Münster - Homosexuelle haben in Deutschland in wenigen Jahrzehnten sehr viel erreicht. Doch sind sie wirklich überall willkommen? Ein schwuler Schützenkönig in Münster hat eine scharfe Debatte entfacht.

© dpa
Dirk Winter (re.) hat als schwuler Schützenkönig eine Debatte ausgelöst.
Katholiken, Schützen und Schwule - in diesem Spannungsfeld ist nun ein wahrer Glaubenskrieg entbrannt: Konservative Schützen wollen verhindern, dass ein bekennend schwuler Schütze bei ihrem wichtigsten deutschen Wettbewerb mitmacht.
Aber damit ging der Ärger los. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) hatte vielleicht auch unterschätzt, wie gut Winter schießen kann. Denn erst ging es nur um das Protokoll, ob Winter und sein Freund in einer Reihe marschieren dürfen. Jetzt rückt eine andere Frage in den Vordergrund. Winter hat sich am vergangenen Wochenende für den wichtigsten Wettbewerb der deutschen Schützen qualifiziert: Das Bundeskönigsschießen im ostwestfälischen Harsewinkel Mitte September. Es ist sozusagen der krönende Abschluss der sommerlichen Festumzüge durch Deutschlands Dörfer und Vorstädte.
Die Dachorganisation weist den Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit von sich. Sie überlegt dennoch, Winter zu disqualifizieren. Denn der habe vor dem erfolgreichen Schuss gegen Regeln verstoßen. “Er hatte vorher in einem Fragebogen unterschrieben, dass er sich christlichen Werten verpflichtet fühlt und nach dem Motto “Für Glaube, Sitte und Heimat“ lebt“, sagt BHDS-Sprecher Rolf Nieborg. Der schwule König müsse respektieren, wofür ein Schützenverein stehe. Nämlich für ein Weltbild, in dem die Familie große Bedeutung habe. “Das ist doch wie beim lateinamerikanischen Tanz.“ Dazu gehörten auch Mann und Frau.
So ein Vergleich wirkt irgendwie befremdlich. Deutschlands Lesben- und Schwulenverband läuft natürlich Sturm, wirft dem Dachverband und den christlichen Würdenträgern im Vorstand “Scheinheiligkeit und Realitätsverleugnung“ vor. Von “homophober Einstellung“ spricht die Staatssekretärin in Nordrhein-Westfalens Emanzipationsministerium, Marlis Bredehorst, sogar. Bundesweit löst der Streit Empörung aus.
Zugleich fällt auf, dass beide Konfliktparteien heftigen Zuspruch bekommen. Nicht wenige Menschen äußern Vorbehalte gegen das schwule Königspaar. Ein Leser schreibt zum Beispiel auf dem Online-Auftritt der Zeitung “Die Welt“: “Sie können den Menschen nicht vorschreiben, was sie gut finden sollen.“ Auf der Webseite der “Süddeutschen Zeitung“ notiert ein Leser: “Muss man seine Gleichgeschlechtlichkeit nun wirklich in jedem Lebensbereich durchziehen?“ Auf “queer.de“ halten Andere dagegen: “Da wird jemand durch sportliche Leistungen Meister und die katholische Kirche bestimmt einfach mal so, dass er sich selbst verleugnen soll.“ Aus einem Sommerloch-Thema könnte eine Grundsatzfrage werden.
Wer in der ganzen Debatte inzwischen am wenigsten sagt, ist Dirk Winter selbst. Der 44-Jähriger mag sich auf Anfrage zunächst nicht mehr äußern. “Ich will erst abwarten, ob man mich disqualifiziert.“
dpa



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.