Hoffnungsträger für die XBox One

"Quantum Break": Das Spiel im Test

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Quantum Break.

Auf "Quantum Break" lastet ein immenser Erwartungsdruck. Es soll nicht nur die Fans des Entwicklers "Remedy" zufriedenstellen, sondern auch noch helfen, die schwächelnden XBox-Verkäufe anzukurbeln. Kann das klappen?

Das Zeit-Ei ist zerbrochen. Hä? Selbst Jack Joyce, der Protagonist von „Quantum Break“, macht über die Erklärung im Spiel seine Witzchen. Kaum ein Spiel musste im Vorfeld einem solchen Erwartungsdruck standhalten wie „Quantum Break“ von Remedy, den Entwicklern von „Max Payne“ und „Alan Wake“. Nicht nur, dass die bisherigen Spiele des Entwicklers nicht weniger als wirklich Meilensteine der Spieleentwicklung waren, „Quantum Break“ ist auch einer der Titel, der der XBox One von Microsoft doch noch zum Erfolg verhelfen soll.

Denn sind wir mal ehrlich: Die blanke Leistungsfähigkeit hat noch nie eine Konsole verkauft und zumindest mir ist es herzlich egal, ob ein Spiel nun in einer Auflösung von 1080p oder 720p über den Monitor flimmert. Es sind die Spiele, die die Hardware verkaufen. Und da sah Microsoft in dieser Generation einfach schlecht aus. Spiele, die sowohl für PS4 als auch die One erscheinen, laufen auf der Playstation-Konsole meist etwas flüssiger und sind höher aufgelöst. Und die Exklusivtitel von Microsoft waren bislang entweder nicht das Gelbe vom Ei (Halo 5 enttäuschte die Fans mit seiner gruseligen KI), nur auf eine bestimmte Kundschaft hin entwickelt (Forza) oder schlicht am Massengeschmack vorbei designt (das sehr spezielle Sunset Overdrive zum Beispiel).

"Quantum Break": Action-Adventures sollen es richten

Kein Wunder, dass Microsoft nun sehr viel Aufwand (und Geld) in exklusive Action-Adventures pumpt. Da war Ende 2015 das fantastische „Rise of the Tomb Raider“, das zumindest für eine ganze Weile ausschließlich auf der XBox zu spielen war. Und nun „Quantum Break“, jahrelang in Entwicklung, immer wieder als Beispiel dafür präsentiert, was die XBox One zu leisten in der Lage ist. Ein Spiel, das nicht nur seine sicherliche enormen Entwicklungskosten wieder einspielen soll, sondern auch gleich noch in Massen Konsolen verkaufen.

Warum ausgerechnet Action-Adventures? Weil sie das spielerische Äquivalent zum Popcorn-Kino sind. Leicht zu konsumieren, mit spannender Story, Explosionen und all dem, was die moderne Popkultur so zu bieten hat. Ich liebe Action-Adventures, weil sie die perfekte Abend- und Wochenendunterhaltung sind, wenn es gerade keine neue Staffel von „Game of Thrones“ gibt.

Doch kann „Quantum Break“ das alles leisten? Oh ja! Es ist spannend, es ist wunderschön, es spielt sich perfekt und ist unterhaltsam. Aber es keiner dieser Meilensteine, wie es „Max Payne“ oder „Alan Wake“ aus dem Hause Remedy waren. Die ersten beiden Teile von „Max Payne“ definierten damals den Shooter neu, brachten Elemente wie die Bullet-Time in Videospiele, erzählten ihre Geschichte als düsteren Film Noire mit einem kaputten Antihelden. „Alan Wake“ war so etwas wie der spielbare Stephen King-Roman, finster, gruselig, ein hochspannender Trip in den Wahn eines Schriftstellers.

Quantum Break hingegen ist deutlich weniger Kunst und deutlich mehr Popcorn. Das muss nicht schlecht sein. Aber man merkt dem Spiel an, dass es aufgrund des immensen (und sichtbaren) Aufwands möglichst allen gefallen soll. Und so wird mir ein nicht sonderlich interessantes SciFi-Setting präsentiert. Zeitreisen sind möglich, natürlich geht dabei etwas schief und die Zeit kaputt. Und weil Quantenphysik nunmal irre kompliziert ist, wird es dem Protagonisten (und damit mir) auf die simpelstmögliche Weise erklärt: Das Zeit-Ei ist kaputt gegangen. Aha.

