St. John’s und Halifax, im April:
David Myrick blickt vom Cape Race hinaus auf den Atlantik. Er kennt die Ereignisse der Schicksalsnacht genau. Sein Großonkel war damals in der Funkstation, als das Notsignal der Titanic einging. Wenn sich der Untergang am 15. Aprilzum 100. Mal jährt, plant Myrick eine große Gedenkfeier. Dann sollen die Exponate aus dem Titanic-Museum von St. John’s herangeschafft werden: Fotografien, Dokumente, Zeitungsausschnitte und Film-Requisiten. Die Organisatoren rechnen mit einem Massenauflauf an der sonst so einsamen Steilküste, an der jedes Jahr ab April die Eisberge im Labradorstrom vorbeitreiben.
James Cameron taucht zum tiefsten Abgrund der Erde
„Bei der Gedenkfeier wollen wir für alle hörbar den Funkverkehr zwischen der Titanic und Cape Race nachstellen“, sagt Myrick. Er selbst will mit einem Schiff dort hinausfahren, wo die Titanic unterging und von dort aus die Morsetaste bedienen.
Auch das Kreuzfahrtschiff Balmoral wird in der Nacht diese Position ansteuern, mit 1309 Passagieren, exakt so vielen, wie damals an Bord der Titanic waren. Von dort will die Balmoral nach New York fahren, in den eigentlichen Titanic-Zielhafen. Die Gedenk- Kreuzfahrt ist bereits ausverkauft.
Zahlungskräftige Kunden sollen im Juli und August auch das Wrack der Titanic in 3750 Meter Tiefe besichtigen können – bei Tauchexpeditionen zum Preis von 44 000 Euro pro Person. „Das ist eine überwältigende Erfahrung“, versichert Expeditionsleiter Rob McCallum. „Fünf bis sieben Stunden bleiben wir unten.“
Das Expeditionsschiff startet im Naturhafen von St. John’s. Die Stadt gilt als älteste Stadt Nordamerikas. Die hölzernen Fischerhäuser des Battery-Viertels am hang säumen den Eingang der großen Bucht. Titanic-Freunde aber zieht es zur Ryan Mansion, einer noblen Herberge, in deren Eingangshalle eine opulente Holztreppe in die oberen Gemächer führt. Sie wurde von denselben Kunsthandwerkerngefertigt, wieeinstder große Hauptaufgang in der Titanic. Der reiche Fischhändler James Ryan hatte sich die Villa um 1910 errichten lassen. Auf einem seiner SchiffewurdedieTreppenachNeufundland transportiert.
Die letzte Nacht auf der Titanic spielen die Betreiber der Ryan Mansion regelmäßig nach – kulinarisch. ChefkochStephanO’Brien bereitet dann eine Auswahl aus dem 14-Gänge-Menü zu, das Passagiere der ersten Klasse am Abend des 14. April 1912 an Bord der Titanic serviert bekamen.
St. Weissenborn/Ch. Strotmann
Die Reise-Infos
Reiseziel
St. John’s ist die Provinzhauptstadt der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador. Sie liegt an der Südostküste der Insel Neufundland, auf der Halbinsel Avalon. Die Stadt hat rund 100000 Einwohner. Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia in Kanada.
Anreise
Mit Air Canada oder Lufthansa von München mit ein bis zwei Zwischenstopps nach St. John’s oder Halifax. Ab ca. 900 Euro. Je nach Verbindung sollten für den Flug bis zu 20 Stunden eingeplant werden. Cape Race erreicht man am besten mit einem Mietwagen, die Fahrt dauert ab St. John‘s rund drei bis vier Stunden.
Reisezeit/Klima
Neufundland hat vier Jahreszeiten, beste Reisezeit ist der Sommer. Auch im Frühling kann es schon mild sein. Im Winter pendeln die Temperaturen zwischen 0 und manchmal minus 50 grad Celsius.
Geld
Ein Euro ist derzeit rund 1,32 Kanadische Dollar wert (stand: 9. Februar 2012). Geld bekommt man an vielen Automaten auch mit deutschen EC-Karten, sollte dies aber vorher mit seiner Bank abklären. Auf alle Preise kommen noch die Steuern (Harmonized Sales Tax) von 13 Prozent.
Weitere Infos
Canadian Tourism Commission, Düsseldorf, Tel. 0211/8285530, www.meinkanada.com. Travel Marketing Rhomberg, Tel. 02104/797454, im Internet: www.novascotia.com.



























