3D-Technik auf dem Sprung ins Wohnzimmer

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Berlin - Vom Horrorschocker “My Bloody Valentine“ über den drittel Teil der “Ice Age“-Reihe bis hin zum neuen Pixar-Film “Oben“: 3D-Filme sind derzeit der Renner an den Kinokassen.

Zahlreiche Kinos rüsten deshalb ihre Säle um. Nach Angaben des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater in Berlin gibt es derzeit mehr als 100 3D-fähige Leinwände in Deutschland. Die in Hannover erscheinende Computerzeitschrift “c't“ führt im Internet eine fortlaufend aktualisierte Liste mit allen Kinos in Deutschland, die mindestens einen 3D-fähigen Kinosaal haben. Ende Juli waren es noch 127, mittlerweile sind es 180.

“Die Zahl der 3D-Kinos steigt derzeit wöchentlich, die Besucherzahlen sind gewaltig“, sagt Jan-Keno Janssen von “c't“. Derzeit streiten aber noch mehrere Systeme um die Vorherrschaft in den Kinos. “Es gibt verschiedene Ansätze: Die einen funktionieren mit einer sogenannten Shutter-Brille, bei den anderen kommen dagegen Polarisations- oder Interferenzfilterbrillen zum Einsatz.“ Der 3D-Effekt entstehe in beiden Fällen dadurch, dass das linke und das rechte Auge unterschiedliche Bilder sehen. Kommt eine Shutter-Brille zum Einsatz, sendet der Projektor abwechselnd die Bilder für das linke und das rechte Auge. Wenn das fürs linke Auge bestimmte Bild zu sehen ist, schaltet die Brille das rechte Auge blind - und umgekehrt.

Das Ganze geht so schnell, dass das Gehirn kein Flimmern wahrnimmt, sondern ein dreidimensionales Bild. Bei der Polarisations- und Interferenzfiltertechnik werden die Bilder für das linke und das rechte Auge in schneller Folge projiziert, die entsprechenden Brillen sorgen dafür, dass jedes Auge das richtige Bild zu sehen bekommt. Die verschiedenen Systeme haben jeweils Vor- und Nachteile für die Kinobetreiber. Shutter- und Interferenzfilter-Brillen sind recht teuer, die Kinobetreiber müssen sie deshalb nach dem Film einsammeln und reinigen. Die Polarisationsbrillen sind dagegen so günstig, dass sie oft als Einwegbrillen verwendet werden. “Die Kinobetreiber müssen sich also nicht um die Brillenpflege kümmern“, erklärt Janssen. Allerdings sei die Anfangsinvestition bei der Polarisationstechnik teurer, da eine spezielle Silberleinwand benötigt wird.

Ein Nachteil für Brillenträger ist bei allen Systemen, dass sie zwei Brillen übereinander tragen müssen. In den USA sind zwar bereits erste 3D-Brillen in der jeweiligen Sehstärke angekündigt. Das Angebot sei aber nur für eifrige Kinogänger interessant. Der Erfolg der 3D-Filme hat auch bei den Elektro-Herstellern Begehrlichkeiten geweckt. Auf der diesjährigen Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin kündigten einige Firmen an, bereits ab kommendem Jahr 3D-fähige Fernseher und Blue-Ray-Geräte auf den Markt zu bringen. “Die ersten Geräte sollen im nächsten Jahr Marktreife erlangen und zum Weihnachtsgeschäft verfügbar sein“, sagt Michael Schidlack vom Branchenverband BITKOM in Berlin. Die 3D-Technik für daheim ähnelt den im Kino eingesetzten Systemen. “Wie im Kino werden auch hier zwei Teilbilder wechselweise übertragen.

Eine Shutter-Brille fügt diese dann zu einem 3D-Bild zusammen“, erläutert Schidlack. Auch Systeme, die ohne Brille auskommen, sind bei einigen Herstellern in Planung. Sie funktionieren aber nur mit einem speziellen Monitor. Ob sich 3D auch zu Hause durchsetzen wird, ist laut Jansen jedoch fraglich: “Ich denke nicht, dass die Leute nur noch mit aufgesetzter 3D-Brille fernsehen wollen.“ In absehbarer Zeit werde es auch noch keine Fernsehsendungen in 3D geben, sagt Schidlack voraus. Die neuen Geräte seien deshalb vor allem für Filmfreaks und Spieler interessant. Gerade für Konsolenspiele biete die Technik vielfältige Möglichkeiten.

dpa

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