Notruf 114 für "Meerschweinchen-Polizei"

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Die ersten Tierpolizisten Hollands, Gert-Jan van der Wal und Patricia Zohlandt, beim Streifengang in der Ortschaft Capelle aan den Ijssel unweit von Rotterdam.

Amsterdam - Die Tierliebe der Holländer ist legendär. Trotzdem werden auch hier Hunde oder Hamster gequält. Abhilfe sollen nun 500 Tierpolizisten schaffen. Reiner Populismus der konservativen Regierung?

Erste-Hilfe-Kurse für Hunde sind in Holland populär - samt Mund-zu-Schnauze-Beatmung. Katzenpsychologen machen gute Geschäfte. Es werden Krankenversicherungen für Kaninchen angeboten. Pastoren segnen auch Papageien oder Meerschweinchen. Nun gehen die Niederlande noch einen Schritt weiter: Zum Schutz der besten Freunde des Menschen werden landesweit 500 uniformierte Tierpolizisten eingesetzt.

Die ersten zwei haben kürzlich in Capelle aan den Ijssel ihre Patrouillen aufgenommen. Das Interesse war so groß, dass fast alle TV-Stationen des Landes Kamera-Teams in den Vorort von Rotterdam schickten. Tier-Elend konnten Ermittler Gert-Jan van der Wal und seine Partnerin Patricia Zohlandt bei ihrer ersten Inspektionsrunde zwar nicht feststellen. Doch es bestehe kein Zweifel, dass es für Hollands “Dierenpolitie“ viel Arbeit gibt, sagt Justizminister Ivo Opstelten.

Problem: Zu niedrige Strafmaße

Immerhin werden im Oranje-Königreich pro Jahr rund 40 000 Tiermisshandlungen gemeldet, berichtet Frank Dales von der Tierschutzinspektion (LID). Dennoch gehört der Fachmann zu jenen, die an der Zweckmäßigkeit holländischer “Animal Cops“ Zweifel hegen. Nach Prüfung durch den LID-Notdienst in Hilversum blieben nämlich nur etwa 8000 halbwegs ernste Fälle übrig. Viele nach dem Motto: “Mein Nachbar lässt seinen Hund hungern.“

Damit könnten die 200 ehrenamtlichen LID-Helfer durchaus umgehen, sagt Dales. “Sie sprechen die Besitzer an. Die schämen sich meist. Denn eigentlich lieben sie ihr Tiere, aber sie haben oft nicht genug Zeit oder auch zu wenig Geld für sie übrig.“ In besonders schweren Fällen, etwa bei gezielten Quälereien oder gar Tötungen von Tieren “aus Spaß“, habe sich auch bisher schon die Polizei gekümmert. Das Problem sei nicht ein Mangel an Kontrollen, sondern zu niedrige Strafmaße und zu geringe Kapazitäten bei Staatsanwaltschaften und Gerichten für Prozesse gegen Tierschänder.

Beamte dürfen Verdächtige festnehmen

So ist es kein Wunder, dass dem Projekt “Dierenpolitie“ ein gewisser Geruch von Populismus anhaftet. Die Idee hatte der Abgeordnete Dion Graus von der Partei für die Freiheit (PVV). Deren Vorsitzender - der weniger als Tierfreund, sondern eher als Islamhasser bekannte Geert Wilders - griff sie 2010 im Wahlkampf auf. Für mehr Sicherheit und Ordnung werde es trotz Sparmaßnahmen 3000 zusätzliche Polizisten geben, versprach Wilders. Davon allein 500 für den Tierschutz. Das kam gut an beim tierlieben Volk der Niederlande.

Publikumswirksam geht es nun auch weiter: “Een, een, vier - red een dier“ (114, rette eine Tier) lautet der eingängige Slogan für die Tierschutzpolizei. Notrufnummer und Werbespruch sollen groß auf nagelneuen Streifenwagen stehen. Die Beamten werden zwar keine Pistolen tragen, aber immerhin Pfefferspray und Schlagstock. Und sie dürfen Verdächtige festnehmen.

“Bevor es soweit kommt“, sagt Van der Wal, “versuchen wir, die Menschen durch ein gutes Gespräch zur Einkehr zu bringen.“ Dass er und seine künftigen Kollegen in den Medien längst als “Caviapolitie“ - als “Meerschweinchen-Polizei“ - verulkt werden, stört ihn schon ein wenig. Zumal ausgerechnet Amsterdams angesehener Polizeichef Bernhard Welten den Spottbegriff erfand. “Na und?“, sagt Van der Wal. “Im Zweifel sind wir eben auch für Meerschweinchen da.“

dpa

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