Schuld ist eine Untersuchung der Hochschule Heilbronn. Die Befragung in 81 deutschen Städten, 15 davon in Bayern, kam zu dem Ergebnis, dass 75 Prozent der Menschen die Möglichkeit nutzen würden, ihr lokales Nummernschild am Auto wieder zu verwenden, wie es vor der Gebietsreform - im Freistaat 1972 - üblich war: etwa ALZ für Alzenau in Unterfranken oder WOR für Wolfratshausen in Oberbayern. Besonders junge Menschen wollen das Nostalgie-Kennzeichen haben, so die Studie.
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ist für die Initiative. Nach anfänglichem Zögern haben sich jetzt auch die Kommunen auf die Seite der Befürworter geschlagen. “Den betroffenen Städten ist die Wiedereinführung früherer Kfz-Kennzeichen ein Herzensanliegen“, sagt der Geschäftsführer des Bayerischen Städtetages, Bernd Buckenhofer. Ein Auto-Kennzeichen könne in den Städten sehr wohl regionale Identität stiften. Und dank moderner Technik sei die Einführung der alten Schilder kein Problem.
Auf einer ihrer nächsten Kabinettssitzungen dürfte die weiß-blaue Staatsregierung die Berliner Empfehlung durchwinken. Dann liegt es an den betroffenen Landkreisen und Städten, sich zu entscheiden. Etliche Landräte wollen erst noch ihre Kreistage befragen, wie es heißt. Im Falle der Zustimmung hat der Autofahrer dann die Wahl, das bestehende Nummernschild zu behalten oder sich ein Altkennzeichen prägen zu lassen. Er muss dafür freilich in die Tasche greifen: Um die zehn Euro soll das Wunschkennzeichen mehr kosten.
Für den mittelfränkischen Landkreis Ansbach würde die Wahlfreiheit bedeuten, dass ein Bürger wie bisher AN oder aber die Altkennzeichen DKB für Dinkelsbühl, FEU für Feuchtwangen oder ROT für Rothenburg ob der Tauber verwenden kann. Überhaupt sei vor allem in Mittelfranken und Oberfranken der Wunsch nach den alten Nummernschildern besonders ausgeprägt, ist bei den Kommunalverbänden zu hören.
Doch wenn es nach dem Bayerischen Landkreistag geht, gibt es keine Renaissance der früheren Schilder. “Die Wiederführung von Altkennzeichen bedeutet ein Zurück in die Vergangenheit und ist nicht hilfreich“, beschied Verbandspräsident Jakob Kreidl (CSU) dieser Tage. Der Miesbacher Landrat - sein Kreis mit dem Kennzeichen MB wäre von der Änderung nicht betroffen - warnt vor einer lähmenden Debatte über die Wiedereinführung der Nostalgieschilder: “Dies ist geradezu anachronistisch im 40. Jubiläumsjahr der Gebietsreform.“
Kaum hatte der Landkreise-Chef seine Ablehnung kundgetan, kam die Retourkutsche von Verkehrsminister Martin Zeil (FDP). Er erinnerte Kreidl daran, dass der Wunsch nach den alten Nummernschildern aus den Kommunen selbst komme. Sein Ministerium werde das Projekt jedenfalls mit dem Ziel vorantreiben, “im Interesse der betroffenen Bürger zeitnah die Wahlfreiheit für Altkennzeichen zu ermöglichen“.
dpa

































