Schock für Eltern

Warum löst Fieber einen Krampfanfall aus?

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Fieber kann bei Kleinkindern zum Auslöser für einen Krampfanfall werden.

Es ist ein erschreckender Anblick für Eltern, wenn ihr Kind im Fieber auf einmal krampft: Plötzlich verliert es das Bewusstsein, sinkt schlaff zur Seite oder zuckt und windet sich in Krämpfen.

Und meist trifft es ausgerechnet die ganz Kleinen, die gerade dem Säuglingsalter entwachsen sind und vielleicht eben erst das Laufen gelernt haben.

Umso unverständlicher ist es für viele Eltern zunächst, wenn sie in der Klinik erfahren, dass ein Fieberkrampf bei Kleinkindern eine harmlose Sache sei. Wo sie doch eben noch um das Leben ihres Kindes gebangt haben! Wie kann es da sein, dass der Arzt nicht sofort umfassende Untersuchungen anordnet, dass er noch nicht mal eine Computertomografie oder Ähnliches machen lässt, um sich das Gehirn genau anzuschauen? Schließlich kann hinter so heftigen Symptomen doch nur eine schlimme Krankheit stecken, denken viele.

Das aber ist nur äußerst selten der Fall, beruhigen Dr. Ingo Borggräfe und Dr. Claudia Nußbaum vom Haunerschen Kinderspital. Auch reicht, um das abzuklären, fast immer eine gründliche Untersuchung des Kindes durch den Arzt. Wichtig sind zudem natürlich die Erfahrung des behandelnden Mediziners und das Gespräch mit den Eltern.

Denn wichtig für die Diagnose ist auch, wie der Anfall ablief und wie lang er dauerte. In den meisten Fällen sind alle Symptome schon nach wenigen Minuten wieder verschwunden. Die Krämpfe betreffen zudem in der Regel den ganzen Körper. Mediziner sprechen dann von einem einfachen Anfall. Als kompliziert gelten indes Krampfanfälle, die länger als 15 Minuten anhalten oder sich innerhalb von 24 Stunden wiederholen. Zudem solche, die auf andere Art auffällig sind, etwa wenn die Krämpfe nur einen Teil des Körpers betreffen (fokaler Anfall). Nur in solchen Fällen sind weitere, aufwendigere Untersuchungen nötig. Ebenso, wenn es Hinweise auf eine Hirnhautentzündung als Auslöser gibt.

Dass es gerade die ganz Kleinen so oft trifft, liegt wohl am Entwicklungsstadium, in dem sich ihr Gehirn in diesem Lebensabschnitt befindet. Das gesunde Gleichgewicht der Botenstoffe gerät bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren besonders leicht durcheinander. Fieber mache das Gehirn zudem anfälliger für einen Anfall, erklärt Borggräfe. Kommt beides zusammen, kann das einen Fieberkrampf auslösen. Warum es manche Kinder trifft, andere nicht, liegt wohl auch an der Veranlagung. „Fieberkrämpfe treten in manchen Familien gehäuft auf“, sagt Nußbaum. Ist ein Kind betroffen, erleidet in etwa 20 Prozent der Fälle auch sein Geschwisterchen einen Fieberkrampf. Bei eineiigen Zwillingen liege die Wahrscheinlichkeit sogar bei etwa 50 Prozent.

Hat ein Kind erstmals einen Fieberkrampf erlitten, sind die Ärzte vor allem als Berater gefragt. Sie erklären den Eltern dann zum Beispiel, dass sie zwar damit rechnen müssen, dass ihr Kind erneut einen Krampfanfall erleidet, bei etwa jedem dritten ist das der Fall. Doch wird das Kind diese Anfallsneigung verlieren, wenn es älter wird. Sie müssen nicht fürchten, dass ihr Kind an einer Epilepsie leidet (siehe Randspalte) oder auch nur ein erhöhtes Risiko dafür hat. Auch die Sorge, bei jedem neuen Anfall würden Gehirnzellen absterben und das Kind so vielleicht gar in seiner geistigen Entwicklung zurückbleiben, seien unbegründet, beruhigt Borggräfe.

Manche Eltern haben auch eine Impfung als Auslöser in Verdacht. Da gerade im Kleinkindesalter viele Impfungen anstehen, passiert es tatsächlich öfter, dass ein Fieberkrampf Tage oder wenige Wochen nach einer Impfung auftritt. Die Ursache des Anfalls sei diese aber nicht, sagt Nußbaum. Allenfalls indirekt könne eine Impfung dazu führen – weil manche Kinder darauf auch mit Fieber reagieren. Das könne einen Anfall auslösen, erklärt Nußbaum. „Aber nicht die Impfung selbst.“

Verhindern können Eltern einen neuerlichen Fieberkrampf nicht. Doch können sie ein Notfallmittel bereithalten, wenn der Anfall länger als ein paar Minuten anhält. Für den Einsatz bei Fieberkrämpfen ist dabei nur ein Medikament in Form einer Rektiole zugelassen, das wie ein Klistier in den After eingeführt wird. Das aber sei während eines Anfalls oft schwierig oder gar nicht möglich, sagt Borggräfe. Es gebe daher auch ein Mittel, das per Plastikspritze in den Mund geträufelt und über die Schleimhaut aufgenommen wird. Das aber ist formal nur für Kinder mit Epilepsie zugelassen, nicht jedoch bei Fieberkrämpfen.

Andrea Eppner

Leserfragen an die Experten: wissenschaft@merkur.de

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