"Quantum Break": Spielmechanik von der Stange

Was wirklich einerseits unvermeidbar und andererseits ein Jammer ist, ist nicht die ziemlich unoriginelle Grundannahme. Es ist das, was „Quantum Break“ spielmechanisch draus macht. Denn auf unserem Weg zur Rettung der Zeit, der Welt und des ganzen Restes sind wir vor allem damit beschäftigt, uns durch Heerscharen von Klongegnern der Fieslingstruppe „Monarch“ zu ballern. Keine Frage, das spielt sich ganz hervorragend. Elegant hechte ich als Jack Joyce in Deckung, manipuliere die Zeit und blase den Bösewichtern so höchst elegant das Licht aus. Ich zische wie ein geölter Blitz durch die Gegend, kann in kleinen Bereichen die Zeit anhalten, eine Zeitblase um mich herum aufbauen, die Kugeln fängt. Doch das macht einerseits die Kämpfe zumeist sehr, sehr einfach. Und ist rein spielmechanisch absolut nichts neues. Wer „Infamous Second Son“ oder „The Order: 1881“ gespielt hat, hat das irgendwie alles schon mal gesehen.

Doch nicht die Aktion oder die 0815-Rätsel, die meist mit ein bisschen Kletterei oder Zeitmanipulationen zu lösen sind, machen „Quantum Break“ zu etwas besonderem. Es ist das Starnensemble, das aufgeboten wurde. Shawn Ashmore (XMen) verkörpert den Protagonisten Jack Joyce, Aidan Gillen (Littlefinger aus Game of Thrones) seinen Gegenspieler, Lance Reddick (Fringe, Bosch) dessen rechte Hand und Dominic Monaghan (Lost, Lord of the rings) den Bruder des Helden.

Und das nicht nur im Spiel. Denn wenn man einmal einen Haufen Stars im Studio hat, dann dreht man auch gleich eine Fernsehserie. Nur dass bei „Quantum Break“ die Serie einfach zwischen die einzelnen Akte des Spiels geschnitten wurde. Kaum ist das Finale eines Abschnitts erreicht, kann der Spieler den Controller zur Seite legen und sich 20 bis 25 Minuten lang die nächste Folge der Serie anschauen, die - solide inszeniert - die Hintergründe der Charaktere beleuchtet, ihre Motivation und ihr Privatleben zeigt. Das verleiht der Charakterzeichnung von „Quantum Break“ eine Tiefe, die nur wenige Spiele erreichen. Gleichzeitig reißt es mich aber auch vollkommen aus dem Spielfluss - und das in dem Moment, in dem ich unbedingt weiterspielen möchte. Die Qualität der Serie ist besser als alles, was man bislang in Spielen gesehen hat, stellt selbst die aufwändige (und sterbenslangweilige) Mini-Serie „Halo-Nightfall“ in den Schatten. Das Ding könnte so durchaus auch im TV laufen.

Besonders bemerkenswert ist, dass „Quantum Break“ beweist, wie gering mittlerweile die Unterschiede zwischen TV und Videogames sind. Die Realsequenzen sind kein optischer Bruch mehr, eines geht fließend ins andere über.

"Quantum Break": Fazit

Fazit: „Quantum Break“ ist vielleicht kein bahnbrechend innovatives Spiel, wie es dereinst „Max Payne“ oder „Alan Wake“ waren, es ist aber spannende Popcornunterhaltung, die man - auch wegen des Mutes, Fernsehen und Games derart zu verschränken - auf keinen Fall verpassen sollte. Der Hoffnungsträger für die Zukunft der XBox One lässt Microsoft tatsächlich hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Als besonderes Schmankerl liegt der XBox One-Version auch ein Downloadcode für die Vollversion des 360-Klassikers "Alan Wake" bei. Schon allein dies rechtfertigt fast den Kaufpreis.

Anmerkung: Das Spiel ist relativ überraschend auch für PCs erschienen. Allerdings ausschließlich für Rechner, die mit Windows 10 laufen. Zudem treten bei einigen Konfigurationen massive technische Schwierigkeiten auf, die sich laut Entwickler auch nur schwer beheben lassen. Daher sei hier zur Konsolenversion geraten. Die sieht zwar vielleicht nicht ganz so wunderschön aus wie auf einem High-End-Rechner, läuft dafür aber hochgradig zuverlässig.

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