletzt sorgte Popstar Justin Bieber für Aufsehen, als er über die Kommunikationsplattform Twitter zur Organspende-Registrierung aufrief.

Hollywood-Schauspieler George Clooney würde nach seinem Tod ebenfalls Organe spenden: In seinem Testament hat er das nach eigenen Angaben bereits festgehalten - und das, obwohl er in Bezug auf sein Privatleben nie Pläne macht, wie er sagt. „Ich habe keinerlei Idee, wo ich in zehn Jahren sein werde“, sagte der 51-Jährige einst. „Ich will nur lebendig bleiben.“ Als Organspender könnte er anderen Menschen genau das ermöglichen.

Antonia Lange, dpa

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