"Leider gibt es in Deutschland keine Helmpflicht für Radfahrer", bedauert Verkehrspolizist Josef Streck. Er ist überzeugt, dass viele Radlunfälle mit Helm glimpflicher ausgingen. Die Deutsche Verkehrswacht nennt Zahlen von Fahrradunfällen und gute Gründe, einen Helm zu tragen.
Auf den Straßen Waldkraiburgs sieht man immer noch eine Mehrheit an Radlern, die ohne Helm unterwegs sind. 80 bis 90 Prozent schätzt Verkehrspolizist Josef Streck.
Eine Helmpflicht gibt es nicht, auch nicht für Kinder, bedauert Streck, der sie, genau wie seine Kollegen befürworten würde. Bei der Verkehrsausbildung, die die Kinder mit neun oder zehn Jahren beginnen, suggerieren die Beamten den Kleinen, dass es nicht ohne geht. "Spätestens zwei Jahre danach, sieht man sie dann aber doch ohne Helm, weil es ja dann ,uncool' wird", so Streck. Er ist überzeugt, viele Fahrradunfälle würden glimpflicher ausgehen, wenn die Radler sich mit einem Helm schützten. Allein bei leichten Stürzen könne man sich so schon Platzwunden sparen.
Deutschlandweit hat es im Jahr 2011 399 Radlunfälle mit tödlichem Ausgang gegeben, wie die Deutsche Verkehrswacht mitteilt und dabei das Statistische Bundesamt zitiert. 14436 Personen wurden schwer verletzt. Ein Helm könne helfen, Kopfverletzungen mit schwerwiegenden Folgen zu verhindern, denn er sei die Knautschzone des Radfahrers. "Obwohl in Deutschland im letzten Jahr 76655 Radfahrer bei einem Unfall verletzt oder getötet wurden, tragen nur elf Prozent der Radler einen Helm", heißt es in der Pressemitteilung.
So wie Polizist Josef Streck. "Ich kann ja nicht Wasser predigen und Wein trinken." Immer mit Radlhelm unterwegs ist der sechsjährige Alexander Depner aus Waldkraiburg. Seine Mama Christine eher selten. Sie schiebt das auf ihre Haare, die sie gern hochgesteckt trägt. Hier argumentiert die Verkehrswacht: "Besser mit Helm die Frisur ruinieren, als ohne Helm nach einem Unfall gar keine Frisur mehr zu haben." Christine Depner gibt zu, dass es eine Frage der Eitelkeit sei, ohne Schutz zu fahren. "Eigentlich müsste jeder Radfahrer einen Helm tragen, Helmpflicht wäre gut, dann würden auch wir Erwachsenen nicht mehr auskommen." Schnell sei etwas passiert, da reiche es, nur mit dem Rad umzufallen.
Auch sie stört ein Helm am Kopf: Sonja Biedermann. Die Ausrede der 36-Jährigen: "Ich fahre sehr gemütlich." Eine Helmpflicht findet sie sinnvoll, allerdings würde sie dann aufs Radfahren verzichten. Anders ihre Tochter Petra. Die 16-jährige Waldkraiburgerin hat sich gerade ein ganz neues Modell zugelegt. Damit fühle sie sich sicher.
Fahrradhändler Ernst Weidl bemerkt beim Helmverkauf einen Anstieg, genau so Günther Lech von "Back to Bike", doch erst seit einigen Jahren. "Nun ist es auch in meiner Altersgruppe angekommen, dass ein Helm schützt und nicht zur Verunstaltung da ist", lacht Weidl. Das Sicherheitsbewusstsein vieler Kunden sei gestiegen, aber man versuche auch, den anderen Kunden die Notwendigkeit eines Kopfschutzes näherzubringen, so Weidl und Lech.
Auch die Politik macht sich ihre Gedanken. Am 29. Juni wurde im Bundestag mit einer Mehrheit eine Helmpflicht - zumindest für Minderjährige - befürwortet. Eine Verbesserung der Verkehrssicherheit ist das Ziel aller Fraktionen.
kla/Mühldorfer Anzeiger


















