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22 neue Sendemasten kommen

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Rosenheim/Landkreis - Mit dem analogen Behördenfunk verhält es sich wie mit der maroden Autobahn Rosenheim-Salzburg: Er ist technisch auf Vorkriegsniveau. Deshalb sollen jetzt 22 neue Sendemasten kommen.

OVB

Das Netz für den digitalen Behördenfunk (BOS) nimmt im Landkreis Rosenheim Gestalt an. 22 Suchkreise sollen dafür sorgen, dass Polizei und Rettungskräfte klar und abhörsicher kommunizieren können. Ein Suchkreis bezeichne das zu versorgende Gebiet, lasse keine Rückschlüsse auf die genauen Standorte der Sendemasten zu, so die Behörden.

Mit Kritik an der längst überfälligen Ausstattung von Polizei und Rettungskräften mit abhörsicherem Digitalfunk wird trotzdem nicht gespart. Das Bayerische Innenministerium ist deshalb um Offenheit bemüht. Aktueller Stand: 15 der 22 im Raum Rosenheim benötigten Standorte für die Digitalfunkmasten dürften schon feststehen.

Altenburg, Bad Aibling, Rosenheim Nord, Raubling, Brannenburg, Tatzelwurm, Oberaudorf, Kiefersfelden, Brünnstein, Innerwald, Pfaffing, Bruckmühl, Rott, Wasserburg, Antersberg, Rechenau, Hochries, Sudelfeld, Wendelstein, Hittenkirchen und Innschleife - so heißen 21 von 22 Suchkreisen für den BOS-Digitalfunk in der Region.

Fast 40 Jahre alte Netze sind veraltet und störanfällig

BOS steht für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, dazu zählen unter anderem Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste, THW, Wasser- und Bergwacht. Die Suchkreise bezeichnen das zu versorgende Gebiet. "Sie lassen nicht den Rückschluss zu, dass in der konkret genannten Gemeinde tatsächlich ein Standort entstehen soll", erklärt Polizeihauptkommissar Roland Radler von der Projektgruppe Diginet im Bayerischen Innenministerium, die für den Netzaufbau zuständig ist. Die genauen Standorte darf er in der jetzigen Phase noch nicht verraten.

Seit fast 40 Jahren kommunizieren Polizei und Rettungsdienste mit bis zu sechs parallelen Analogfunknetzen, die bayernweit bereits zu den Olympischen Spielen 1972 eingeführt worden waren. Die Netze sind veraltet, störanfällig und nicht abhörsicher.

Video aus dem Archiv

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Videotitel

Videobeschreibung (+Laufzeit oder Datum siehe Original).

Das Ziel, den Behördenfunk europaweit zu digitalisieren, hatten die EU-Staaten schon vor 20 Jahren ins Auge gefasst, als im Zuge des Schengener Abkommens die Grenzkontrollen wegfielen. 16 EU-Länder haben den digitalen Polizeifunk schon eingeführt, Deutschland gehört zu den Nachzüglern. Eigentlich hätte das Netz zur Fußball-WM 2006 stehen sollen, nun wird es wohl bis 2014 dauern. In Bayern geht es beim Netzaufbau jetzt in die heiße Phase. Als Ersatz für die bisher 3500 analogen Antennenstandorte werden rund 1000 Digitalfunkmasten benötigt.

Initiativen warnen vor Gesundheitsschäden

"Die Digitalfunkantennen erfüllen alle gesetzlichen Vorgaben und europäischen Anforderungen zum Gesundheitsschutz, jeder Standort wird von der Bundesnetzagentur geprüft, bevor er in Betrieb genommen wird", versichert Wolfgang Zacher, Leiter der im Innenministerium für den Netzaufbau zuständigen Projektgruppe Diginet. Zudem betont das Ministerium, das neue Hochsicherheitsfunknetz ermögliche den Abbau von über 2000 analogen Funkanlagen, eine abhörsichere Verständigung ohne Knacken und Rauschen, Datenübertragung (ähnlich wie bei SMS) und Notrufe mit GPS-Ortung.

Trotzdem hagelt es Kritik - nicht nur von Bürgerinitiativen, die befürchten, die pulsierenden Strahlen könnten sich negativ auf die Gesundheit von Mensch und Tier auswirken. Zahlreiche Funk-Experten behaupten, das System Tetra, das vor Jahren den Zuschlag bekam, sei bereits überholt. "Deutschland kauft eine veraltete Technik", erklärte der Kommunikationstechniker Uli Weiner vor kurzem bei einer Info-Veranstaltung auf dem Samerberg. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte die aufwändige Umrüstung, die allein in Bayern eine Milliarde Euro kosten wird, warnte vor Gesundheitsrisiken und äußerte Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit.

So ist es kein Wunder, dass sich auch im Raum Rosenheim Widerstand formiert - vor allem dort, wo präzisere Informationen über mögliche Standorte durchsickern. So will in Rimsting die Bürgerinitiative Greimharting/Ratzinger Höhe einen Sendemast auf der Ratzinger Höhe verhindern, in Feldkirchen-Westerham verfolgt das Bürgerforum "Aschbach strahlt" im Suchkreis Altenburg das gleiche Ziel - möglicherweise mit Erfolg. Diese zwei Bereiche gehören nämlich nicht zu den 15 von 22 Suchkreisen, in denen laut Roland Radler von der Projektgruppe Diginet bereits vorvertragliche Regelungen getroffen wurden.

Im Nordosten klafft noch eine Lücke

Auf dem Weg zu einem möglichst flächendeckenden Funknetz im Landkreis Rosenheim klafft deshalb im Nordosten noch eine Lücke, wie nebenstehende Grafik verdeutlicht. "Im Bereich zwischen Simssee und Chiemsee werden wir noch einen 22. Suchkreis benötigen", sagt dazu Radler. Ebenso werde beim Suchkreis Altenburg in Abstimmung mit der Kommune eine Alternative geprüft. Eine taktische Bewertung durch BOS-Kräfte sei hier am 17. November geplant.

Standortalternativen werden auch in den Suchkreisen Brannenburg, Tatzelwurm, Antersberg und Rechenau aufgenommen.

Oberbayerisches Volksblatt

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